Im Museum der Arbeit habe ich mich Anfang Dezember an das Binden eines Buches gewagt. So richtig. Von der Pike auf. Zumindest von der Pike, die eine Hobbyistin wie mich am Buchbinden interessieren muss, um nach zwei Tagen ein fertiges Exemplar in der Hand zu halten. Eine meditative und konstruktive, erhellende und beruhigende Arbeit.
Es wird nicht das letzte Buch sein, das ich gebunden haben werde.
Als Buchcover diente der Einband einer Broschüre, die ich 2019 von der Buchmesse in Frankfurt mitgebracht hatte und sie seither sichtbar gehütet habe.
„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schreiben zeigen“
Dieser Satz, dieser Titel hat mich seither immer wieder gerührt.
Immer wieder meinen vorhandenen Gedanken eine andere Richtung gegeben – eine neue.
Zwischen den Deckeln sind viele leere Blätter. Noch.
Bin gespannt, womit sie sich im kommenden Jahr füllen werden. 🙂
Motto meines nächsten Jahres ist das Zitat von Marie Eber-Eschenbach:
„Ein Gedanke kann nicht erwachen, ohne andere zu wecken.“
In diesem Sinne wünsche ich Euch ein inspirierendes 2026.
„When you quiet your mind, you can enter a world of clarity, peace and understanding.“ Alice Coltrane
Kreativität ist ein Herrenhaus
F. Gary Gray hat mal gesagt: „Kreativität ist ein Herrenhaus. Wenn Du in einem Raum leer bist, musst Du nur auf den Flur gehen und einen anderen Raum betreten, der voll ist.“
Ob uns das so klar ist, scheint fraglich. Ich hätte es nie so bezeichnet. Doch bin ich oft diesem Drang gefolgt, in neuen Räumen Platz und Inspiration zu finden. Ideen ließen dann nicht auf sich warten.
Leiden ist gebremstes Wollen
Mein geschätzter Kollege und Freund Johannes Seybold bringt es gern auf den Punkt: Leiden ist gebremstes Wollen. Und wenn sich in meinem Leben Leid ohne die Aussicht auf Linderung bei mir einstellte, … bin ich in den „Flur“ gegangen. Der Nase nach auf neue Türen zu. Als offene Türen haben sie sich in der Regel entpuppt.
Fundstücke
Und was ich dahinter fand und immer noch finde, sind Möglichkeiten. Chancen – manchmal mir Fremdes, das mich neugierig stimmt. Und da ich meiner Neugier noch nie wirklich widerstehen konnte, habe ich in der Regel etwas mit den Fundstücken oder aus ihnen gemacht. Schon erstaunlich – wenn ich so zurückblicke, wie viel ich entdeckt habe. Und noch nutze – und wie gut sich das bereits Vorhandene mit den neuen Impulsen aufpeppen, vertiefen, verändern und mitunter auch noch“lizensieren“ lässt. Alles nicht selbstverständlich. Aber möglich.
Schweizer Taschenmesser
Ich vermute, dass es meine Haltung ist, die mich zu dieser Art „Schweizer Taschenmesser der Fähigkeiten und Fertigkeiten“ hat reifen lassen. So nannte mich einst mein Lebensgefährte. Ich hatte mal wieder einen dieser „IchKannNichtsTage“. Die kommen häufiger mal vor. 🙂 Inzwischen „gönne“ ich sie mir! 🤣 Provoziere sie sogar; wenn auch sicher unbewusst. Wie? Ich vergleiche mich mit all den Großverdiener:innen und Allwissenden auf den beliebten Businessplattformen. 🤣 An diesem besagten Tag damals staunte er: „Ich habe noch nie eine Frau erlebt, die so viel kann und weiß und die gleichzeitig so an sich zweifelt. Vielleicht ist nicht jedes einzelne Tool perfekt, aber die Kombi! Die ist unschlagbar!“ So hatte ich das noch nie gesehen. Es gefiel mir. Seither hadere ich nicht mehr so grundsätzlich. 🙂
Dauerlernen
Manche halten mich für verrückt, wenn ich von meinem Dauerlernen erzähle. Auch wenn sie sich fragen, wie ich mein ganzes Arbeitsleben als von Beginn an Alleinerziehende eines schwerbehinderten Sohnes nicht einfach nur durchgestanden, sondern wohl meist das Beste daraus gemacht habe.
Als ich anfangs 2022 anhob, mich noch als Digital Editor zu qualifizieren, war ich mit Abstand die Älteste der Gruppe. Auch in den Podcasting-Fortbildungen fühlte ich mich alterstechnisch ein wenig sehr außen vor. Neugier aber scheint jung zu halten. 🙂
Vorbereitungen auf den (Un)Ruhestand
Ich werde trotzdem nicht aufhören, zu lernen. Dieses letzte Jahr, bevor ich offiziell in Rente gehe(n muss), werde ich noch nutzen. Denn mein jährlicher Rentenbescheid ist eine Lachnummer. Da steht was von „Straßenmusik“ oder so…
Also werde ich jetzt alles tun, um mich zu rüsten für die Zeit über das Renteneintrittsalter hinaus. Ein Jahr habe ich ja noch! Mit neuen Projekten und Ideen. In neuen Räumen. 🙂
Die neue Zeit Ich nenne mich glücklich, denn ich bin ein Teil einer neuen Zeit Denn ich habe erkannt, wie wichtig es ist, dass ich lebe, dass du lebst, dass alle wir leben, dass meine Hand sich mit anderen Händen verschränkt, mein Lied sich vereint mit anderen Liedern.
Denn meine Aufgabe hab ich erkannt, Schöpferin zu sein, Gestalterin meiner Zeit, die unsere Zeit ist, ich will auf die Straßen gehen, aufs Land, in die Villen und in die Hütten, will die Trägen aufrütteln und die Tagediebe und die, die das Leben verfluchen und die schlechten Geschäfte und die, die vor Zahlenreihen die Sonne nicht mehr erblicken, die Ungläubigen, die Verzweifelten, solche, die die Hoffnung verloren haben, solche, die lachen und singen und mit Zuversicht sprechen, ich will sie alle ins Morgenlicht tragen, damit sie das Leben erkennen, wie es dahinzieht schmerzhaft, herausfordernd, schön, das Leben, das uns unerwartet nach jedem Sonnenuntergang – letztes Zeugnis eines für immer entschwindenden Tages, der sie Zeit verlässt und niemals zurückkehrt.
Gioconda Belli
(gefunden im Kalender Andere Zeiten 2020/2021 Quelle: gekürzt aus: „Wenn Du mich lieben willst (c) Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1993)
„Jeder hat eine geheime Welt in sich. Alle Menschen dieser Welt, ich meine alle. Egal wie stumpf und langweilig sie nach außen hin auch sein mögen, in sich haben sie alle unvorstellbare, großartige, wunderbare, verrückte, erstaunliche Welten. Nicht nur eine Welt. Hunderte von ihnen. Tausende vielleicht.“ Neil Gaiman
Möge das neue Jahr Euch diese Welten bereisen lassen.
Ich danke Euch für alle Hilfe, Begleitung, Tipps, Liebe, Freundschaft, Einladungen, Herberge, Zuhören, Antworten, Fragen, Aufträge, Vertrauen und Fürsorge im letzten Jahr. Mit Euch war Schweres einfacher, Schönes schwerwiegender, Kompliziertes lösbarer, Erfolgreiches besser zu teilen, Gelungenes erkennbarer, Verzweiflung auszuhalten, Unabänderliches akzeptieren. DANKE!
Euch wünsche ich jede Menge Gesundheit, Geduld, Humor, Gelassenheit, wertvolle Einsichten und gute Absichten. Und Freunde, die an Euch glauben, wenn Ihr es selbst gerade mal nicht könnt. Menschen, mit denen Ihr lachen, essen, singen, sprechen, schweigen und genießen, einander zuhören und Euch spiegeln wollt. Oder mit denen Ihr einfach mal gehen, was wegschaffen, schleppen, aushalten oder erdulden könnt.