Dann lass die Leute überlegen…

„Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Traubensaft daraus. Dann lass die Leute überlegen, wie du das wohl hingekriegt hast.“ Priyanka Chopra

Dieses Zitat fiel mir in die Hände. Immer wieder habe ich es angesehen. Es gelesen. Und habe gedacht: Das tun wir Frauen doch jeden Tag. Jeden verdammten Tag. In diesem Leben. Alle verlassen sich drauf. Auf diese „Zauberkünste“. Ein geradezu abständiges „Wie Sie das alles schaffen!“ kommt vielleicht noch mal über ihre Lippen. Carearbeit. Erziehung. Bildung. Pflege. Führung. Zumindest un- oder schlechter bezahlte. 🙂

Ob Männer UND Frauen in unseren Landen es wohl schaffen, Frauen zu würdigen UND sie ANGEMESSEN zu honorieren für das, was sie sind und leisten?

Jeden Morgen

Welturaufführung
Jeden Morgen ist Welturaufführung.
© Peter-Torsten Schulz

Eine Woche voller „letztes Mal vorm Lockdown“ liegt hinter mir. Eine Akquisefahrt – selbstverständlich allein mit dem Auto. Nein, die Öffis entere ich gerade nicht. Wunderschöne Landschaften habe ich durchquert auf dem Weg nach Berlin. Die Sonne bestrahlte die bunten Mischwälder entlang der A 24. Tausende von Kranichen flogen entweder gen Süden oder ruhten auf den Feldern ihrer Route. Es war wie eine Erholungsreise: Hin der aufgehenden Sonne entgegen. Zurück mit der aufgehenden Sonne im Nacken.

Dazwischen maskierte Begegnungen mit möglichen Kunden. Konstruktive Dialoge mit Menschen, die jetzt in Ruhe entscheiden können, ob und wenn dann was sie mit mir ab wann arbeiten möchten. Ganz in Ruhe: denn nun liegt da erst einmal dieser November vor uns. Für die meisten Menschen in meinem Bekanntenkreis ein ruhiger Monat – äußerlich vielleicht. Innerlich aufgebracht aber sind viele. Inclusive meiner Wenigkeit. Wie wir das nutzen? Das werden wir sehen. Bei mir häufen sich inzwischen fertige Vorträge für Schiffreisen, Qualifikationsnachweise für Fortbildungen, an denen ich in den letzten sieben Monaten teilgenommen habe. Nicht alle waren online. Und das war auch gut. Denn so ganz ohne berufliche Begegnungen wäre es schon happig gewesen. Nicht zu vergessen: Da liegen auch noch Pläne für Workshops, die ich nicht realisieren konnte, weil die reale Begegnung nur reguliert bis gar nicht möglich ist. Und Buchkonzepte.

Der Oktober ist/war bunt. Der November startet mit Allerheiligen. Heute erreichte mich ein Foto des Grabes unserer Eltern. Die Geschwister, die dichter dran wohnen, besuchen es regelmäßig. Ein bisschen verführt bin ich schon, an diesen früh dunklen Tagen zurückzuschauen. Mit meinen verstorbenen Freunden, meiner Mutter, meinem Vater, meiner Tante zu sprechen. Ein bisschen rückwärtsgewandt – vielleicht. UND: ich erlebe während der gedachten „Gespräche“ mit ihnen Nähe. Nähe aus alten Zeiten. Gefühle aus alten Zeiten. Gefühle, die ich zu dem hatte, was zwischen diesen Menschen und mir gewachsen und gewesen ist. Ich sitze häufiger in dem Sessel, den ich mir aus dem Haushalt meiner Mutter mitgenommen habe. Dauerhaft brennt ein Licht vor einem Bild von ihr. Inzwischen sehe ich es wieder länger. Weil die Tage so viel kürzer sind. Zudem wird es so viel schneller Abend seit der Zeitumstellung.

Also – nutze ich die gute Energie, die so entsteht, wenn ich mich mit meinen Wurzeln und den Menschen aus der Zeit befasse. Ohne Wurzeln keine Flügel…. hat mal jemand gesagt. Überzeugend. Mir nutzen meine Flügel. Und die hätte ich nicht ohne meine Vergangenheit. Dankbare Grüße an meine Ahnen. 🙂 Und an die, die das Ergebnis zu nutzen wissen. 🙂

Möge der November Euch gut tun. Genießt die Nebel. Das Licht. Die hellen Stunden. Und die dunklen. Nutzt sie. Have a good one!

Weather Report 2017 – Cruise News – Donau zwei (12) – Noch mal alles auf Anfang

Breakfast time! 🙂

Early Morning! 🙂

Very early Morning! 🙂
 

 Nun geht es wieder gen Westen.

Weather Report 2017 – Cruise News – Donau two (8) – Wolken über Sulina

Eine im wahrsten Sinne des Wortes heiß ersehnte Abkühlung wehte vom Meer. Dem schwarzen. Hochsaison für Badeurlaub. Wassertemperatur 22 Grad. Bei 32 Grad im (Wind)- Schatten glatt eine Erfrischung. 

Am Tage zeigten sich Pelikane und Silberreiher. Fliegen ist einfach bequemer, wenn Wolken den Himmel zieren. Störche fütterten ihren Nachwuchs. 

Die Donauspertung beschert mir das erste Mal einen Abend in Braila. Immer was Neues. 🙂

Weather Report 2017 – Donau again (13) – Sulina, I’ll be back!

Bank (5)

Ein Platz ist noch frei!

ein platz ist noch frei Herbst in Moskau

herbst in moskua

Einen wunderbaren Herbsttag präsentierte Moskau –

 zum Mal-Wieder-Abschied ..

auf bald….

Die_eingemeindete_Zarenresidenz

Gespräch mit dem Vater

Gespräch mit meinem Vater

Als ich unlängst in NRW war, besuchte ich meinen Vater. Musste mal wieder mit ihm reden. Ihm mal wieder erzählen, was mich bewegt. Wenn ich auch sicher bin, dass ich seine Antwort woanders suchen und finden werde, als an dem Platz, an dem ich ihn aufsuchte. In der Abendsonne stand ich vor dem großen Naturstein, auf dem nur am Morgen, wenn die Sonne darauf  fällt, deutlich zu lesen ist: „Gott hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“ 2.Kor 5, 19

1986 hat er uns schon verlassen, ist eingeschlafen. Gerade mal 62 Jahre alt. Er hat sich am Tag zuvor noch versichert, dass es seinen Lieben, u.a. seiner Tochter und seinem ersten Enkel gut geht. Am nächsten Morgen war er schon da, wohin er sich gerufen fühlte. „Wenn der alte Herr mich da oben braucht, dann wird er mich schon holen“,  hat er mal zu mir gesagt. Von großer Zuversicht war er meist – schon seines Berufes wegen. Auch wenn er schwer zu kämpfen hatte, um in seinen letzten Tagen noch wieder auf die eigenen Füße zu kommen. Da unterscheidet das Schicksal nicht zwischen Pfarrern und Nicht- Pfarrern.  Ich war damals sauer auf ihn. Ich war erst 28 und hatte den Eindruck, dass wir nach Klärung klassischer Vater- Tochter -Dispute und Konflikte gerade hätten richtig loslegen können, hätten gemeinsam etwas auf die Beine stellen können. Dieser Abschied geht mir heute noch nach. Ich vermisse ihn noch immer, seinen- für viele unbequemen- Geist, seine Beweglichkeit im Herzen und im Hirn, sein Tempo, seine Anschauungen.

2005 lud mich eine befreundete Kollegin, mit der ich gerade an einem Buch arbeitete, nach Hiddensee ein. Wir residierten (besser kann ich es nicht sagen)  in dem Haus der Familie Felsenstein. Abends lagen wir auf den Liegen unter dem Sternenhimmel und beobachteten Sternschnuppen. Irgendwann fragte Erika mich, was ich mir denn am meisten wünschte. Ich hörte mich selbst sehr spontan sagen:“Ich begegnete so gern noch mal meinem Vater.“  Schöner Wunsch, dachte ich selbst, registrierte für mich, dass ich mal wieder, noch immer sehr vermiss(t)e: Seine herausfordernden Gespräche und sogar die Streitereien und ganz einfach seine väterlichen Umarmungen und warmen Worte.

Am nächsten Tag schlenderten wir  durch Kloster, passierten das Geburtshaus und den Grabstein von Palucca, verweilten vor dem Grab von Gerhart Hauptmann, bevor wir die kleine Kirche enterten. Dank der kühlenden Luft in dem reich verzierten Kirchenschiff ließ ich mir mehr Zeit, als ich es normalerweise getan hätte. Kannte ich mich in Kirchenräumen doch aus. Schließlich war ich in solchen groß geworden. Der letzte Blick fiel auf das „Nagelkreuz“.  Wie ein Blitz durchfuhr es mich. Ich bekam Herzklopfen und wurde unruhig und konnte nicht glauben, was mich da überraschte. Mein Vater war Companion der Nagelkreuzgemeinschaft, der „Church of Reconciliation“ Coventry, GB. Ein entsprechender Geist wehte durch meinen, unseren Lebensraum, wo immer wir auch lebten. Noch tief beeindruckt versuchte ich Karten für das abends anstehende Konzert zu kaufen. Ausverkauft. So ein Mist. Abhalten lassen aber haben wir uns  davon nicht. Platzierten uns auf der Wiese vor der Kirche. Deren Türen standen offen, weil es darin einfach zu warm war. Die vielen Menschen darin hatten all die kühle Luft schnell weg geatmet. So lauschten wir dem Chor und den Worten des Manfred Domrös von draußen. Gegen Ende, es wurde schon dunkel, hörte ich das Fürbittengebet der Nagelkreuzgemeinschaft. Als dann noch der „Mond ist aufgegangen“ angestimmt wurde, was es um mich geschehen. Keine 24 Stunden nach meinem geäußerten Wunsch, „begegnete“ ich  „meinem Vater“, seinem Duktus, seinem Ansinnen.

Als ich mich nach dem Konzert bei dem Pfarrer vorstellte, wusste er sofort, wessen Tochter ich bin und berichtete umgehend, dass am Folgetage ein alter Freund auch meines Vaters seine Vertretung für vier Wochen übernehmen werde.

Ich war richtig durchgeschüttelt. Wenn ich also je in meinem Leben daran zweifeln sollte, dass meine Wurzeln stabil genug sind, um  mich den Stürmen des Lebens auszusetzen ohne abzuknicken, dann fahre ich wieder dort hin – auf diese kleine, versöhnliche Insel Hiddensee! Intensivstation für die Seele!  .-) Hier ist mir noch mal klar geworden, wie viele und welch starke Wurzeln mein Leben hat. Danke Erika! Danke Hiddensee! Dank an meinen Vater, dass er sich immer wieder zeigt.

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