Mitten durch die Wirklichkeit

„I am seeking for the bridge which leans from the visible to the invisible through reality.“ Max Beckmann „Ich bin auf der Suche nach der Brücke, die vom Sichtbaren zum Unsichtbaren durch die Wirklichkeit führt.“

Räume

„Das Zwiegespräch ist das vollkommene Gespräch, weil alles, was der eine sagt, seine bestimmte Farbe, seinen Klang, seine begleitende Gebärde in strenger Rücksicht auf den anderen, mit dem gesprochen wird, erhält.“
Friedrich Nietzsche

Heute bekam ich eine CD geschickt. Schon der Name des Pianisten, der darauf zu finden war, hätte mir Signal sein sollen für etwas Überwältigendes. Wie kann ein Mensch SOOOOOOOO die Tasten anschlagen und eine so unverschämt gründliche, heilsame und klangvolle Resonanz in mir erzeugen? Oder sollte ich anders fragen? Welche (Resonanz) Räume in mir habe ich noch oder schon so lange nicht betreten, dass mich das heute sooo rührt? Oder ist es gar der Absender? Unsere Geschichte? Wer weiß das schon. Ich bin auf jeden Fall sehr, sehr, sehr dankbar für diese klangliche Brücke durch Raum und Zeit.

Nebel heißt rückwarts Leben

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„Nebel ist meine Schwäche, und jedes Mal, wenn es wenig Nebel gibt, bin ich mit meiner Kamera unterwegs.“ Omi Malik

Ja, jetzt ist es klar. Micha, Du bist gegangen. Für immer. Schön, dass es Dich in unserem Leben gab. Und weiter gibt. Als Erinnerung. Schön, noch mal visavis mit Dir gesprochen zu haben. „Haste das eine nicht, haste das andere. Irgendwas ist immer.“ sagtest Du an Weihnachten. Extrem ermattet, müde, erledigt, erschöpft hast Du geklungen. Kein Wunder. Gewünscht haben wir uns alle, dass bald Hilfe kommt. Nun hast Du es geschafft. Ins Licht. In den Frieden.

 

 

Former Times

 

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„If you change the way you look at things, the things you look at change.“ Wayne Dyer

 

Dieses Bild ist im Spätsommer 2016 entstanden. Als  wir unterwegs  waren auf der AIDAdiva,  um von Hamburg nach New York zu fahren. Die letzte große Reise meines Freundes Klaus, bevor er seine allerletzte angetreten hat. In Bergen hat er mich dabei beobachtet, wie ich beobachte. Das Bild wird immer eine Erinnerung sein daran, dass er mich und wie er mich sah. Er ist im April `17 gegangen – für immer. Ich habe Erde von seinem Grab in Berlin mit nach Upstate New York genommen – und sie zu der Friedenspagode gebracht, die wir zusammen besucht haben. Er hat hier noch unsere Freunde kennengelernt, genossen, durch New York City zu rennen. Er hat seine Bucketlist abgearbeitet mit der Reise. Er war nie zuvor in Norwegen, Oakland, Island oder gar auf  dem amerikanischen Kontinent. Wir hatten schon einige Urlaube zusammen gemacht, vor allem in unserem Gleitschirmfliegerleben. Aber diese vier Wochen Schiffsreise plus Upstate NY waren unschlagbar für uns alle. Wir wussten, es würde unser und sein letzter großer Urlaub sein. Bis zum Sommer `18  stand noch die Dose Rituals Duschgel „Happy Buddha“ in unserem Bad in Guilderland. Er hatte sie vergessen. Einfach zur Erinnerung. Wunderbarer Mensch und Freund – er fehlt – immer noch und immer wieder. Ich bin dankbar, dass es uns gab.

Krebs ist ein Arschloch.

 

You will be found

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Tomorrow will be more of us.

 

Wissenschaft und Glaube

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„Seltsamer Zufall, dass alle die Menschen, deren Schädel man geöffnet hat, ein Gehirn hatten.“ Ludwig Wittgenstein

Nzinga needs help – Hamburger mit Herz e.V. hilft (7) – Nzinga beginnt die Reha

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Nzinga vor dem „Raum der Stille“

Meine Güte, war und ist das alles aufregend. Seit gestern hat Nzinga einen neuen Pass. Der bescheinigt ihr, dass sie in einer Sicherheitskontrolle am Flughafen immer piepen wird, wenn sie durch diese fahren oder laufen muss. Sie hat eine Menge Metall im Bein.

Als ich die Entlassungspapiere bekam, habe ich sie nur kurz überflogen. Es gab so viel zu bedenken und zu organisieren für den kommenden Montag. Sicher stellen musste ich nur, dass alle notwendigen Verordnungen zusammen sind, die zukünftigen Ärzte Bescheid wissen, was sie wo, wie und bis wann tun dürfen, können, sollen, müssen. Da die meisten stationären Rehaeinrichtungen über Weihnachten geschlossen haben, fiel die Wahl auf eine ambulante Reha. Ab Montag wird sie dort wochentäglich für drei Stunden behandelt und gefordert sein.

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Letzte Minuten in der Lobby des Diakonie Klinikums, HH (c) Ute Schlemmer

Nachdem ich Nzinga und ihre Mutter samt Rollstuhl, Krücken, Gepäck und guten Wünschen bei der Gastfamilie abgeliefert hatte, habe ich mir gestern Abend die Zeit genommen, den OP – Bericht in Ruhe zu lesen. Alles, was noch kurz zuvor an Problemen entdeckt worden war – und schon allein hätte zur Amputaion führen können- war kein sooo großes Poblem. Doch waren sie offensichtlich konfrontiert mit welchen, mit denen sie gar nicht gerechnet hatten. Ohne ins Detail gehen zu müssen, kann ich nur sagen: Ich verneige mich vor dem Team rund um Prof. Dr. Bruns und bin NOCH glücklicher als je zuvor, dass Nzingas Bein noch da ist. Demut ist das einzige Wort, was mir dazu einfällt.

10859929_10204578367832519_596480296_nNoch bevor sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde, haben sie die „Staples“ entfernt. Ich musste immer schmunzeln, wenn das Wort fiel, weil ich umgehend an Büromaterial dachte. 🙂   Die Schwestern, Pfleger, Ärzte und Physiotherapeuten, MTAs und RAs haben ihr Bestes gegeben – in allen Schichten. Einen herzlichen Dank auch an sie. Mehr als mit Kalorien in verschiedenen Darreichungsformen konnte ich sie auch nicht erfreuen. Als ich fragte, wie lange denn so eine große Dose Haribo Konfekt halte, lachte eine Schwester laut: Fünf Minuten. Ungefähr.

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Zwei der rund 50 Klammern habe ich mir geben lassen. Nur mal so, als Erinnerung. Unfassbar, wie in so kurzer Zeit eine solch kapitale Wunde verheilen kann. Nzinga ist jung, kräftig, ansonsten gesund und offensichtlich sehr widerstandsfähig. Nun müssen Gefäße und Muskeln und Bänder und Gewebe aller Art wieder heilen – innen drin. Ihr Kreislauf wird wieder in Schwung kommen, und in spätestens vier Wochen darf sie ihr Bein mit dem neuen Innen“leben“ schon ein wenig belasten. Bis dahin wird sie wahrscheinlich gut trainierte Oberarme und Schultern haben. Krücken und Rollstuhl erforden nun mal den Einsatz dieser Muskeln. „Kontaktsport“ wird wohl so schnell nicht wieder möglich sein, sagt sie. Ein bisschen wehmütig klang das schon.

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Nzingas „e-classroom“

Bis dahin kann sie aber eine Menge Denksport treiben. Das College, an dem sie ihren Bachelor macht, hat nämlich „e-classrooms“. Sie war nicht davon befreit, einen Teil ihrer Prüfungen während der Zeit im Krankenhaus und der Reha zu erarbeiten, schreiben und abzusenden. Nicht alle Hochschullehrer hatten sich darauf eingelassen, die anstehenden Prüfungen im Vorfeld erledigen zu lassen. Langeweile wird sie nicht haben, denke ich.

Mutter Akilah wird am Montag wieder nach Trinidad reisen. Dort warten auf sie ihr Projekt und der Rest der großen Familie sehnsüchtig. Nzinga wird zwar jetzt auf die physische Anwesenheit ihrer Mutter verzichten müssen, aber virtuell ( und spirituell sowieso) werden sie verbunden bleiben. Nzinga wird ja bis Schulbeginn am 20. Januar auch wieder daheim sein. Nun beginnt die Zeit, in der sie vielleicht noch mal Schnee erlebt, Weihnachten das erste Mal fern der Heimat feiern und das neue Jahr erstmalig in ihrem Leben in Deutschland starten wird. Sechs Stunden früher als in Trinidad. Heimweh hat sie, keine Frage. Hätte ich wahrscheinlich auch.

P1120574 (2) aSamstag Nachmittag:

Ein Treffen in großer Runde: Hamburger mit Herz e.V, Gorden Isler und Anja Werner, Jörn und Sabine (Vater und Mutter der Gastfamilie), Nzinga, Akilah und auch meine Wenigkeit haben sich nach den aufregenden ersten dreieinhalb Wochen in Hamburg für eine Bestandsaufnahme getroffen, um zu resümmieren und auch zu checken, was für die kommenden Wochen notwendig ist. Es gab – wie immer – viele Fragen, auf die es NOCH keine Antwort gibt. Sicher aber auf die meisten am Montagmorgen, wenn Aufnahmeuntersuchung und Therapieplanung fertig sind.

Zwischendurch möchte ich den Hamburger(n) mit Herz e.V (Gorden, Anja, Beate, Maik)  und der Gastfamilie (Sabine, Jörn und ihre Kinder) sowie allen Interessierten, Spendern und Spenderinnen danken, dass dieses Wunder möglich ist. Ohne Euch wäre gar nichts gegangen und ginge das auch jetzt nicht. Ich danke allen, die speziell mir in der Zeit zur Seite gestanden haben, geholfen, gesprochen, auch auf mich verzichtet, mich vermisst haben. JA, die hat es auch gegeben. 🙂

Das ist noch immer eine ausgesprochen aufregende Zeit, die schon begonnen hat, bevor wir als „Hamburger mit Herz e.V.“ dieses „Projekt: Nzinga kämpft um ihr Bein und gegen den Krebs“ übernommen haben.

Möge für Nzinga alles so gut weiter gehen. Es ist und bleibt für mich etwas ganz Besonderes, Teil DIESER unglaublichen Geschichte zu sein.

Bis ganz bald, Ihr Lieben. Sobald es etwas Berichtenswertes gibt, werdet Ihr es hier sehen und lesen. Versprochen..

Eine wunderbare Adventszeit wünsche ich Euch.

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Danke an Holger von Midlifereise

http://www.funkloch.me/eine-aktion-von-hamburger-mit-herz-e-v-und-ihr-happy-end/

„Song for Marion“ oder „Na, wie geht`s Euch Lieblingsmenschen?“

25.2. 2014  Im letzten Jahr um diese Zeit kam dieser Film in die Kinos. Offensichtlich gab es da auch bei mir Zeiten, in denen meine Stimme nicht so wollte wie ich. 🙂 Gestern ging mir wieder dieser Film durch den Kopf und durchs Herz. Deshalb weise ich gern noch mal drauf hin!

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2013

Da ich eh nicht sprechen konnte… habe ich mich in meinem geliebten Holikino in die Spätnachmittagsvorstellung begeben.

Von dem Film hatte ich schon gehört! War gespannt! Sehr neugierig!

Und wenn er mich auch an „Wie im Himmel“ erinnert hat:

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Eine eigene, liebevolle Geschichte: Über Ehe, Vertrauen, Krebs, Liebe, Väter und Söhne, Respekt, Duchsetzung, Freunde, Musik, Einsamkeiten, Zuversicht..

Englisch, bildstark, vom Spiegel zerrissen, von anderen eher beschrieben als bewertet… aber egal….  mir hat er sehr gefallen.

Ich mag Vanessa Redgrave, Terence Stamp – und ich mag sie in diesen Rollen!

Song for Marion, Großbritannien 2012, 93 Min., FSK ab 0, von Paul Andrew Williams, mit Terence Stamp, Gemma Arterton, Christopher Eccelston, Vanessa Redgrave

Sie nennen das Genre „Dramedy“. Da ist was dran.

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