Ich brenne für…

… echte Begegnung.

„Dialogisches Leben ist nicht eins, in dem man viel mit Menschen zu tun hat, sondern eins, in dem man mit den Menschen, mit denen man zu tun hat, wirklich zu tun hat.“ (Martin Buber)

Immer wieder ist die Frage: Wer soll mich sehen? Wen will ich sehen? Wie will ich wem begegnen? Und immer wieder kommt mir die Antwort: Ich will, wie Buber es beschreibt, dialogisch leben und lernen. Am liebsten so oft es eben geht. Auch und gerade in den und durch die Begegnungen, die meinen Alltag ausmachen. Denn am Ende sind sie tiefe Begegnungen mit mir selbst.
Unlängst fragte mich eine Coachee: Was soll ich denn tun, damit ich mich nicht mehr so aufrege und so provozieren lasse?

Was sie tun könnte, weiß ich nicht, wenn ich ehrlich bin. Doch eine Erfahrung kann ich teilen. Ich kann mich beobachten, aufmerksam betrachten, nach was oder wie mir zumute ist. Und wenn ich so richtig mit mir selbst zu tun kriegen will, dann wähle ich Begegnungen, die mich triggern. 🙂

Möchte ich mal eine Weile Ruhe vor mir oder mit mir selbst haben, tummele ich mich in sichereren Treffen oder Begegnungen. Oder bleibe eine Weile mit mir allein. 🙂 Das hat schon fast etwas Amüsantes. Denn es bedeutet, dass ich neugierig auf mich bin, dass ich meine Grenze kenne(n lernen mag), dass ich mir mitunter Ruhe gönne, dass ich mich mir selbst zuwende. In jedem Falle. „Nachbeeltern“ nennt das mein Kollege Wolfgang Roth. Selbstfürsorge nenne ich es. Und das kann eben auch mal bedeuten, dass ich meiner Seele Erholung gönne. Zumal ich zutiefst darauf vertraue, dass sich von selbst zeigt, was dran ist.

Das klingt, als hätte ich immer die Wahl. Das ist mitnichten so. Mitunter bin ich ungewollt und unvorbereitet mit mir konfrontiert. Und das mit Teilen, die ich so gar nicht an mir leiden kann. Davon könnte ich Lieder singen. Sehr gerne passiert das im Kontakt mit Behörden. Wenn mal wieder logisch nicht nachvollziehbare Briefe zwecks Kontrolle oder Rechenschaftslegung eintrudeln. Und je nachdem, wie ich darauf reagiere, kann ich dann orten, wie meine momentane Grundstimmung tatsächlich ist. Um was geht es eigentlich? Die Frage aller Fragen taucht dann auf.

Häufiger passiert dann etwas wie unlängst: Mein Sohn ruft an. Diesmal: „Mama, Corona macht mein Leben kaputt.“ Mmmmmhhh. Wie gut ich ihn verstehen konnte. „Sollen wir zusammen ein bisschen darauf schimpfen?“ habe ich ihn gefragt. Und es schien wie eine Erlaubnis für uns beide, uns gemeinsam der Ohnmacht mal hinzugeben, die dieses Geschehen auslöst. Da er in einer Behinderten WG lebt, ist das mit den Besuchen nicht so einfach. Wir sprechen regelmäßig, strapazieren unsere Datenvolumen durch Videochats und Musik, die wir uns schicken. Und schaffen es, uns immer wieder zu gewähren, Gefühlschwankungen zuzulassen. Und sie miteinander auszuhalten. Ein wirkliches Geschenk. Nicht selten nach solchen Momenten kommt dann noch eine Nachricht. „Mir geht es besser. Die Sonne scheint.“

Ja, es gibt viel zu entdecken. Auch wenn viele es als Wettbewerb in Sachen Selbstoptimierung verstehen: Ich empfinde diese Erfahrungen als Geschenk. Eines, durch das sich was ändert, wenn wir mutig genug sind, es zu wagen. Dankbarkeit, Respekt, Güte, Demut, Humor….. sind nur einige der Begriffe für die Zutaten des Elixiers, das entsteht. DANKE!

Gefühlt: Komplett

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„Dass der Mensch, der doch die Wahrheit so flieht, den Spiegel erfunden hat, ist die größte historische Merkwürdigkeit.“
Friedrich Hebbel

Eine Woche Sylt im Klappholtal. Ein wunderbarer Ort für Lehre, Leere und Lernen.  🙂 Durch die Jahreszeit mit ihren strengen Wetterkapriolen war es eine stetige Auseinandersetzung mit den „Naturgewalten“. Das Meer toste, der Wind blies – mal heftig, mal stürmisch, mal sanft (wenn das auch selten :-)), der Sand rutschte unter den Füßen her, die Wolken heulten mitunter kräftig, die Sonne konnte noch richtig wärmen, wenn sie mal durchkam.  Und der Regenbögen gab es viele. Sehr viele. Verschiedene. Mein persönlich wichtigstes Symbol für das „Sowohl als auch“. Wunderbar.

Im Sturm habe ich die Insel am Freitag wieder verlassen.  Die Überfahrt mit dem Autozug war wie ein Aufenthalt in der Autowaschanlange – nur ohne Seife oder Schaum. Es hat auch niemand das Auto anschließend trocken gepustet.

Heile bin ich Zuhause angekommen. Gottseidank.

 

 

 

Dialog – was ist das?

 

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„Ich weiß nicht, was ich gesagt habe, bevor ich die Antwort meines Gegenübers gehört habe.“ Paul Watzlawick

 

SWR Leben der Dialog

Neue Konturen :-)

Es war mal alles anders in den letzten Tagen. Heilsam anders. Drei Tage an der Ruhr, bei Sonne und Miniregengüssen, im Schatten der riesigen Bäume. Das Wasser plätscherte, Schafe kommentierten lauthals, Hühner gackerten, der Wind wehte leicht durch die dunkelroten Blätter einer Blutbuche, Stimmen von Menschen aller Generationen. Mutige Experimente gab es. Und das alles im Dialog – mit uns selbst, mit den anderen, mit dem, was uns umgab.

Egal: Ich habe lecker gegessen, mich in diesen Tagen innerlich tragen lassen – anders eben, als herkömmlich. Gelassen hinnehmen können, dass es ganz schön unruhig sein kann im Leben. 🙂

Und mich zu freuen, dass sich unter den Teilnehmern eines solchen Seminars auch ein Meister  der Haarkunst tummelt.

 

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Im Garten. unter den Bäumen, an der Ruhr, unter freiem Himmel bin ich so zu einem neuen Haarschnitt gekommen. Schon witzig, wenn einem jemand die Haare schneidet, der mich gerade an drei Tagen erlebt hat.  Das Ergebnis: Er hat mich erfasst. Der Schnitt ist nicht nur gut, er passt auch zu mir.  🙂

Das Leben ist schon gut zu mir.  🙂

In vielerlei Hinsicht aufgeräumt, zurechtgerückt, reflektiert und aufnahmebereit sortiere ich jetzt mal meinen Alltag in Hamburg.

 

Auf den Hin und Herfahrten habe ich im Auto Udo Lindenbergs „Stärker als die Zeit“ lauthals mitgesungen.“Konsequenz hat einen Namen, und der fängt mit U…. an!“  Laut gelacht! Danke Udo – auch für Wörter wie „Lebensänderungsschneiderei“. Oder Sätze : „Ich habe tausend Pläne, aber einen Plan B hab ich nicht.“

 

FAR THERE AGAIN

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„Alle Reisen haben eine heimliche Bestimmung, die der Reisende nicht ahnt.“ Martin Buber (1878 – 1965) „All journeys have secret destinations of which the traveler is unaware.“ Martin Buber

Dann lasse ich mich mal überraschen! 🙂

Wenn ich mir was wünschen dürfte…

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…käm ich in Verlegenheit.

Wünschen, ein gutes Thema. In der letzten Zeit habe ich mir gwünscht, mal wieder an Texten zu arbeiten, die genau über das erzählen, was mir am Herzen liegt. Das ist gerne mal meine Sehnsucht, wenn die Textabschnitte, die ich gegen Jahresende zu verfassen habe, zu Rechnungen, Abrechnungen, Anträgen, Mahnungen, Plänen oder Konzepten werden. Ich vermute übrigens, dass deshalb die Menschen so gerne Weihnachtspost versenden. Das tun sie nicht?  Nicht gerne?  Ach. Ich dachte.

Auf jeden Fall: Um es kurz zu machen. Ich hatte eine lange To- do – Liste für heute mit Dingen organsiatorischer Art. Kaum aber hatte ich angefangen, diese zu erledigen, erreichte mich Post mit einem Text, den ich überarbeiten soll. Über mein Lieblingsthema, meine Lieblingshaltung,  das Sanfteste und damit Gefährlichste, was Menschen geschehen kann. Über den „Dialog“ und „Verbundenheit“ nach Buber, über Salutogenese, David Bohm, etc.

Was soll ich sagen? Im Lesemodus war ich eh gerade, hatte mich mit einer Kanne Tee an meinem Tisch niedergelassen, um mich der Dezemberausgabe der „brandeins“ zu widmen. Titel: „Nichts für Feiglinge – Das gute Leben“. (ja, auch so etwas steht auf meiner Liste)

Die Zeitung also aus der Hand gelegt, las ich zunächst mal aus Neugier den Text. Er packte mich! Also startete ich, via Bearbeitung in den Buchstaben und Worten zu baden, Nachweise zu suchen – und mich irgendwann stolz zu fühlen, die nützlichen Werke dazu auch noch umgehend zu finden.

Plötzlich war es dunkel. Ich hatte die Zeit nicht beachtet. Sogar der Tee in der Thermoskanne war kalt. (Vielleicht sollte ich die mal ersetzen.) Eine Bestätigung erneut, dass, wenn ich mich für etwas begeistere, ich kaum zu bremsen bin. Eine Pause habe ich mir gegönnt  und nach einem Hinweis auf Hermann van Veen nach dessen Musik gesucht. Immerhin trägt dieser Mann die Buber – Plakette (2005) für besondere Verdienste um die Menschlichkeit. Und er mag Enten!

Dsa Fazit der Lektüre von heute: Echter Dialog und Menschlichkeit sind nichts Feiglinge oder Machthungrige.

Herman van Veen wirkt bescheiden.

Was wünschtet Ihr Euch?

In diesem Sinne – ein schönes Wochenende!

 

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