Wie kommen die Werte in die Welt?

Alle Welt fragt (sich) das in letzter Zeit! Wer auch immer sich zu einer Antwort aufschwingt, stellt schnell fest, dass es sich um Meinungen handelt. Werte – werden sie nicht meist selbstverständlich und unreflektiert vorausgesetzt? Psychologen, Marketingexperten, Reiseveranstalter, Mediziner, Wirtschaftfachkräfte, Politiker, Kirchenvertreter, Stifter sinnieren gemeinsam oder jeder für sich.

gefunden in Malente 2012!!!

Wessen Wert ist das??     Gefunden in Malente 2012!!!

Jeder versucht eine für sich nützliche Antwort zu finden, eine die Wählerstimmen bringt,  das Geld lockert, Sympathien erzeugt, Buchungszahlen steigert. Sehr viele wissen plötzlich und verkünden laut, was richtig oder falsch, gut oder schlecht ist. Je überzeugter die Akteure scheinen, je lauter sie brüllen, Panik machen oder ihre Überzeugungen dramatisch genug vortragen- um so verführter fühlen sich Zweifler, den Lautesten zu glauben, deren Werte einfach anzunehmen. Immerhin hat jemand ihnen das Denken abgenommen.

Das klingt kritisch- ich weiß. Wer mich kennt, weiß:  Ich denke viel – vor und nach- und gern mit anderen gemeinsam.

BVPPT Berufsverband für Beratung, Pädagogik & Psychotherapie e.V.   Professional Association For Counseling, Education & Psychotherapy e.V.

1992 habe ich mich (auch deshalb) dem Berufsverband „BVPPT – Die Vertretung der Counselor in Deutschland“ angeschlossen. Dort finden Profis zusammen, die Haltung und Werte im Umgang und in der Arbeit mit Menschen teilen. Diese „Werte“ haben die Mitglieder des BVPPT  gemeinsam festgelegt. Humanistisches Menschenbild, eine tiefenpsychologische Betrachtung der Biographie des Menschen. Als Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist der Nachweis einer 4,5 jährigen tiefenpsychologischen Ausbildung und vor allem eine ebenso lange Selbstreflexion und tiefe Kenntnis um die eigene „neurotische“ Struktur. Das hört sich hochtrabend an – ist aber auch für mich Voraussetzung für die ermutigende Arbeit mit Menschen. Die „ordentlichen“ Mitglieder haben sich verpflichtet, ihre Arbeit zu reflektieren, Menschen zu begleiten und zu ermutigen statt sie zu manipulieren. Gemeinsam  ergründen sie mit den Coachees deren Potenziale,  deren Talente. Sie respektieren Entscheidungen. Auf Deutsch: Counselor stellen sich als liebevoller und kritischer Spiegel zur Verfügung, stellen Fragen, die der Ratsuchende selbst  nicht hat oder sich selbst nicht stellen kann oder mag. Mit dem Counseling lernen Ratsuchende einen anderen, auch versöhnlichen Blick auf die Welt – wenn sie wollen.

Was ich mich immer wieder frage: Müssen Werte immer was Gutes sein? Könnten die, die uns unbewusst treiben, auch einfach solche sein, mit denen wir uns nicht anfreunden wollen, die wir nicht mögen, oder sie gar verurteilen? Kennen wir unsere eigenen wirklich? Und sind sie, was meine Arbeit betrifft, nicht genau so wichtig für die journalistische wie für die beratende Tätigkeit?

„Wie kommen die Werte in die Welt?“

Am 4. November treffen sich  die Berater zur Jubiläumstagung des BVPPT  und reflektieren gemeinsam die Frage. Coaches, Therapeuten und Menschen, die für ihre beraterische oder psychologische Arbeit ein Dach haben oder finden wollen, sind ebenso herzlich eingeladen.

 Wie kommen die Werte in die Welt?“  Counseling – Co – Creationen

 Prof. Jörg Fengler führt durch die Tagung mit vielen spannenden Beiträgen und Workshops.

Den Tagungflyer mit dem ausführlichen Programm gibt es hier.

 Immerhin bin ich jetzt schon 20 Jahre dabei. Eine lange Zeit –  finde ich. Mal mehr, mal weniger. Alles hat seine Zeit.

Wer auch immer sich inspiriert fühlt, schaue mal in das Programm, melde sich gar an und freue sich auf drei spannende Tage in Schleiden.

Werte: Mit scheint  es das Wichtigste, die eigenen zu kennen und damit die des eigenen (kleinen oder größeren) Universums.  Es freue sich also jeder über Spiegel in seinem Leben! 🙂

~ von Ulla Keienburg - 14. Juli 2012.

11 Antworten to “Wie kommen die Werte in die Welt?”

  1. Reblogged this on Ulla Keienburg s Blog.

  2. Ich würde Werte so verorten wollen, als daß sie -auch eingedenk des Einstiegs in den ersten beiden Absätzen- das primäre „Ziel“ haben (sollen), etwas Verbindendes (sowohl im soziologischen, als auch im kulturellen, als auch im psychologischen Sinne [Bewusstsein/Unterbewusstsein]) zu (er)schaffen, zu bilden, zu festigen. Dass man diese Verbindungen, wie Du erklärend ausführst, dann „manipulativ“ oder auch einseitig für (hauptsächlich) monetäre Interessen verwenden kann, ist sicher richtig, aber steht für mich auf einem anderen Blatt.

    Primärer scheint mir der Mechanismus des Bildens von Kontexten, die das soziale Wesen Mensch sich zum Leben (er)schafft, derartig zu sein, als dass man sagen könnte, je mehr Verbindendes ein Wert zu (er)schaffen vermag, je nachhaltiger wird er bestehen können und auch Zeiten überstehen können, da das Verbindende sich sowohl im Bewusstsein, als auch im Unterbewusstsein verankert haben könnten. Ich würde so „weit“ gehen, als dass ich tlw. auch Werte synonym mit Ideen setzen würde, die, wenn wir an Planton denken, dann auch ontologisch nicht mehr „greifbar“ wären, was durchaus Sinn macht, denn wenn wir z.B. von humanistischen Werten reden, dann dürfte dies jeder anders reflektieren, aber die IDEE des Humanismus, der gilt es -wer es denn mag- doch eine „Avance“ zu machen bzw. sie versuchen, zu verwirklichen usw…

    Diese kleine Anmerkung mal als „Beitrag“ von mir…

    Grüße,
    arso

    • Danke für Deine ausführlichen Gedanken dazu… bin ganz bei Dir… setze zudem das Bedürfnis der Menschen nach „Greifbarem“ und die damit verbundene Verführbarkeit in den Blick. Du sprichst zu Recht das Unbewusste, das Mächhtigste und am meisten unterschätzeste (m.E.) an… Sich dem eigenen zu nähern und damit auch Respekt vor dem kollektiven zu „schaffen“ wäre ein wunderbarer Schritt. Und setzte Kräfte frei, selbst etwas zu schaffen und nicht nur von anderen zu erwarten, dass sie etwas „änderten“. Ein „endloses“ Thema – gottseidank. LG

      • Nun möchte ich mich doch noch ein zweites Mal zu diesem Themenfeld zu Wort melden, da mir gestern noch etwas einfiel, was ich zwar heute zunächst schon wieder vergessen hatte, aber als ich Deinen (Antwort)Kommentar las, wieder da war. Zudem hab ich noch einen weiteren Aspekt, der mir dazu im Kopf herumschwirrte…

        Ja, ich denke auch, oder sagen wir besser, ich bin davon durchaus überzeugt, dass das Unterbewusstsein in der Frage nach den Werten eine zentrale Rolle spielt. Der Dreh- und Angelpunkt hierbei ist m.E. der Selbstwert eines Menschen, denn erst auf diesem aufbauend vermag er m.E. überhaupt (befruchtend) zu verinnerlichen, dass andere Werte für ihn und seine Lebensumwelt durchaus etwas sein können, was eine sagen wir mal Entwicklung bedeutet; denn es wäre m.E. ebenso falsch, wenn man immer nur sagen würde, dass Werte nur „Zwänge“ oder „Normatives“ darstellen. Das können sie im Einzelfall natürlich spiegeln, aber sie müssen nicht das Primat hierauf legen; dass dem wiederum bei einigen Zeitgenossen so ist, steht mal wieder auf einem anderen Blatt. Das sprengt dann aber wirklich den Rahmen, wenn wir das auch noch „groß“ thematisieren. Zurück zum Selbstwert.

        Was mir gestern hierbei durch den Kopf ging, war, dass ich daran dachte, dass man ja häufiger, gerade auch in psychologischen Kontexten von Selbstwertgefühl spricht. Man sagt oft, dass man Menschen dabei helfen wolle, dass diese ihr Selbstwertgefühl wieder steigern müss(t)en. Sowohl Psychologen tun dies, wenn sie jemandem „bescheinigen“, er/sie hätte ein „minderes“ Selbstwertgefühl, als auch Freunde/Familienangehörige tun dies ja, indem sie dem anderen zu verstehen geben, dass dem so ist. Was ich hier besonders spannend finde, ist, dass sich ja hier 3 Dinge treffen, in dieser „Beschreibung“:

        Erstens das SELBST – ein gigantisches Feld; kann man kaum fassen,
        Zweitens der WERT – hier sind wir beim Kern seines Wesens,
        Drittens das GEFÜHL – Affekte des Seins also; vage in ihrer Disposition

        Wenn wir nun daran arbeiten (mit jemandem), dass dieser sein Selbstwertgefühl steigern soll, dann ist dies ja in Stenge auch ein heikles Unterfangen, denn den Part „GEFÜHL“ können wir kaum beeinflussen – wie will man diese „steuern“? Kann man sie überhaupt steuern? Eine philosophische Frage. Besser wäre es von daher wohl, nur davon zu sprechen, dass man (als ein mögliches Ziel) nur den SELBSTWERT steigern sollte; das ist für mich schon ein kleiner, nicht unwesentlicher Unterschied. Und selbst wenn man mal das Extrem annimmt, dass jemand über keinen SELBSTWERT verfügen mag (nach dessen „Auskunft“), dann wissen wir ja, dass das (sein) SELBST trotzdem einen Wert hat… Und hier sind wir dann m.E. schnell beim Zusammenspiel Bewusstsein/Unterbewusstsein…

        Ein weiterer Aspekt soll noch erwähnt werden: Wenn wir an die Beschreibung „wertkonservativ“ denken, dann haben wir ja mind. 2 Möglichkeiten (es gibt natürlich weitere) diese zu deuten:

        Erstens könnte man es so verorten, als dass jemand konservativ, also bewahrend in bestimmten Werten ist und dass dieser jemand damit (oftmals) dem Gleichen eine Avance macht – vielleicht lebenslang;

        Zweitens könnte man es so verorten, als dass jemand konservativ in dem Sinne ist, als dass er NUR auf WERTE AN SICH „besteht“; soll heißen, er hat kein Primat auf bestimmte, determinierende Werte, sondern, er möchte nur, dass die WERTE der Orientierung dienen. In diesem Sinne ist er hier bewahrend, also konservativ.

        usw, usw…
        Eben ein riesiges, immer wieder aktuelles Themenfeld…

  3. Reblogged this on Blog des Germanys next Bundeskabinetts und kommentierte:
    Ein genuines Thema für Germanys next Bundeskabinett. Danke, liebe Ulla Keienburg!

  4. […] https://ullakeienburg.wordpress.com/2012/07/14/wie-kommen-die-werte-in-die-welt/ Bewerten:Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt.   […]

  5. Ach wie schade, da bin ich in Urlaub. Wirst du darüber schreiben , Ulla? Oder gibt es Videoaufzeichnungen?

  6. »Immerhin hat jemand ihnen das Denken abgenommen«… das könnte der Schlüssel zur Antwort auf die Eingangsfrage sein;-)

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