„Je kleiner das Sandkörnlein ist, desto sicherer hält es sich für den Mittelpunkt der Welt.“ Marie von Ebner-Eschenbach
Schon ganz schön lange tummele ich mich auf und in dieser Welt. Ich habe viel von ihr gesehen. Meiner Motivation und meinem Glück sei Dank. Nicht zu vergessen: Meine Wurzeln: Gestern war ich nochmal in NRW – am östlichsten Rand und ohne großen Kontakt zu Menschen – um eine vorerst letzte Fuhre Erinnerungen an meine verstorbenen Eltern abzuholen. So eine Wohnung hat es in sich. Die Begegnung mit meiner eigenen Geschichte in all dem Aufbewahrten ist schon immens. Einige meiner grundlegenden Annahmen sind erschüttert. Annahmen, auf denen Verhalten von mir fußten und fußen. Und: Es rückt sich was zurecht. Versöhnt. Klärt. Güte, Humor und Demut bestimmen mein Handeln – und der unbändige Respekt für die Privatheit dessen, was meine Mutter dann auch noch von meinem Vater gehütet und dann hinterlassen hat.
Bei mir entstand im Gegenzug die Frage an mich selbst: Was genau möchte ich noch behalten von dem, was ich selbst geschrieben, abgebildet, gemalt, geschaffen habe, von dem die Welt noch nicht weiß? Spricht aus meinem erneut aufgeflammten Entsorgungswahn auch Misstrauen?
Ich erinnere mich gut, dass ich zu meinem 40. Geburtstag alle Tagebücher vernichtet habe, die ich seit meinem 13. Lebensjahr geschrieben hatte. Da ich viel schreibe, waren das drei Koffer voll. Inzwischen hat sich schon wieder das eine oder andere angesammelt. Da ich seit der Zeit auch selbstständig bin, haben sich die Meinungen, Erlebnisse und Inhalte für meine Arbeit vermischt.
Ich bin verführt, mal wieder Tabluarasa zu machen.
Die avisierte Reise, deren Vorbereitung mich die letzten Wochen am Schreibtisch gehalten hat, ist am Freitag abgesagt worden. Gesundheit und Sicherheit gehen vor.
Also: Zeit ist da. Langweilig wird es hier nicht. 🙂
Mal sehen, was sich in den nächsten Woche noch so nach oben wühlt. 🙂
„Eine Welt, die Platz für die Öffentlichkeit haben soll, kann nicht nur für eine Generation errichtet oder nur für die Lebenden geplant sein; sie muss die Lebensspanne sterblicher Menschen übersteigen.“ Hannah Arendt
„Die Darstellung der Welt, wie die Welt selbst, ist ein Werk der Menschen; sie beschreiben sie aus dem Blickwinkel, den sie mit der absoluten Wahrheit verwechseln.“ Simone be Beauvoir
„Wenn man von einem Sturm des Gefühls spricht, meint man einen, wo die Rinde des Menschen ächzt und die Äste des Menschen fliegen, als sollten sie abbrechen.“ ―Robert Musil –
„Die Wahrheit ist das Kind der Zeit, nicht der Autorität.“ Bertholt Brecht
Es sollte ungefähr 35 Jahre her sein, dass ich lauthals mitgesungen habe, wenn er sein „Dein ist mein ganzes Herz“ zum Besten gab. Und dann habe ich nichts Populäres mehr von ihm gemocht. Seine Balladen schon. Die alten Männer packen noch mal an – und aus, dachte ich mir, als mir das hier in den Ohren klang. Ohrwurm des Tages. Auf den war ich nicht vorbereitet. Und er hat irgendwas in mir angerührt. Der Tag wird es mir präsentieren. 🙂
“ Wissenschaftlicher Fortschritt macht moralischen Fortschritt zu einer Notwendigkeit; denn wenn die Macht des Menschen wächst, müssen die Hemmungen verstärkt werden, die ihn davon abhalten, sie zu missbrauchen.“ Madame de Stael (1766 – 1817)
Diese frühe Kosmopolitin aus Frankreich sagte wohl heute wieder das selbe. 🙂
„Ein zufriedener Mensch besitzt die Fähigkeit der Selbstkontrolle, aber nicht jene Art der Selbstkontrolle, die darin besteht, zu ertragen und mit allem zufrieden zu sein, sondern vielmehr jene Selbstkontrolle, die die Fähigkeit gibt zu kämpfen!“ Elsa Brandstöm
„Begegnung ist, wenn meine größte Freude darin besteht, zu sehen, wie Du aufleuchtest, dadurch, dass ich da bin. Und Du siehst, dass ich aufleuchte, dadurch, dass Du da bist!“ nach Ivan Illich
„Was immer euch die Zeit zuweht, steht zusammen, bis der Sturm sich legt. Gebt auf Eure Liebe acht…. Dass kein einziges Gefühl dort still verdorrt. Seid einander ein sanftester Hort. ….. Seid ein seliger Akkord, immerfort, immerfort.“ H.G.
„Traurigkeit ist Stille, ist Tod; Heiterkeit ist Regsamkeit, Bewegung, Leben.“ Marie von Ebner-Eschenbach
Gestern hat jemand zu mir gesagt: Du lebst aber auch unruhig. Wahnsinn.
Tja, das ist alles eine Sache der Sichtweise. Ich behaupte mal: Mein Leben ist lebendig, bewegt, aufregend, manchmal schwer, mitunter sehr leicht, ab und zu schwierig, dann wieder unkompliziert bei allem Theater oft fröhlich – zumindest häufiger fein und heiter als traurig und still. Gesegnet fühle ich mich. Ich nehme es mit beiden Händen. Ich habe das eine bloß.
Eine wunderbare der Beschäftigung während der Elternzeit. 🙂
„Barsel“ ist das dänische Wort für Elternzeit. Tina Dico und Helgi Jonsson leben mit ihren drei Kindern in Island. Dort gibt es bekanntlich die besten Bedingungen für berufstätige Eltern 🙂
Diese wunderbare Version der „Hundred Miles“ wollte ich Euch nicht vorenthalten 🙂
An den erwachsenen Leser Ihr sagt: „Der Umgang mit Kindern ermüdet uns.“ Ihr habt recht. Ihr sagt: „Denn wir müssen zu ihrer Begriffswelt heruntersteigen. Hinuntersteigen, uns herabneigen, beugen, kleiner machen.“ Ihr irrt Euch. Nicht das ermüdet uns. Sondern, dass wir zu ihren Gefühlen emporklimmen müssen. Emporklimmen, uns ausstrecken, auf Zehenspitzen stellen, hinlangen. Um nicht zu verletzen. Janusz Korczak 1878-1942