Brief an die Vergangenheit

„Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.“
Dietrich Bonhoeffer

Nach innen

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„Geschichtenschreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.“
Johann Wolfgang von Goethe

Vergangenes kann viel sein, bunt, mächtig, schmerzlich, ermutigend und heiter. Es gibt noch immer viel zu schreiben. Und ganz oft hilft mir Musik, Ordnung in die Geräusche dieses Lebens zu bringen. Worte und Klänge schaffen Bilder aller Art, die das bewirken, was ich mein persönliches Gefühl nenne. Das, was ich überall spüren kann, hören, schmecken, riechen und sehen. Nicht immer nur Wohlgefühle. Aber immer öfter.  🙂

Halt an

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„Lass Dir von der Vergangenheit nicht das Leben diktieren,
aber lass sie Dir für die Zukunft eine gute Ratgeberin sein.“

Unterschied

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„Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht hauptsächlich darin, dass Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann.“ Samuel Butler

Früher

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„The past is a foreign country: they do things differently there.“ L. P. Hartley

„Die Vergangenheit ist ein fremdes Land: sie machen Sachen da anders.“ L.P. Hartley

Heute habe ich einfach mal…. zurückgeknipst. 🙂

Familie zwischen Vergangenheit und Zukunft

29.12.2013

Zu dem Stichwort „ZWISCHEN“ habe ich mal in meinem Archiv gewühlt.

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Familie hat nicht nur Zukunft. Familie hat vor allem Vergangenheit – mehrere Vergangenheiten gleich. Unweigerlich bekommen die Beteiligten das bei einer Neugründung zu spüren. Nicht nur, dass sie sich aus steuerlichen oder romantischen Gründen für das staatlich und subventionierte und damit kontrollierte Unterfangen entscheiden. Nein, in ihrer GEGENWART  werden sie auch von den eigenen Biografien kontrolliert und gesteuert. Nicht wirklich haben sie „Vater und Mutter verlassen, um dem anderen anzuhangen.“ Gemäß dieser biblischen Denkweisen erklärte ich die meisten der Ehen, die ich kenne, für ungültig.  🙂

geiranger klein

Aber genug der chistlichen Moral. Unsere eigene Biografie führt Regie für den Film unseres Lebens. Ich vermute: Je besser sie reflektiert ist, um so weniger Überraschendes bringt sie in den Beziehungsalltag für Paare und  das Zusammenleben mit ihren Kindern.

Vor allem Politiker und Wirtschaftsmenschen beschwören die Familie. Sie wollen Konsumenten, Rentensicherer, vielleicht auch Arbeit für Niedriglohngruppen, Familienrechtler, Lehrer, Erziehungsexperten oder die Ratgeberbranche. Ich vermag das nicht mehr zu beurteilen, so sehr nervt mich das Thema inzwischen.  oft, wie das Thema in den letzten Jahrzehnten wieder aufgelegt wurde wird.

Ich habe gar nichts gegen Gruppen von Menschen, die sich einander respektieren, sich zu tiefst schätzen, sich streiten und lieben, gemeinsam Kinder in die Welt setzen. UND sie als das schätzen und lieben, was sie  eben sind. Kinder, Persönlichkeiten, eigen(sinnig)e Charaktere, für die niemand sich persönlich aufgeben muss, (vielleicht nur ein paar Hobbies), für die sie Verantwortung tragen, mit denen zusammen sie wachsen – nicht zusammenwachsen – und sie gedeihen  lassen- wenn das auch manchmal schneller, langsamer oder vor allem anders geht, als Eltern sich das so für oder von ihrem Nachwuchs gedacht hatten.

Wenn ich allerdings sehe, wie viele Menschen ihren „Familienaufträgen“ aufsitzen, einander funktionalisieren, das Gegenüber – welchen Geschlechts auch immer- mit der Hauptrolle ihres ganz persönlichen Films betrauen, besetzen… Kinder NICHT ausgeschlossen…   dann wird mir komisch.

Lasse ich meinen Verfolgungswahn sprechen, dann sagt der: Je mehr unglückliche Kinder, um so mehr wird konsumiert. Und je mehr Eltern dann noch unglücklich sind, dass ihre Kinder unglücklich sind, um so besser wird der Umsatz bei „Frust – und Entschuldigungskäufen“ angekurbelt, umso mehr Geld für Nachhilfe und Medikamente und Arztbesuche ausgegeben. Gruselige Vorstellung.

Kinder werden gelobt für aufgegessenes Essen, für den Haufen im Topf, für die trockene Windel,  erst fürs Laufen und Worte sprechen, dann fürs Leiseein und Stillhalten.luftrausklein

Wenn ich mitunter Menschen  gemeinsam mit (ihren) Kindern erlebe, dann frage ich mich :

Wer in diesem Konstrukt fühlt sich verantwortlich für was? Wer braucht wen für was? Wer tut eigentlich was von dem, was sie zeigen, gerne? Und was bedeutet ihnen das? Wen reitet eigentlich was, wenn sie sich so verhalten? Wer ist hier mit was glücklich?

Ich erinnere mich: Kinder sind der Spiegel des Innenlebens der Eltern und deren Beziehung zueinander. Der Kinder Verhalten ist sichtbare Wirkung des Aufeinandertreffens dieser elterlichern Biografien.

Und da diese „Symptome“ nicht immer gut auszuhalten sind, werden gerne mal Ärzte eingeschaltet. Sollten die Kinder dann schulpflichtig werden – und dann oben drauf noch die Wirkung der persönlichen Geschichte ihrer Lehrer in Kombi mit der Geschichte des Schulsystems ausbaden müssen, etc.  kommen nicht selten noch Psychologischer Dienst und Therapeuten ins Spiel. Bei dieser Gemengelage verabreicht „man“ diesen Kindern auch „Ritalin“,  stellt sie so ruhig, hebelt sie so aus, setzt sie so unter Druck, verdonnert sie so zum Funktionieren und zur Leistung. Zu dienen scheinen sie damit allem und allen – außer sich selbst – zumindest haben die Kinder dazu keine Zeit, keinen Raum, mitunter keinen Mut mehr.

Die größte Leistung der Kinder scheint heutzutage zu sein, das alles auszuhalten. Manche schaffen es, viele nicht. Schade drum. http://www.unicef.de/aktuelles/2013/04/10/die-frage-nach-dem-glueck/

father and son (c) ulla keienburg 2011
father and son (c) uk 2011

Ich wünschte diesen Kindern, wie ihren Eltern mehr respektvolle Begegnung, echten Dialog  (nicht als Dialog betitelte Monologe), gemeinsames Sich – schlau- machen, gemeinsames und ungehindertes Lernen. Ich wünsche den Kindern, dass sie gelernt haben, glücklich zu sein, wenn sie bei ihren Eltern ausziehen. Und den Eltern wünsche ich, dass sie ihnen vertrauen – und auch glücklich sind, dass die Kinder das gelernt haben.

Logan LaPlante hat dazu eine eigene Meinung – mir gefällt sie….

Und wenn es nicht ohne tradtionelle Schule geht: Deanna LeBlanc formuliert eindringlich, was sie MEHR von sich und dem Unterricht erwartet. Nicht umsonst wird sie Lehrerin des Jahres 2012 im Staate Nevada, US gewesen sein.

Was diese zwei erfahrenen  Menschen zu sagen haben, rührt mich sehr. Vor allem: Sie sprechen über sich und das, was sie TUN. Sie kennen ihre Grenzen und suchen nach neuen Chancen. Der eine mit gefühlter Sicherheit in seiner Familie, die andere von außen für Kinder, die diese Sicherheit nicht kennen.

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