Die Unzeitgemäßen Artgenossen

„Selbstverständlich darf man seinem Prinzip ein Leben opfern. Aber nur sein eigenes.“ Rolf Hochhuth.
Die Unzeitgemäßen Zeitgenossen von Bernd Göbel in der Grimmaischen Straße in Leipzig

Ohne weitere Worte!

Nempiris soll sehen! Last Minute – Hilfe schnell und punktgenau

2.02.2013

Inzwischen ist Nempiris aus dem Krankenhaus entlassen und auf dem Weg nach Hause zu ihrer Familie. In zwei Wochen werden die Fäden gezogen. Und die Pathologie besprochen. Wir drücken ihr alle Daumen, dass der Tumor komplett entfernt wurde.

29.01.2023

Inzwischen ist Nempiris in einem Hospital in Nairobi. Der Verdacht auf Retinoblastom hatte sich so erhärtet, dass der Chirurg von Tenwak Hospital sie nach Nairobi zu einer Spezialistin überwiesen hat. Diese bestätigte den Verdacht. Die vierjährige Nempiris wird am Montag operiert. Ich halte Euch gern auf dem Laufenden.

18.01.2023

Am Montag rief mich meine Freundin Franka an, um mir von ihrem Urlaub in Kenia zu berichten. Es war alles nicht so, wie sie sich das vorgestellt hatte – der Vorteil – es war sehr entspannt und hat ihr Begegnungen verschafft, die sie wohl so schnell nicht vergessen wird.

Sie war dem Massai Stephen begegnet, der für kleinstes Geld in dem Ressort arbeitete, um seiner Ursprungsfamilie zu Geld zu verhelfen. Vierundzwanzig Busstunden entfernt leben die Mutter, Geschwister und deren Kinder. Er erzählte von seiner Nichte Nempiris, die sich Mitte Januar einer Augenoperation unterziehen muss. Er wusste nicht genau, welche Diagnose genau die OP nötig macht. Und da war meine Freundin Franka neugierig. Sie ist Meisteroptikern – und bat ihn, ihr die Papiere zukommen zu lassen, damit sie checken kann, um was es sich handelt, was da via OP korrigiert werden soll.

Nempiris aus Narok, Rift Valley, Kenia

Sie musste nicht lange rätseln – es ist wohl ein Grauer Star, an dem die Vierjährige wohl in absehbarer Zeit erblindete, wenn nicht umgehend jemand operierte und so eine Zukunft für dieses kleine Mädchen schaffte.

Franka hatte schon mit der Blindenmission gesprochen. Die allerdings konnten nicht helfen, da sie gerade an dem Ort in der Region Rift Valley kein eigenes Projekt am Start haben.

Sie schickte mir die Fotos, die sie via Whatsapp bekommen hatte. Ich sah zwischen vielen handschriftlichen Bemerkungen die Summe von 81.392 Kenia Schilling.

Umgerechnet um die 600 €. Mehr als ein Jahresgehalt. Dort.

Das Geld hat die Familie nicht. Wichtig vielleicht noch: Er hatte sie NIE nach Geld gefragt. Es war eher an ihr oder dann auch an mir, dass das Bedürfnis aufkam, uns da noch mal reinzuhängen. Noch eine Woche Zeit bis zur OP!

Ich erinnerte mich natürlich an die Aktion 2014, als ich ehrenamtlich unter dem Dach des Vereins Hamburger mit Herz e.V. und mit Hilfe vieler Beteiligten einer jungen Frau aus Trinidad eine Tumorendoprothese als Alternative zur Beinamputation möglich gemacht hatte. DAS war erschöpfend. Lange ist das her. Wenn auch nicht vergessen.

Die Bedingungen waren im Falle Nempiris einfach andere. Hier fehlte „nur“ das Geld. 600 € mussten her. Irgendwie. So schnell wie möglich.

Ein Anruf bei Hamburger mit Herz e.V. hat genügt. Wir mailten, transferierten Infos und Dokumente. Schon 24 Stunden später kam die Zusage des Vereins. Nun musste ich nur „nur noch“ Kontodaten des Krankenhauses besorgen. Telefonate folgten: mit Ärzten, „Uncle Stephen“, dem „Linkman Stephen“(tatsächlich haben sie den gleichen Namen). Der Linkman arbeitet beim „Government“ der Region und hat den Zugang zur Behandlung in diesem guten Krankenhaus möglich gemacht hatte.

Die gesamte Kommunikation lief und läuft via Whatsapp und Skype. So werden verschlüsselte Dokumente verschickt, Hintergründe gecheckt, sichergestellt, dass das Geld zweckgebunden gespendet werden kann. Freitagsmittags war alles getan. Das Geld für die Behandlung war überwiesen! Ein Schreiben des Vereins an die Familie, eine Variante des Schreibens übersetzt ins Englische, der Überweisungsbeleg waren an den Onkel, den Linkman und das Krankenhaus gesendet.

In Narok, Rift Valley ging ein Licht auf: Glücklich und sehr dankbar sind sowohl die Familie als auch der Linkman Stephen. Dieser versprach auch noch mal, die Familie bis zur Genesung der vierjährigen Nempiris zu begleiten. Und uns auf dem Laufenden zu halten. Er hatte die Familie dazu gebracht, Nempiris untersuchen zu lassen. Und auch dafür gesorgt, dass sie operiert werden kann. Erstverdacht war einst ein sogenanntes Retinoblastom, das unbehandelt wohl zum Tode führte. Alle notwendigen Untersuchungen sind gemacht worden, um ein solches, so weit es eben geht, auszuschließen. Diese nun fällige OP birgt noch immer Risiken.

Doch wird der Vierjährigen auf jeden Fall geholfen. Zwar nicht wie geplant am 16.1.23. Der Chirurg hat die OP kurzfristig auf den 25.1. verschoben.

Im Zuge dieser Verschiebung haben wir von hier aus noch mal ein paar Recherchen zur Absicherung des Prozesses gestartet. Alles ist gut vorbereitet und geplant und alles läuft nach bestem Wissen und Gewissen. Wir schlafen jetzt auch wieder besser. 😉

Nun heißt es für uns nur noch: Vertrauen, hoffen und die Menschen vor Ort in Gedanken zu begleiten.

Der Onkel Stephen wollte unbedingt wissen, wie er uns allen danken kann.

„Schickt sie in die Schule!!!!!!“ ist unsere einhellige Antwort.

Danke an alle Beteiligten: Franka, Beate Glamann von Hamburger Mit Herz e.V., Maria, Linkman Stephen, den Ärzten am Tenwak Hospital und der Familie.

Es tut gut, in so kurzer Zeit gemeinsam so etwas möglich zu machen.

Wenn Ihr die Gelegenheit habt: Gute Gedanken und Daumen drücken helfen sicher.

Sollte jemand von Euch das Bedürfnis haben, sich an dem finanziell nachträglich noch zu beteiligen:

Auf der Seite von Hamburger mit Herz findet Ihr diverse Möglichkeiten für Spenden:

Hereinspaziert

„When you quiet your mind, you can enter a world of clarity, peace and understanding.“ Alice Coltrane

Kreativität ist ein Herrenhaus

F. Gary Gray hat mal gesagt: „Kreativität ist ein Herrenhaus. Wenn Du in einem Raum leer bist, musst Du nur auf den Flur gehen und einen anderen Raum betreten, der voll ist.“

Ob uns das so klar ist, scheint fraglich. Ich hätte es nie so bezeichnet. Doch bin ich oft diesem Drang gefolgt, in neuen Räumen Platz und Inspiration zu finden. Ideen ließen dann nicht auf sich warten.

Leiden ist gebremstes Wollen

Mein geschätzter Kollege und Freund Johannes Seybold bringt es gern auf den Punkt: Leiden ist gebremstes Wollen. Und wenn sich in meinem Leben Leid ohne die Aussicht auf Linderung bei mir einstellte, … bin ich in den „Flur“ gegangen. Der Nase nach auf neue Türen zu. Als offene Türen haben sie sich in der Regel entpuppt.

Fundstücke

Und was ich dahinter fand und immer noch finde, sind Möglichkeiten. Chancen – manchmal mir Fremdes, das mich neugierig stimmt. Und da ich meiner Neugier noch nie wirklich widerstehen konnte, habe ich in der Regel etwas mit den Fundstücken oder aus ihnen gemacht. Schon erstaunlich – wenn ich so zurückblicke, wie viel ich entdeckt habe. Und noch nutze – und wie gut sich das bereits Vorhandene mit den neuen Impulsen aufpeppen, vertiefen, verändern und mitunter auch noch“lizensieren“ lässt. Alles nicht selbstverständlich. Aber möglich.

Schweizer Taschenmesser

Ich vermute, dass es meine Haltung ist, die mich zu dieser Art „Schweizer Taschenmesser der Fähigkeiten und Fertigkeiten“ hat reifen lassen. So nannte mich einst mein Lebensgefährte. Ich hatte mal wieder einen dieser „IchKannNichtsTage“. Die kommen häufiger mal vor. 🙂 Inzwischen „gönne“ ich sie mir! 🤣 Provoziere sie sogar; wenn auch sicher unbewusst. Wie? Ich vergleiche mich mit all den Großverdiener:innen und Allwissenden auf den beliebten Businessplattformen. 🤣 An diesem besagten Tag damals staunte er: „Ich habe noch nie eine Frau erlebt, die so viel kann und weiß und die gleichzeitig so an sich zweifelt. Vielleicht ist nicht jedes einzelne Tool perfekt, aber die Kombi! Die ist unschlagbar!“ So hatte ich das noch nie gesehen. Es gefiel mir. Seither hadere ich nicht mehr so grundsätzlich. 🙂

Dauerlernen

Manche halten mich für verrückt, wenn ich von meinem Dauerlernen erzähle. Auch wenn sie sich fragen, wie ich mein ganzes Arbeitsleben als von Beginn an Alleinerziehende eines schwerbehinderten Sohnes nicht einfach nur durchgestanden, sondern wohl meist das Beste daraus gemacht habe.

Als ich anfangs 2022 anhob, mich noch als Digital Editor zu qualifizieren, war ich mit Abstand die Älteste der Gruppe. Auch in den Podcasting-Fortbildungen fühlte ich mich alterstechnisch ein wenig sehr außen vor. Neugier aber scheint jung zu halten. 🙂

Vorbereitungen auf den (Un)Ruhestand

Ich werde trotzdem nicht aufhören, zu lernen. Dieses letzte Jahr, bevor ich offiziell in Rente gehe(n muss), werde ich noch nutzen. Denn mein jährlicher Rentenbescheid ist eine Lachnummer. Da steht was von „Straßenmusik“ oder so…

Also werde ich jetzt alles tun, um mich zu rüsten für die Zeit über das Renteneintrittsalter hinaus. Ein Jahr habe ich ja noch! Mit neuen Projekten und Ideen. In neuen Räumen. 🙂

Zuversichtliche Grüße aus dem Jahresanfangsmodus.

Have a good one! 🙂

Immer noch magisch

Herbst 2013. Der Nachmittag vor meiner Abreise nach Moskau. Koffer waren gepackt. Alle Vorbereitungen so weit abgeschlossen. Ich nahm mir die Zeit, nach Musik zu surfen.

Und dann das!!!!!

Es ist fast zehn Jahre her: Ich war zutiefst berührt. Nachdem ich den Song dreimal gehört hatte, suchte ich nach Konzertterminen. Und was soll ich sagen: an dem Abend spielten die ihr letztes Konzert der aktuellen Tour durch Deutschland. In erreichbarer Nähe. In Achim in der Kirche. Ich habe nicht lange gezögert. Autoschlüssel, Geld und eine riesige Portion Vorfreude im Gepäck habe ich mich auf den Weg gemacht und stand zwei Stunden später vor der Kirche. Gespannt wie ein Flitzebogen. 🙂 Was ich dann vernahm, sah, fühlte und hörte war weit über dem, was ich erwartet hatte. Wie hätte ich mir das auch wünschen sollen? – Nicht wissend, dass es so etwas gibt!

Tja, ich liebe es halt, wenn Menschen können, was sie tun! 🙂

2014 habe ich mir im Zuge einer Crowdfundingaktion meinen ganz persönlichen Song von ihnen komponieren lassen.

Während des Entstehungsprozesses haben Gunni Jacobson und ich uns mehrfach getroffen. Mal zu Fish and Chips in Reykjavik oder bei Konzerten in Hagen oder Hamburg. Gemailt haben wir auch häufiger. Ihm war ungemein wichtig, dass das Lied wirklich mein Herz berührt und von meiner Geschichte erzählt.

Es wurde 2016 in Hagen das erste und einzige Mal live gespielt: When the tides are strong!

Bis heute bin ich dankbar, dass ich damals dem Impuls gefolgt bin und den Weg nach Achim gewagt habe. Der Beginn einer wunderbaren Verbindung!

Be more kind

„Trouble comes and trouble goes…“ Frank Turner
Foto by @g2baraniak

„We don`t know what’s coming next. Be more kind my friends, try to be more kind.“

No more words needed.

Have a good one!

Die feinste Form der Liebe: Respekt!

Aber es gibt sie: die zu dir passen, ohne dass sie dich brauchen. Die dich dann halten, ohne dich zu verbiegen. Mit solchen umgib dich und staune.
Max Prosa

Dieses wunderbare Zitat von Max Prosa erreichte mich. Und landete nicht nur in meinem Account, sondern vor allem in meinem Herzen. Mir wurde warm. Für mich ist es die lyrische Beschreibung der feinsten Form der Liebe: dem Respekt!

Entschieden habe ich umgehend, es als DIE Jahreswechselbotschaft zu nutzen – sowohl demütig und dankbar zurückblickend als auch vorausschauend ermutigend.

Ich wünsche Euch ein waches, einfühlsames, befriedendes Jahr 2023.

Für die Menschen, die mir vertrauen und denen ich vertraue! 🙂

IM DIALOG -MITEINANDER DEN WANDEL GESTALTEN

Guten Tag. Für mich fühlt sich die aktuelle Zeit sehr kräftezehrend an. So vieles sollte vor Ende des Jahres noch oder schon erledigt sein. Und es steht noch mindestens ebenso viel auf meiner Liste, das noch nicht getan ist. Meine Erfahrung aus dem letzten Jahr: es lohnt sich, auch mal was sein zu lassen. Zum Beispiel die Onlinezeit zu reduzieren – wirklich nur etwas zu posten, wenn ich etwas mitzuteilen habe, von dem ICH glaube, dass es andere interessieren könnte. 🙂

So auch heute. Eines meiner Lieblingsbücher und in gewisser Weise für mich eines der fast wichtigsten Bücher des vergangenen Jahres lege ich ans Herz. Wessen auch immer:

Ein längst fälliges Werk zum Dialog.

Der Begriff „Dialog“ ist in aller Munde. Erlebt, verstanden und genutzt wird er meist, um Informationen zu bekommen oder zu senden.  Fragen, Diskutieren und Argumentieren sind die Mittel. Der hier erkundete Dialog aber ist ein Prozess ohne Anfang und Ende. Er verbindet.  Sozialberater Eelco de Geus und Sozialpsychiater Kees Voorberg  gehen dem Wert und den Wirkungen dieses Dialogs nach, der eben mehr ist als ein gutes Gespräch, Technik oder Methode.  Anhand praktischer Beispiele beschreiben sie, wo und wie, für und mit wem Dialog nützlich ist. Sie reflektieren umfassend Grenzen und Möglichkeiten. Und die Art, wie sie es tun – bildhaft und eingängig – hat mich das Buch Seite für Seite studieren lassen. Ich wollte nichts verpassen oder gar überlesen. Ein Schatz an Erfahrungen aus diversen Kontexten und deren theoretischen Grundlagen. Ich habe mich an so viele Prozesse erinnert – Aha-Effekte inklusive. Extrem hilfreich: sie unterscheiden präzise die Haltung der Dialogprozessbegleitung von den Haltungen anderer Begleitungen.  Sie resümieren: „Dialog fördert persönliches Wachstum und ermöglicht kollektive Entwicklung und Kooperation zwischen Menschen in jedem Lebensumfeld.“  

Eines meiner Lieblingszitate aus dem Buch – und davon gibt es reichlich(!!!!) aus Literatur und Psychologischen Schulen, Philosophie, etc. – Ist:

„Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein.“- R. M. Rilke

Und es scheint egal, in welcher Branche beraten und gecoacht wird: In einer Zeit, in der Beziehungen unter Druck stehen, Gemeinschaften zerbröckeln und Zusammengehörigkeit nicht mehr selbstverständlich ist, ist dieser Dialog mehr denn je Kunst und Einladung, Verbindung zu schaffen. Mit ihm sind wir Lehrende und Lernende zugleich. Auch und gerade im 21. Jahrhundert!

Wer sich selbst also einen Gefallen tun möchte, sich von erfahrenen Beratern inspirieren lassen möchte, wer mal die Perspektive und die Wirkung dieses Dialogs erkunden möchte: Gönne sich dieses Buch.

Danke an Sozialberater Eelco de Geus und Sozialpsychiater Kees Voorberg. So umfassende Möglichkeiten, mich zu identifizieren, auf eigene Erfahrungen zu referieren, hatte ich bis dato in diesem Kontext noch nicht bekommen.

Danke, Danke, Danke!

Beschreibung

Paperback, 304 Seiten

Inhalte:

DIALOG ALS PERSPEKTIVE
Dialog in unserer Zeit | Dialog als Kommunikationsform | Fundamente des Dialogs

AUF DEM WEG ZUM DIALOG
Dialog und Diversität | Gruppenentwicklung durch Dialog | die Wirkung unseres Denkens | das Vermeiden des Dialogs | das dialogische Paradigma

DIALOG IN DER PRAXIS
Der Dialogkreis | Dialogprozessbegleitung | Dialog in persönlichen und beruflichen Kontexten

DIALOGISCHES LEBEN UND ARBEITEN IM 21. JAHRHUNDERT
persönliche Kompetenzen | systemisch-dialogische Kompetenzen | transpersönliche Kompetenzen

Auch als Spezialangebot in Kombination mit dem Dialogkarten-Set von JULIA UND ARTUR erhältlich (Link)

Eelco de Geus + Kees Voorberg   

IM DIALOG – MitEinANDER DEN WANDEL GESTALTEN

Persönlich I Professionell I Gesellschaftlich

Renate Götz Verlag  2022

ISBN 978-3-902625-92-2

In absehbarer Zeit wird eine etwas kürzere Version der Rezension im Counseling Journal des BVPPT zu lesen sein. www.counselingjournal.de

Klangvoller Advent

„Das Hören ist der Ursprung der vernünftigen Seele, und die Vernunft spricht mit dem Klang, und der Klang ist gleichsam Denken, und das Wort ist gleichsam Werk.“
―Hildegard von Bingen

In der letzten Woche durfte ich gleich zwei wunderbaren Konzerten lauschen. Sehr berührt haben sie mich. Erst am 5.12. in Köln Árstíðir – Vetrarsól 2022 – Ein isländisches Weihnachtserlebnis in der Kulturkirche in Köln Nippes. Und am letzten Donnerstag Vikingur Olafsson in der Laeiszhalle. Einem der schönsten Orte der Welt für Klaviermusik.
Nun bin ich wohlgenährt für die eiskalten Tage, den Schnee, die glatten Straßen, die frühen Abende, die Glitzersterne vor der Tür und die am Himmel. Für die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel.

Was habt Ihr erlebt, um Euch auf den Winter – die Einkehrzeit – vorzubereiten?

Spirit in the Moment

„At any moment, you have a choice, that either leads you closer to your spirit or further away from it.“
Thich Nhat Hanh

Selten erschien es mir wertvoller, altern zu dürfen. Ein gerütteltes Maß an Gelassenheit, Liebe und Erfahrung wirklich zu fühlen. Mit Abstand Geschehnisse und Fakten – auch bedrohliche – betrachten zu können, ohne sie gleich zu benoten. Tönen und Geräuschen zu folgen und ihre mitgelieferten Eintrittskarten in mein Kopfkino zu nutzen. Mich zu amüsieren, zu staunen, zu erkunden, zu bedenken, was sich da alles in Körper und Geist und Seele tummelt.

Kurze Tage, lange Abende, inspirierende Begegnungen mit Menschen, Musik und Literatur oder auch dem „Andere Zeiten Kalender 2022/23“ versprechen wache Zeit für Rück-, Innen-, Vor- und Umschau.

Bin gespannt, was diese Zeit vor Weihnachten – für mich die Adventszeit – mir offenbaren, zeigen oder bringen wird.

Ich wünsche Euch einen guten Start in diese Zeit.

Alte Seele

„Die Seele kommt alt zur Welt und wird jung. Das ist die Komödie des Lebens. Der Leib kommt jung zur Welt und wird alt. Das ist die Tragödie des Lebens.“ — Oscar Wilde

Ein Mann mit zu viel Macht

„Die Geschichte ist voll von Beispielen für die katastrophalen Folgen, die über Nationen kamen, die ihre Verfassungen dadurch änderten, dass sie einem Mann zu viel Macht gaben.“ Sirimavo Bandaranaike

Sirimavo Bandaranaike war 1960 die weltweit erste freigewählte Regierungschefin überhaupt. Etwas mehr als sechzig Jahre ist das nun her. Und ihre Einschätzung scheint nach wie vor aktuell.

Welche Männer haben gerade zu viel Macht? Egal ob erkauft, gewählt, ernannt?

Wer und was macht das möglich?

Wasted Days

„Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie an und handelt.“ (Dante Alighieri)

Mal wieder der Mond

„… Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön…“

Seit frühester Kindheit begleitet mich dieses Lied. Immer haben mich Text und Melodie umhüllt für die Nacht. Und bis heute rührt es mich. Sogar Körpererinnerungen habe ich dazu gespeichert. Das wohlige und sichere Gefühl stellt sich umgehend ein, wenn nur die Melodie erklingt.

Was sind Eure Erfahrungen mit dem Mond und mit diesem Lied?

Der Mond ist aufgegangen – Matthias Claudius (1740 – 1815)

Abendlied von Matthias Claudius (1740-1815)

Der Mond ist aufgegangen
Die gold’nen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar
Der Wald steht schwarz und schweiget
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar

Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämmerung Hülle
So traulich und so hold
Gleich einer stillen Kammer
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön
So sind wohl manche Sachen
Die wir getrost verlachen
Weil unsere Augen sie nicht seh’n

Wir stolzen Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott lass dein Heil uns schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Lass uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und wenn du uns genommen,
Lass uns in’n Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn ihr Brüder
In Gottes Namen nieder
Kalt ist der Abendhauch
Verschon uns Gott die Strafen
Und lasst uns ruhig schlafen
Und unser’n kranken Nachbar auch.

Contemplation


„Niemand ist vollkommen: Glück heißt, seine Grenzen kennen und sie lieben.“
Romain Rolland




Grenzen verändern sich. Meine zumindest. Wenn ich aufmerksam genug bin, mir Zeit nehme, mich zu besinnen, erscheinen sie mir deutlicher. Sowohl die Grenzen als auch das für mich Erreichbare. Selbst wenn das außerhalb meiner gefühlten Grenzen liegt. Wieder und wieder – selbst in ausweglos erscheinenden Situationen – erreichen mich Impulse, dass es immer noch Räder gibt, an denen ich noch drehen kann. Von innen kommen diese Impulse. Aus mir heraus. Von einer der Ullas, die sich nicht abfinden will. Auch wenn die anderen – die müden, die erschöpften oder ratlosen – präsenter sind.
Und was soll ich sagen? Es scheint, als sei die, die sich nicht abfinden will, die mächtigste von allen. Sie respektiert und akzeptiert die Situation, wie sie ist. UND sie schöpft die Energie aus den Konflikten, um damit etwas Konstruktives zu schaffen, statt im Kampf gegen die Kräfte des Konflikts zu ermatten.

Unlängst sagte jemand: Es gibt keine Ebbe ohne Flut, keinen Tag ohne Nacht.
So ist das wohl!

Begleiter meiner Besinnungszeiten ist oft: Víkingur Ólafsson

The Greatest Song

„Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.“ Gustav Mahler

Es wird so viel geschrieben im Netz. So viel Unnötiges. Deshalb halte ich still – und lade Euch ein. Zu einem Klassiker. Eine meiner Favoritinnen hat es komponiert – vor vielen Jahrzehnten. Gecovert von einem meiner momentanen Lieblingsmusiker. The Tallest Man on Earth. 🙂

So: Enjoy!!!

So viel zu wenig und so viel zu viel


„Wer anfängt, sich selbst zu belügen, wird notwendigerweise unglücklich. Man muss seinem Charakter entsprechend handeln, auch wenn am Ende eine Niederlage steht, weil die Alternative eine größere Niederlage wäre.“ Ágnes Heller

Kurz vor Zwölf. Ja, manchmal ist es knapp! Sehr knapp. Doch gibt es sie: die Momente, in denen sich ein Schalter umlegt. Momente, in denen ich deutlich registriere, dass ich mich FÜR oder GEGEN etwas in meinem Leben entscheiden kann. Und, dass ich eben auch einiges nicht beeinflussen kann. Es hinnehmen, respektieren, akzeptieren muss, bevor das Ringen dagegen oder darum zu kräftezehrend oder energieaufwendig wird.

Dankbar bin ich für all das, was ich selbst entscheiden kann. Für das, was mich handlungsfähig macht. Und demütig blicke ich auf das, was sich meiner Entscheidung oder meinem Einfluss entzieht.

Mitten in diesen Gedanken erinnere ich mich an jenes Werk von Andre Heller.

Möge es Euch gefallen.

Zurechtrücken

Durcheinander
Wer die Welt in Ordnung bringen will, gehe zuerst durchs eigene Haus.

Manchmal bin ich „aus der Fassung“, „außer mir“, „durcheinander“, „irritiert“. Wenn ich es registriere, versuche ich wieder in eine mir gemäße Form zu kommen. Das muss nicht die vorherige sein. Doch sollte es eine sein, in der ich mich gut fühle.

Als Tanztherapeutin bin ich einst nach einer Therapiestunde an die Stange gegangen, um wieder zu meiner eigenen Bewegung zu finden. Heute nutze ich Yoga, Klang, Musik, Schweigen, Gehen und Meditation. Mitunter einige davon auf einmal.

Einer begleitet mich seit Januar 2021 regelmäßig dabei. Vikingur Olafsson. Was auch immer er spielt, es berührt mich. Es rückt mich wieder zurecht. Wie mit einem Kaleidoskop ergeben dann die vorhandenen Facetten eine neue Ordnung.

Ich scheine nicht die einzige zu sein. Danke an Michael Samarajiwa für den Impuls, das mal wieder zuzuordnen. 🙂

Erfahrungen haben was Nützliches!!!

Wo wir finden, was wir nie verloren haben

Wohl nur in uns selbst.

Wenn es um mich herum laut wird, mich Geschwätzigkeit aggressiv macht, wenn ich am liebsten laut riefe: „Einfach mal die Klappe halten!“: DANN schweige ich selbst für eine Weile. Und lausche. Mir. Und all den Ullas, die bei dem empfundenen Krach nicht zu Wort kommen. Registriere auch die, die ich selbst am liebsten zum Schweigen brächte. Und lausche ihrem Dialog. 🙂 Was für ein Reichtum.

Ein Lied an all meine verschiedenen Ullas. 🙂

Serendipity – Ulla Keienburg s Blog

https://ulla-keienburg.com/2015/04/13/serendipity/

Trügerisch

„Ein Foto wird meistens nur angeschaut – selten schaut man in es hinein.“ Ansel Adams

Zu gern sammelte ich die spontanen Assoziationen zu diesem Bild. Zu diesem Ausschnitt eines Szenarios, in dessen Mitte ich mich letzte Woche befand.

Was fällt Euch dazu ein? Was glaubt Ihr, habe ich dort eingefangen?

Einen guten Start in die Woche wünsche ich Euch.

Hinuntersteigen

„Viele erkennen zu spät, dass man auf der Leiter des Erfolges einige Stufen überspringen kann. Aber immer nur beim Hinuntersteigen.“
William Somerset Maugham



Da bin ich wieder. Es ist eine Weile her, dass ich mich hier geäußert habe. Mindestens vier Wochen lang habe ich den Rechner nicht mal geöffnet. Ach doch, einmal habe ich es getan. Da musste ich eine Angelegenheit für meinen Sohn erledigen.
Für mich selbst aber hatte ich mir anderes vorgenommen.
Erste große Erkenntnis: Ich habe nichts vermisst!
Und es war mein Geschenk an mich.



Und habe dabei ein paar Stufen überspringen können. Nach unten, versteht sich. 🙂

Habt Ihr das schon mal ausprobiert?

Depth over Distance

„Freiräume sind die Akzeptanz des Wunsches nach Distanz, ohne das Vertraute in Zweifel zu ziehen.“
―Eva Freiwald

Die (sie) sehen wollen

„Es gibt überall Blumen für die, die sie sehen wollen.“ Henri Matisse

Nur mal so zwischendurch

On the Road Again


„Der Sinn des Reisens besteht darin, die Vorstellungen
mit der Wirklichkeit auszugleichen,
und anstatt zu denken, wie die Dinge sein könnten,
sie so zu sehen, wie sie sind.“
Samuel Johnson

Ich kann es kaum glauben. Morgen (14.5.22) ganz früh geht es los. Die erste Dienstreise nach fast zweijähriger (unfreiwilliger) Abstinenz. 🙂 Nach dem Geruchs – und Farbenfest Ostholsteins und den sommerlichen Wettern Hamburgs werde ich mich nun dem Frühsommer der Toskana hingeben. Eine ganze Woche lang (im Auftrag von Neubauer Reisen) von Montecatini Therme sternförmig mit einer Gruppe Reisehungriger und Neugieriger Landschaft, Geschichte, Menschen, Architektur, Kultur, Essen und Trinken – einfach Atmosphäre erkunden. Und genießen. Versuchen herauszufinden, ob unsere Fantasien mit der Wirklichkeit übereinstimmen. 🙂

Ich werde berichten in Bild und Wort.

Versprochen.

Ich bin sooo neugierig und gespannt.

Deshalb heute ohne Musik! 🙂

Sinnlich

Seit ich sie im April im Mojo Club in Hamburg gesehen habe, haben sie es geschafft, sich „zusammen zu singen“. Wunderbar. Berührend.

Reflections

„Change comes from reflection.“ G. P- Orridge

Ich könnte jetzt hier ganz viel Text schreiben. Habe nämlich unlängst gelernt, dass Google denkt, viel helfe viel.

Und dieser Annahme haben wir wohl die gefühlte „Geschwätzigkeit“ in den einschlägigen Portalen zu verdanken. 🙂

Nicht zu vergessen, dass es auch viele Absätze sein sollten. 🙂

Und kluge Zwischenüberschriften. 🙂

Ach ja: Die Wiederholungen sollte ich berücksichtigen. 🙂 Wenn ich nicht mindestens zillionenfach den Titel des Posts wiederhole, denkt Google wohl, dass ich nichts zu sagen oder zu bieten habe.

Tja, so soll das sein – im Digitalen.

Ich danke Euch sehr, dass Ihr mich besucht. Auch wenn ich gefühlt mehr für Auge, Ohr und Herz anbiete.

Bin neugierig, was Ihr darüber denkt!

Vorbeirauschen

„Ich denke oft, dass die Nacht lebendiger und farbenprächtiger ist als der Tag.“
Vincent van Gogh


Auch die Gedanken sind mitunter bunter als am Tage.

Das ist hier die Frage!

Sie bleibt einfach aktuell 🙂

Ulla Keienburg s Blog

La Coruna – Centre des Hombres

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Rasend

Die Perspektive bleibt entscheidend !

Ulla Keienburg s Blog

wp-1461856191014.jpg „Die Zeit vergeht nicht schneller als früher,aber wir laufen eiliger an ihr vorbei.“ George Orwell

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„Let it be“ heißt: „Lass es geschehen“

Good memories 🙂

Ulla Keienburg s Blog

Unter 18 Brücken musst du her, um einmal rund um Manhattan zu fahren.

Nachdem ich das Plakat entdeckt hatte, blieben die Ohrwürmer nicht aus. 🙂

In Amerika zu fotografieren heißt auch: Lass die Kabel, wo sie sind! 🙂

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