Eine weitere starke Frau

Heute stolperte ich über eine Dame, von der ich bislang noch nie etwas gehört hatte.

„Hanna“ Melzer – die in einer Gegend aktiv war, in der ich viel Zeit meines Lebens verbracht habe. Zumindest meines jungen Lebens. 🙂 Brennend interessiert hätte mich, ob meine Großmutter diese Frau gekannt hat. Vielleicht finde ich es ja noch raus. Auch, wenn sie schon seit 35 Jahre nicht mehr lebt.

Perrefort, Maria, Johanna Melzer, Version 1.0,
in: frauen/ruhr/geschichte, 10. 06. 2010,
https://www.frauenruhrgeschichte.de/biografien/johanna-melzer/
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Johanna „Hanna“ Melzer gehörte dem kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus an. Ihre Politisierung wurzelte in einem tiefen Gerechtigkeitssinn und in der Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben mit Arbeit und Brot. Die Hagener Staatsrechtlerin Li Fischer-Eckert kam 1913 in ihrer beispielhaften Analyse der wirtschaftlichen und sozialen Stellung der Frauen im Industrierevier zu dem Schluss:„Überhaupt trat mir das Bedürfnis nach Gerechtigkeit in auffälliger Weise häufig entgegen. Die Leute haben ein Gefühl der durch keine höhere Notwendigkeit gerechtfertigten Zurücksetzung und Benachteiligung ihres Daseins, das sie, glaube ich, viel tiefer quält, als das Hungerleiden, als die materielle Not.“  weiterlesen

Am 28. Februar 1949  formulierte Hanna Melzer im Landtag den Antrag, eine Unterschriftensammlung gegen den Einsatz von Atombomben zu fordern. Sie schlug folgenden Gesetzestext vor: „Der Landtag von Nordrhein-Westfalen begrüßt die Sammlung von Unterschriften aller Frauen, welche die Vernichtung vorhandener und das Verbot der Herstellung neuer Atombomben, ferner die Einsetzung einer internationalen Kontrollkommission zur Überwachung und Durchführung dieses Verbots fordern.“ Sie erläuterte diesen Antrag in der Landtagssitzung vom 13. April 1949 u.a. mit den Worten: Die Militärstrategen diskutieren die Frage, ob die Atomwaffe kriegsentscheidend sei oder nicht. Aber eines ist sicher: Die Atomwaffe ist die furchtbarste Angriffswaffe. Wegen dieses Engagements gegen die Re-Militarisierung hatte sich Hanna Melzer 1952 erneut einem Gerichtsverfahren zu stellen.

 

Perrefort, Maria, Links liegengelassen. Das rote Herringen, hrsg. Von Maria Perrefort im Auftrag des Hammer Geschichtsvereins e.V., [Hamm], o.J.

Und die Moral von der Geschicht: #AntiPeterSinger

27. Mai 2015

Aktualisierung: Mit Entsetzen stelle ich fest, dass dieser unsägliche Peter Singer es schon wieder zu einer Einladung nach Deutschland gebracht hat.

Gottseidank hat der Laudator abgesagt. Hoffentlich verweigern sich dem noch mehr Menschen.

Aus diesem aktuellen Anlass werde ich den Blogbeitrag einfach noch mal mit einem neuern Datum versehen.

Kopfschüttelnd…….

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Juli 2014

In den letzten Wochen hat es immer wieder virtuelle Begegnungen mit Menschen gegeben, deren Kinder das Down Syndrom haben. Die meisten derer Kinder sind noch klein – frisch bis 17 Jahre, wenn ich das so richtig verstanden habe. Viele Erinnerungen kommen hoch. Viele Erlebnisse, Erkenntnisse und der Umgang damit.

i teach

Ende der Achtziger des letzten Jahrhunderts (ich finde es immer wieder amüsant, das so zu schreiben) gab es z.B. einen Tierethiker aus Australien namens Peter Singer, dessen diskriminierende Lehre zum Wert eines Menschen unter anderem an der Uni Dortmund im Fachbereich Sonderpädagogik gelehrt wurde.
Dieser Mensch wurde einst an diese Uni Dortmund eingeladen. Nach Bekanntwerden gab es eine riesige Boykottveranstaltung. Er wurde ausgeladen, und viele Vertreter der Institutionen, Studenten, Organsisationen, Betroffenen und Fachleute wurden eingeladen, um Stellung zu beziehen – gegen ihn und seine Lehre und auch gegen mindestens einen Professor der Uni Dortmund.
Singer hatte unter anderem gefordert, dass Ärzte in Tötungstechniken ausgebildet werden müssten. Sie hätten bitte zu lernen, wie man ein Kind, z.B. mit Down Syndrom, direkt nach der Entbindung töten könne. Schließlich läge der Wert eines „solchen“ Kindes noch unter dem eines Schweines: denn das könne man ja wenigstens noch essen.

Mich graut es heute noch, wenn ich an diese Sätze denke, an diese Haltung. Ich sollte Stellung beziehen. Weigerte mich aber, über diese Thesen einen wisenschaftlichen Diskurs zu starten. Das hätte m.E. lediglich gezeigt, dass ich ihn ernst genommen hätte. „Not my cup of tea!“ dachte ich damals! Und schrieb einen literarischen Text. Mich hat zwar niemand gefragt, aber dieser Text ging um die Welt. Wo ich den überall gefunden habe – und immer wieder finde!

Ich habe Angst – Ich habe Mut

Ich habe Mut,
wenn ich in das Gesicht meines Sohnes sehe.
Ich habe Angst,
wenn andere ihn ängstlich anschauen.
Ich habe Mut,
wenn ich sein phantasievolles Spiel betrachte.
Ich habe Angst,
daß andere seine Liebe zur Welt zurückweisen.
Ich habe Mut,
wenn ich ihn lachend, weinend, glücklich, wütend erlebe.
Ich habe Angst,
daß andere ihn als gefühllos bewerten.
Ich habe Mut,
wenn Johannes mit viel Vertrauen auf andere Menschen zugeht.
Ich habe Angst,
daß ihn eines Tages jemand mißbraucht.
Ich habe Mut,
wenn ich ihn in einem Regelkindergarten mit vielen Kindern,
Erzieherinnen gemeinsam leben und lernen sehe.
Ich habe Angst,
wenn Mütter ihren Kindern verbieten, mit Johannes zu spielen.
Ich habe Mut,
wenn ich erlebe, wie selbstverständlich Menschen Johannes annehmen
und mit ihm umgehen.
Ich habe Angst,
daß ein Anstötz und ein Singer vielen Menschen aus der Seele sprechen.
Ich habe Angst,
daß Zustände wie vor 50 Jahren entstehen.
Ich habe Angst,
weil ich nicht will, daß Johannes die wenigen Menschen, die ihn ernst
nehmen, immer brauchen wird, damit er so sein darf wie er ist.
Ich habe Angst,
immer Angst haben zu müssen, weil die Wissenschaft
eine Grenze ziehen will.
Ich habe Angst,
daß die Politik so eine Wissenschaft als Berechtigung für
menschenunwürdige Entscheidungen benutzt.
Ich habe Angst,
irgendwann keine Kraft mehr zu haben, mich gegen solche Strömungen
wehren zu können.

Ich bekomme Mut,
wenn ich EUCH HIER sehe und höre, wenn ich spüre, daß der
Widerstand mitgetragen wird.
Dann kommt so eine leise Ahnung von einem lebendigen
Leben gemeinsam mit allen MENSCHEN !!!

Einelterfamilie:  Ulla Keienburg - mit Johannes
 Eine der Quelle: Aus der Zeitschrift "zusammen" Heft 9/1989, S. 8

Der Grund , wieso ich ihn  nicht umgehend im Netz finden konnte: Mein Nachname war überall da, wo dieser spezielle Text genutzt wurde, um ein (r) angereichert. Ob das beabsichtigt war, weiß ich nicht - es zeigt auf jeden Fall, dass die Quelle (Zeitschrift "zusammen") den Namen falsch geschrieben hatte. Die fragen gar nicht, ob sie was abdrucken oder kopieren können. Bei denen finde ich immer wieder Texte, die ich einst für die Lebenshilfe oder für Handicap geschrieben habe. Egal.....

Unlängst entdeckte ich den Text mal:
https://www.uni-due.de/imperia/md/content/…/kliemt_mat111_002.pdf‎

Immerhin fand sich der Text auch in einem Band über einen WIDERSTANDSKÄMPFER: Nikolaus Groß 🙂

Die haben aber genau so wenig die Infos der Quellen verifiziert 🙂 Amüsant, wie sich dann neue „Wahrheiten“ ergeben: In der neuesten Ausgabe ist der Text plötzlich von „Eltern“ geschrieben – auch schick 🙂

http://www.nikolaus-gross.com/geistiges-erbe/gedicht-eltern.html

Nikolaus Groß – Arbeiterführer – Widerstandskämpfer – Glaubenszeuge: wie …

 herausgegeben von Vera Bücker,Bernhard Nadorf,Markus Potthoff

Publik-Forum, Band 22. 1993 (auch nicht verifiziert abgeschrieben)

Frontcover

Solltet Ihr den Text nutzen wollen, schreibt bitte meinen Namen richtig! 🙂