Alt und Aktuell

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»Im Kulturellen und im Politischen, also in dem gesamten Bereich des öffentlichen Lebens, geht es weder um Erkenntnis noch um Wahrheit, sondern um Urteilen und Entscheiden, um das urteilende Begutachten und Bereden der gemeinsamen Welt und die Entscheidung darüber, wie sie weiterhin aussehen und auf welche Art und Weise in ihr gehandelt werden soll.« Hannah Arendt

Als säße sie hier um die Ecke und rauchte in Ruhe ihre Zigarette, während sie uns beobachtet. Und als mahnte sie uns noch immer: Hannah Arendt. Welch eine vorbildlich mutige Denkerin. Dachte halt ohne Geländer. Und ermutigte auch mich schon früh dazu.

 

 

 

„So viel Du brauchst“ – Was denn? Und wenn, wie viel?

Kirchentag. Die Sonne scheint. Horden von Pfadfindern stehen mit Schildern am Bahnhof, um Richtung zu weisen. Wege zur U-Bahn. In den Bahnen pulkweise: „Ich helfe“ T- Shirts an Menschen, die eher (noch) orientierungslos wirken. Eindeutig „Nicht- Hamburger“ bewaffnet mit Rucksäcken, Blasimstrumeten und Stadtkarten in der Hand oder U Bahnplänen – auf dem Weg zu ihren Unterkünften, blass,

Als ich in der U3  vom Bahnhof  aus mittags gen Wohnung fuhr, lauschte ich einem Trupp Kirchentagsgästen, die anscheinend noch in einen Außenbezirk mussten, um ihr Gepäck abzuliefern.

Eine Dame um die 70 versuchte mit mir gemeinsam die Bahn zu verlassen. Die Bläser hatten aber ihre zierlichen Instrumente im Eingang geparkt und wunderten sich, dass nicht jeder „mal eben“ über diese hinweg steigen konnte, um auf den Bahnsteig zu gelangen. So schnappte ich mir den Koffer, hiefte ihn, unter den erstaunten Blicken der Istrumentenbesitzer, aus  dem Waggon und half auch noch der Dame aus der Bahn. Nein, es wäre nicht wirklich anstrengend gewesen, die Instrumente aus dem Weg zu schaffen ( für die Besitzer).

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Als sie dann noch bemerkte: „Ich kenne mich gar nicht aus!“, trug ich ihr den Koffer die Treppen herunter und nach einem kurzen Gespräch auch noch zu der Adresse, an der sie ihr Quartier finden sollte.  Sie konnte es nicht fassen. Damit hatte sie gar nicht gerechnet. Als sie heil angekommen war, machte ich mich auf, durch die Sonne nach Hause zu laufen.

„Soviel du brauchst“ (2. Mose 16,18)

Die Losung des Kirchentages. Die Dame brauchte einen Guide zu ihrer Adresse. Das ist schnell erledigt. Als Pfadfinderin folgte ich der Losung: Jeden Tag eine gute Tat.  🙂

Während ich so durch Eppendorf lief, fragte ich mich mal wieder: Was brauche ich denn eigentlich? Und vor allem: Wie viel davon?

Ich selbst war 1977 zum ersten Mal auf dem Kirchentag in Berlin „Einer trage des anderen Last“, 1979 folgte in Nürnberg unter dem Motto:“Zur Hoffnung berufen“. Der Kirchentag 1981 in Hamburg „Fürchte dich nicht“  hat mich jedoch das Fürchten vor Menschenmassen gelehrt.  100tausend waren es damals. Für mich zu viele. Es war ein sehr politischer Kirchentag. Es wurde u.a. gegen den Nato Doppelbeschluss demonstriert. Jetzt werden 300 Tausend erwartet. Mir ist das unheimlich.

In diesem Jahr soll das Thema „Inklusion“ zentrales Thema sein.

Ich bin gespannt. Ich habe selbst auch einen Gast! Und freue mich sehr darauf.  Selbst angemeldet habe ich mich zu dem Kirchentag nicht. Aber neugierig bin ich trotzdem.

Ich wünsche den Gästen des Kirchentages gute Antworten auf die Frage, was sie so brauchen. Und ich wünsche der Dame, die das erste Mal Hamburg besucht, dass sie so viel Hilfe bekommt, wie sie braucht, um zu den Veranstaltungen zu kommen, die sie besuchen möchte.

Und da Herman van Veen in diesen auch hier sein wird, kommt mir natürlich eines meiner Lieblingslieder in den Sinn:

Hier von Marlene Dietrich:

Ich glaube fest : Ich habe mehr als ich brauche. Gottseidank. 🙂

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