Pablo Pineda.“Ich hatte nur zwei Fragen: „Bin ich dumm?“ Er antwortete: „Nein.“ „Kann ich weiter in die Schule gehen mit meinen Freunden?“ Er sagte: „Kein Problem.“ Der Rest, der war mir egal.“
Sonntag Nacht. Ein wenig plagte mich das schlechte Gewissen, so spät zu Bett zu gehen. Aber den Film wollte ich mir nun mal nicht entgehen lassen.
Mit gemischten Gefühlen, versteht sich: Habe ich doch immer unser Leben vor Augen, höre mit Pablo auch manchmal meinen Sohn sprechen. Musste wirklich lachen, als Pablo seiner Angebeteten erklärt, wieso Menschen mit Down Syndrom sich so schwer tun, deutlich zu sprechen. Nicht die Tatsache, dass er es erklärte, oder dass es fachlich nicht richtig gewesen wäre. Es ist einfach die Selbstverständlichkeit und die Herzensgüte, mit der es das selbst annimmt – dieses Unabänderliche, dieses „Andere“.
Mee Too – Wer will schon normal sein? Spanien, 2009 (Bildquelle: prinz.de)
Er spricht mir tief aus tiefstem Herzen, wenn er seine Meinungen zum Umgang mit dem „Anderen“ kundtut:
DANKE an all die Lehrer, Erzieher, Kinder und Eltern, dass Sie sich die Zeit genommen und die Muße gegönnt haben, sich für den Jacob -Muth -Preis 2011/2012 zu bewerben!
Danke an die Projektmitarbeiter in der Bertelsmann Stiftung, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, so genau hinzuschauen.
Danke, Ulfert Engelkes und Ulka Engelkes, für die tolle Bildsprache und die Auswahl der O-Töne.
So wunderbar undramatisch – und damit so echt!!! #rührt
DAS hätte ich UNS für die letzten acht Schuljahre meines Sohnes gewünscht.
Sie hat in vielen Dingen recht. Mir bleibt es aber ein Rätsel, wieso sie alle Tätigen und auch Unterlasssenden im Bildunsgbereich sanft und schützend als „fortbildungsbedürftig“ betitelt.
Liebe Lehrer und Lehrerinnen, Kultusministeriensangestellte, als Lehrer bezahlte Beamte auf Lebenszeit im und außerhalb des Schuldienstes oder der Behörden!
Vielleicht hat die UN Konvention: „Inklusive Bildung ist ein Menschenrecht“ ja einen ganz wunderbaren Effekt: Sie deckt jetzt auf, wer in der Schule ganz nach seinem Gutdünken oder dem der Behörde agierte und Kinder gleich zu machen bereit ist. Und es finden sich die, die auch ohne die Konvention schon erkannt haben, dass es wohl keine „gleichen“ Kinder und Menschen gibt; dass sich am meisten lernen lässt, wenn alle Verschiedenen miteinander lernen. Gute Beispiele gibt es für Letztere ja. siehe z.B. Jacob Muth Preis
Zeigt Euch bitte!!!
Und Ihr Anderen, Verschreckten und von der plötzlichen und unerwarteten Vielfalt sich überfordert Fühlenden könnt die dann ja mal fragen, WAS genau „man“ als Lehrer für eine HALTUNG benötigt, um das sogar ohne Fachfortbildung oder andere teure und aufwendige Qualifikationen und Materialien und Ausstattungen hinzukriegen.
„Wer will findet Wege , wer nicht will findet Gründe!“ und ich finde, Ihr seid bis jetzt im Gründe- Finden großartig…..
Es wird Herbst – auch für das Bildungs- und Betreeungsssystem und seine Akteure
Was passiert eigentlich mit den Lehrern, die unter der Last der Vielfalt zusammen brechen und sich ihr nicht gewachsen fühlen? Werden die gekündigt, wie jeder andere Arbeitnehmer auch, der seinen Job nicht kann? Oder werden die hochbezahlt in Pension geschickt? Oder krank geschrieben? Ach, ich habe den Vorruhestand ganz vergessen. Prost Mahlzeit.
Vor zweizwanzig Jahren (!!!!!) schrieb ich gerade an meiner Graduierungsarbeit als Pädagogische Psychotherapeutin (BVPPT) (damals durften wir uns noch so nennen) zum Thema: Gemeinsames Leben und Lernen behinderter und nicht behinderter Kinder. Über eine Fortbildung für Erzieherinnen in Integrationssprojekten. Vor mehr als zwanzig Jahren!
„Dass ich mich habe, darauf wäre ich nicht gekommen!“ Diese Rückmeldung einer Teilnehmerin wählte ich als Titel. Denn erstaunter und echter hätte das niemand auf den Punkt bringen können. Erfreut waren die wissenschaftlich orientierten Prüfer von diesem Sprachgebrauch erst mal natürlich nicht – aber 🙂 Das Lebendige hat sie überzeugt.
„Es ist nicht die Aufgabe der Eltern ihre Kinder glücklich zu machen.“ Eine für Kinder engagierte Frau geriet vor allem über ihre eigene Umkehrung des Satzes in Rage: „Heißt das also: Eltern sollen ihre Kinder unglücklich machen? Und das sagt eine Psychologin?“
Kopfkino! Ich persönlich wäre auf eine solche Annahme gar nicht gekommen, hätte mich eher zurückgelehnt – und entspannt. ABER: Menschen haben nun mal eben (nur) einen persönlichen Denk – und Erfahrungskontext! Das zu akzeptieren erleichtert den Dialog. 🙂
All Inclusive - Berlin Mitte
Das bewegte mich dazu, mal über Worte nachzudenken, die gerade so IN und in aller Munde sind. Die oft daher gesagt, viel genutzt und m.E. auch missbraucht werden:
Inklusion: Ulla denkt: Alle sind dabei! Die wollen, machen mit, egal wie! Der Rest soll einfach still halten und dabei nicht stören. Alles kann, nix muss!
Integration: Ulla denkt: Muss stattfinden, wenn man zuvor ausgesondert hat. Muss aber gewollt sein, von beiden Seiten! WER lebt es WIE vor?
Partizipation: Ulla denkt: Teilhabe? Teilhaben? Beteiligung? Auf freiwilliger Basis? Lässt sich das erzwingen, ohne es gelernt zu haben? Beteiligt werden (Teilhabe) und Sich-Beteiligen (Teilhaben) sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Noch regiert die Auslese! Vorbilder bilden!
Mitwirkung: Ulla denkt: Ich will mit wirken! Wobei? Für was? Mit – Wirken? Tue ich das nicht? – Mit- Wirkung… heißt auch: Ich bin eine von vielen anderen Wirkenden- im besten Falle „Eine von WIR“! Zugehörigkeit.
Ulla denkt mal ausnahmsweise ( 🙂 )weiter: Bis heute habe ich den Eindruck, dass nur gewünschte, bequeme Wirkung gefragt ist – unerwünschte wird aussortiert. Obwohl? Immerhin gibt es dann ja wieder eine neue Opfer- oder Randgruppe! Muss die vielleicht integriert werden? Es sei denn, diese Rand- Gruppe besteht den Integrationstest nicht – teile nicht die Meinung der „Gemeinschaft“, die meint, sie integrieren zu müssen. Wider Willen möglichst noch. Weil es politisch korrekt scheint, dass „man sie abholt, wo sie stehe“ anstatt mal zu verweilen, sich aus deren Sicht die Welt zu betrachten. Egal. Der eine sondert aus – der andere versucht zu integrieren. Geschäftsfelder für Weltverbesserer! #schütteltdenkopf
Bürgerhaushalt: Ich soll bürgen? Ich bürge gern für meinen eigenen Haushalt! Für was noch? Für die Diäten der Politiker im Bundestag? Für die Griechen, die Italiener, die Portugiesen, die Stimmen bei der Wahl, die Schließung einer Bibliothek oder eines Theaters? Die Banken? Wohl möglich noch das Schul- bzw. Bildungssystem? Für Elternzeitregelungen? Bürger – Meister = Meister- Bürger? Fällt mir nur der alte Witz zu ein: Wer glaubt, dass ein Bürgermeister ein Meister im Bürgen ist, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten 🙂 (z.B. Duisburg)
Individuelle Förderung: Ulla selbst denkt: Fördern? Fördern kann ich Öl oder Kohle… Ulla hört, was andere denken: Einzelbespaßung? Therapie? Einzelförderung? Eins zu Eins Betreuung? Nachhilfe? Frühförderung?
Hat mal jemand nachgefragt, gelesen oder erfahren, WAS die Zuständigen für die vielen Maßnahmen und Gesetze damit meinen, darunter verstehen oder damit bezwecken??? Oder was sie dahinter zu verstecken versuchen?
Was denken Sie als Eltern, Lehrer, Bürger wirklich, was assoziieren Sie, wenn Sie diese Begriffe hören? Befasst sich jemand mit der Wirkung dieser Worte? Nachzulesen in vielen Kommentaren zu Artikeln? Ich finde die mitunter „den Gipfel“.
Gedanken von einer, die schon immer außen, drüber, drunter, neben oder hinter war.
Trotz deutscher Staatsangehörigkeit war ich für meine Landsleute besonders im eigenen Land schon viel ZU:
Die Wünsche der Chefs painted by UK
Zu lang, zu alleinerziehend, zu aufmüpfig, zu wenig angepasst, zu berufstätig, zu schnell, zu genial, zu bunt, zu unabhängig, zu ungehorsam, zu groß, zu früh, zu kritisch, zu allein, zu klug, zu frech, zu ehrlich, zu Frau, zu… was auch immer.
Als mein Sohn mit seiner Behinderung das Bild dann noch vervollständigte, erfand ich die Marke: Personifizierte Ansammlung von Randgruppen.
Lange kämpfe ich für „Integration“ – schon seit den Zeiten, in denen `man` darunter noch die „Gemeinsame Erziehung Behinderter und Nicht Behinderter“ verstand. Ein wenig sprachpingelig empfand ich den Begriff immer schwierig. Integrieren muss ich nur, was ich zuvor aussonderte. „Teil des Ganzen zu sein“ wäre meine Wahl gewesen. Oder „Inklusion“. Am Besten gar nicht drüber reden – einfach SEIN. Dazu musste erst mal die UN- Menschenrechtskonvention verordnen, dass man sich ihren Regularien widme.
Irgendwann habe ich mir eingestanden, dass ich damit auch versucht habe, selbst „Teil des Ganzen zu werden“, meinen unauffälligen Platz in dieser Gesellschaft zu finden, wollte auch mal „normal“ sein. Bis ich feststellte, dass dieses „Normal-Sein“ oft unglücklich stimmt, abhängig macht. Die Menschen sind verführt, ihre Nerven und Bankkonten bis zum Anschlag und darüber hinaus dafür zu belasten, dass sie „gut“ dastehen. Ihre Moral belasten sie anscheinend auch ( siehe Plagiatsaffären). Ich wollte aber nicht stehen, nicht im Garten nach vierblättrigen Kleeblättern suchen, währendessen evtl. verpassen, wenn Gelegenheiten und Chancen an die Tür klopfen. (um Herrn Chrysler zu zitieren) Und ich traf in den Kontexten sehr viele Menschen, die sich selbst nicht leiden können und nicht mögen, was sie tun. Sie buhlen um Anerkennung von Kollegen oder Chef, bangen um ihre Jobs, beherrschen und nutzen das jeweilige „Bull Shit Bingo“ – aber beim ersten Funken Leben kapitulieren sie.
Und nach dem X-ten Versuch, mich zu „normalisieren“, mich selbst in eine Schublade zu stecken, mich selbst meiner gefühlten Freiheit zu berauben, habe ich mich auch beruflich (wieder) selbstständig gemacht. Endlich!!!
Wenn ich sehe, wer sich heute diesen Themen wie „Integration“ und „Inklusion“ widmet: Dann sind es doch Organisationen, deren Personalverantwortliche und Führungskräfte nicht einmal Diversität in den eigenen Reihen dulden, (h)aushalten oder sie gar nutzen könnten oder wollten. Naja: Vielleicht suchen diese ja nur eine Daseinsberechtigung. Problembeschaffungsmaßnahmen: Damit sie alle wichtig bleiben.
Zwischen all den Grenzen, die ich sah, erlebte, setz(t)e, die „andere“ so zogen, entstand dann ein Profil, was mir gefiel. Wie ein Bild von Wilhelm Busch gemalt – zeichnete und zeigte sich meine Existenz. Die entdecken zu können, habe ich meinen Wurzeln, meinem Sohn und all den Auseinandersetzungen mit Menschen zu verdanken, die mich gern kleiner oder anders oder gehorsamer oder auch klüger oder flexibler gehabt hätten.
Danke! 🙂 Das hat mich stark und beweglich gemacht.
Und ebenso dankbar bin ich den Menschen verbunden, die heute meinen Blick von außen, oben, unten, hinten, durch sie hindurch manchmal, zu schätzen wissen, meine Ideen und Begleitung honorieren. Sogar bezahlen. 🙂
Diese Szene aus „Glee“ genießend, wünsche ich, in Deutschland passierte etwas Fortschrittlicheres als nur, dass Verantwortliche sich rühmen, weil sie statt Integration plötzlich Inklusion sagen.