They should learn to THINK! Bo Ekman in Kiel #GES2011

It was the moment, when he talked about respect and dialogue, systemic view and thinking in the context of internet governance panel at #GES2011 #fcorg

Look at this:  Bo Ekman and the Tällberg Foundation in Sweden

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Wendy Ewald – Wie Kinder ihre Wirklichkeit selbst dokumentieren

Red Hook, NYWendy Ewald

Kamera, Stift und Zutrauen – Wie Kinder ihre ganz eigene Welt dokumentieren

Es regnete aus allen Eimern. Das GPS wusste nicht, dass die Straße nach Red Hook, NY gesperrt war. Und so tourte ich auf eigene Faust einen Umweg. Zehn Minuten Verspätung brachte mir die Fahrt durch die Berge östlich des Hudsons gen Süden ein. An den Straßenrändern standen so viele „For Sale“ Schilder,  wie ich sie in der Menge nur in der Zeit während meines ersten Amerika-Urlaubs nach dem Credit Crunch gesehen hatte. Sogar das 21. Jahrhundert war zum Verkauf. Die meisten Restaurants an der Route 9 waren vernagelt, andere angbeoten zur Vermietung. Wenig optimistisch anmutend, verregnet aber sattgrün – und mitten drin: Ich in dem alten Volvo, den ich mir geliehen habe, um Wendy Ewald in ihren privaten Gefilden mitten im Wald aufzusuchen.

Sie war zu müde am letzten Sonntag, Jetlag plagte sie. Sie war gerade erst von ihrem letzten Projekt aus Israel zurück. Auf den letzten Metern der Schotterstrecke in Richtung der angegebenen Adresse hatte ich noch die Vorstellung einer Blockhütte und dachte an so etwas wie einen Sommersitz zum Ausruhen. Vor ihrem Haus angelangt wurde ich eines Besseren belehrt. Der Basketballkorb auf dem Parkplatz deutete auf Kinder. In Gummistiefeln begegnete mir der erstaunte Ehemann und verwies mich auf Nachfrage in den rechten Flügel des riesigen Hauses. Wie im Traum war ich in einer Lichtung gelandet. Bei der selbstgemachten Limonade stellte sich auch schnell heraus, dass das Haus relativ neu und von dem Fotografenehepaar höchst persönlich geplant ist. Zentrum des Hauses: Ein 60 Quadratmeter großer Raum mit einem Glasdach – schräg – damit im Winter der Schnee schnell schmelzen und herunter rutschen kann. Neben dem großen Tisch eine Art offenes Gewächshaus. Rund um das Haus Wald. Im Winter wäre das sicherlich sehr dunkel geworden. Das können natürlich Spezialisten für Licht nicht dulden. Und so haben sie sich vor vier Jahren diesen Traum erfüllt. Vom Tresen in der großen Küche zogen wir zum Gespräch in die Familienecke um. Aufstehen, zehn Meter entlang der Fensterfront gehen und wieder hinhocken. Es sei nicht „In the Middle of Nowhere“ scherzt Wendy. Es gäbe noch mehr „Nowhere“ in dieser Gegend, in der sie seit knapp zwanzig Jahren schon lebe.
Geboren ist sie 1951 in der Nähe von Detroit, wollte schon immer Fotografin werden. An der Wand hängt das Bild der Hand der Highschool- Lehrerin, die sie maßgeblich inspiriert hat. Eine große Auswahl an Projekten präsentiert sie mir. Der fotografische Blick und das Schreiben sind ihre „Tools“, ihr Handwerkszeug. Mit dem verschafft sie für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr z.B. den Blick auf deren eigenen Körper – „The Best Part of me“. Sie bietet Kindern in und aus aller Welt das Abbild ihres sozialen Umfeldes, deren guten und schlechten Träumen “Secret Games“. Mit dem Buch „Geheime Spiele“ hat sie es auch in deutschsprachige Gefilde geschafft. Stuttgart hat ihre Fotos ausgestellt – die Kuratoren jedoch haben kein Geld zusammen bekommen, um ein solches Projekt in Deutschland zu starten. Auch in Winterthur in der Schweiz beeindruckte sie. Als ich im Netz stöberte, um herauszufinden, wo überall sie schon aktiv war, fand ich für Deutschland nur diese eine Ausstellung – wirklich verwundert hat es mich nicht. Noch habe ich wenig Deutsche erlebt, die sich dem subjektiven Blick der Kinder stellen (wollen) und dafür auch noch Geld locker machen.
Was aber war ihre Motivation für das Buch „The Best Part of me“? Mal ab davon, dass es ihr einziges Buch auch FÜR Kinder gewesen sei – gedankenverloren betrachtet sie das Hardcover und streicht versonnen über den Titel – sei zu der Zeit ein wahnsinniger Hype um das Thema „Kinderpornographie“ gewesen. Sie hat den Spieß umgedreht, und die Kinder entscheiden lassen, was sie von sich selbst abbilden und veröffentlichen wollen. Die Kleinen haben sehr konkret ihren eigenen Körper betrachtet, an ihrem Selbstbild gearbeitet – die Pubertierenden, wirft sie ein, hätten Gegenstände favorisiert, die sie dann auf ihren Füßen, Armen, Kopf oder Bauch platziert hätten. So hat sie entschieden, das Buch mit den Jüngeren zu produzieren – und auch für diese. Ihr heute 14- jähriger Sohn habe immer wieder stolz das Buch in der Schule herumgezeigt, berichtet sie schmunzelnd. Sie nutzt das Fotografieren und den Blick vor allem, um daran und damit zu arbeiten, darüber zu sprechen und zu schreiben. Zu analogen Zeiten ist auch die Dunkelkammer ein wichtiger Ort für den Prozess gewesen. Dort hätten Kinder aller Ehtnien gemeinsam arbeiten können, unbeaufsichtigt, nicht kontrolliert – im Dunkeln eben – etwas, was sie bei Tageslicht und damit offensichtlich vielleicht gar nicht getan hätten. Ja, die analogen Zeiten – sie sinniert darüber, dass Buch „I wonna take me a Picture“ nun gemeinsam mit Kollegen zu überarbeiten. Denn Fotografieren und Schreiben sollten alle Kinder lernen- anders vor allem auch, als sie das Formulieren in der Schule bisher lernen. Den digitalen Zeiten ist halt nicht mehr zu entrinnen.

Es musste auch schon mal „schnell gehen“. Wie bei ihrem Projekt in dem Küstendorf Margate in der südöstlichen Ecke von Kent, GB. Dafür nutzte sie Polaroidkameras. Sie wusste nämlich nicht, wie lange die Kinder und Familien in den ehemaligen Hotels der alten Badestrände noch verweilten. Grund: Dort landeten Menschen auf der Flucht aus ihrem Heimatland, um ein neues, hoffentlich friedliche(re)s Leben zu beginnen. In der Grundschule des Ortes wechselten ca. 50% der Schüler jährlich. Welche Auswirkungen das Kommen und Gehen auf die Kinder hat, wollte sie unbedingt wissen. Tat sich mit „Art Angel“ in England zusammen und arbeitete mit den Jungen und Mädchen, die sich, weil nicht in der Schule, tagsüber in eigens für sie eingerichteten Zentren aufhielten. Da sie aber alle nur ihre Muttersprache beherrschten, konnten die Flüchtlinge aus Irak, Afghanistan, Südafrika, Nordvietnam, Kongo und Sudan sich nicht einmal untereinander verständigen. Es gab auch nichts zu tun für sie. Wendy engagierte Übersetzer für alle sechs Sprachen. Sie wollte den Kindern etwas anbieten, das Spaß macht und gleichermaßen die Chance birgt, ihre lange Reise und ihr Leben bis dahin zu reflektieren. Sie fassten Vertrauen, nachdem sie begriffen hatten, dass diesmal die Übersetzer nicht dazu da waren, um über ihre potenzielle Einbürgerung zu sprechen.
Sie suchten Gegenstände zusammen, mit denen sie ein Stillleben produzierten. Gegenstände, die ihnen aus der Heimat geblieben waren, Gegenstände, die sie an Eltern oder ihr Heimatdorf, an Helfer oder Freunde erinnerten und durch die Zeit trugen. Die Kinder wählten Fotos von ihrem Hinterkopf und von ihrem Gesicht- und bearbeiteten die Polaroids. Schrieben rund herum ihre wichtigsten Gedanken zu ihrer Situation. Je drei bearbeitete Bilder pro Kind wurden überlebensgroß an der Steilküste Dovers ausgestellt – so dass die Öffentlichkeit teilhaben konnte an dem zerrissenen Leben der Kinder aus Margate.
Das Gesichter schauten auf das Wasser, der „Blick“ des Fotos ihrer Hinterköpfe auf das Land gerichtet, in dem sie gerade leben. In der Mitte das Stillleben – ebenfalls gleicher Größe. Wenn Zuschauer auf das Bild des Asylsuchenden 11 Jährigen aus Belarus sahen, konnten sie lesen: „Es geschah, dass ich meine wunderbare Stadt verlassen musste!“ Allerdings – resümierte sie schon während ihres Vortrages am Sonntag traurig und entsetzt- sei der Zeitpunkt denkbar schlecht gewesen. In London hatten Terroristen ein paar Tage zuvor den Anschlag in der U-Bahn verübt – und in Margate zerstörten darauf hin Menschen die zwei Bilder des südafrikanischen Mädchens mit Feuer. Sie hatte auf ihrem Stillleben abgebildet: Flip Flops und „The Principles of Islam“.

„Es ist wichtig, die Welt nicht nur die Linse geübter Fotografen zu sehen. Sondern vor allem durch die der Menschen, die die Dinge erleben, die sie fotografieren!“ Man gebe bitte Kindern Stift und Kamera in die Hand. Sie können auf diese Weise herausfinden und dokumentieren, was in ihrem Leben passiert. „Und wenn die Kulturen der Welt so durch Kinder „unterrichtet“ werden, dürfte das Analphabetentum bald Vergangenheit sein.“

Unterrichten müsse sie auch noch viel, sagt sie lachend. So ein Haus bezahle sich nicht von allein! Einen Gang durch dasselbe bekam ich noch. Auch in die Dunkelkammer und den Lagerraum, in dem ich die Rollen der Planen aus Dover entdeckte. Die Ewalds teilen sich das Labor mit anderen Fotografen aus der Gegend. Es frönen noch mehr Kollegen der analogen Fotografie. Hier ist sie, die sie ist. Viel wacher erscheint sie als am Sonntagabend. Ist wohl auch lieber im Gespräch als zu dozieren. Das Foto, das ich von ihr daheim geschossen habe, kommentierte sie: „Ich sehe eben besser aus in meiner eigenen Umgebung.“

Eins wurde mir zum Ende bewusst. Nicht umsonst bin ich so auf sie „angesprungen“. Meine Leidenschaft für Kinder, Sprache, Fotografieren und Bildung lebt sie als Person und in ihrer Arbeit.

Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich über diese Arbeit geschrieben habe.

Vielleicht der Auftakt, um auch in Deutschland „Migration“ mal anders zu betrachten oder betrachten zu lassen?

Peter Vandecar – der schafetreibende Volvodealer

Das erste mal begegnete ich Peter im September 2008. Die Suche nach einem Wagen hat uns ihn über den Weg geschickt. Den alten Mann, der nur alte Volvos verkauft. Aus Prinzip. Von denen hat er noch mehr. Und sein Hobby scheinen Volvos auch zu sein. Naja: Während er uns so miteinander sprechen hörte, registrierte er schnell, dass wir keine Eingeborenen, keine Native Speaker aus den Staaten sind. Hellwach war er in diesem Moment und begann zu erzählen: Seine Mutter war Deutsche, übersetzte zu Kriegszeiten technische Gebrauchsanweisungen für die Chemiebranche. Er hütet daheim noch Briefe, die mit dem Zeppelin in den Staaten landeten. Er will sie aber nicht lesen – und schon mal gar nicht verstehen. Er fürchtet, seine Mutter könnte eine Sympathisantin der Nazis gewesen sein.
Irgendwann fragte er mich, ob ich den Namen Göring kenne. Sehr erstaunt fragte ich ihn, ob er auch ein schöneres Kapitel unserer deutschen Geschichte habe, auf dass er sich zum Auftakt eines Gespräches beziehen könnte. Er lenkte aber sofort ein. Er war Nachbar der Großnichte dieses Kriegsverbrechers Göring. Ist mit ihr befreundet – auch über die Meilen hinweg. Santa Fe war das Stichwort – und jedesmal, wenn er es vernahm bei den folgenden Gesprächen, schon plauderte er drauf los. Meine Neugier war geweckt.

Zu sprechen war er allerdings doch eher selten. Der Grund, warum mein Freund hier sein Auto erst vier Wochen nach Kaufzusage bekam: Er hat noch ein Vergnügen, dem er regelmäßig frönt. „Sheepdog-Trials“ – mir fiel dazu spontan nichts ein. Er schrieb mir eine URL auf einen Zettel. Schreiben war einfacher: er hört schlecht und ich verstehe ich nicht immer. Der Hundetrainer mit auch holländischen Wurzeln tummelt sich den ganzen Sommer auf solchen „Sheepdog-Trials“- auf denen Menschen sich gemeinsam mit ihren Hunden im Schafehüten messen. Ich kannte bis dato nur Schweinchen Babe. Und als ich schüchtern dessen Namen erwähnte, brach er in Begeisterungsstürme aus. Der Film hatte wohl ganze Arbeit geleistet.
Eine Einladung zu seinem persönlich ausgerichteten Contest ließ nicht lange auf sich warten. Dass ich in meinem Urlaub, oder auch Leben, mal in Altamont, NY an einem komplett verregneten Tag bei dem Event Züchtern, Schafen und Hunden beim gemeinsamen Treiben zuschauen sollte, hatte was. Bewaffnet mit meiner Kamera trollten wir durch nasse Wiesen. Auch die Antwort auf die Frage, wozu diese Hunde eigentlich sonst noch so gut sind, fanden wir auf dem Parkplatz.
Zwar zuckten wir als Entenfreunde kurz – aber…

Auf der Rückfahrt noch eine Schildkröte vorm Überfahren gerettet, musste ein Burger gegen den Hunger dran glauben – und heißes, schwarzes Wasser mit Half&Half zum Aufwärmen. „Coffee“ nannten sie das Heißgetränk im „Homefront Cafe“ – dem inoffiziellen Kriegsmuseum gegenüber der Library im Zentrum Altamonts.
Und Frau Göring sollte ich dann auch noch kennen lernen – wenn auch erst später.

Sam Abell – The Next Step

Lectures
Sam Abells besonderer Blick auf die Welt hat mich schon lange fasziniert, gerührt. Unlängst ergab sich die Möglichkeit, an einem seiner Workshops teilzunehmen. Diese Chance habe ich genutzt. Mit Erfolg! Selten habe ich so gerührt, gestärkt, erstaunt und klar die nächsten Schritte vor mir gesehen wie nach diesen zwei Tagen. Awesome! 🙂

Ich habe Sam Abell den Caspar David Friedrich der Fotografie getauft. Er arbeitet mit Schichten: Backlayer, Expression, Gesture – fotografiert meistens mit der 35 mm – Linse. Und auf seinen Bildern ist immer Leben – die Stilleben „atmen“ und seine Aufnahmen von Chaos haben „Ruhe“. Er hat Geduld!

Vielschichtigkeit und Komplexität faszinieren mich eh – und ich lauschte gern den Entstehungsgeschichten seiner Bilder. Er ist in seinen Szenen. „Involvement“ nennt er das. Er ist einfach so – involviert, präzise, herzlich, gedankenvoll, wach, aufmerksam, respektvoll.

I am deeply grateful for this experience!