Sachen gibt`s! Farbmandala für Moskau

Mich die Wetter der letzten Tage einfach nicht so erheitert wie die Funde an denselben. 🙂

Da ich mir nicht erklären konnte, warum in der einen Straße die Bordsteinkanten grün- gelb – in dem anderen schwarz -weiß gestrichen sind, wieso das eine Haus pinkfarbene Fensterrahmen, das nächste baugleiche türkise bekommt, wieso überhaupt solchen Farben an Bau und Landschaft verbrochen – sorry- verwendet werden, habe ich mal ein wenig recherchiert.

Und tatsächlich: Es hat System! In der Fachzeitschrift der Maler und Gipser in der Schweiz  „applica 7/2005“ wurde ich fündig! Danke!

Farbpolitik in Moskau

«Das farbige Gesicht der Stadt»: Das russische Mandala zeigt die Farbelemente auf, deren abgestimmtes Zusammenspiel zu einer Harmonisierung des Stadtbildes führt.

Text Verena M. Schindler
Bilder Farbenzentrum Moskau

„Farboperationen im städtischen Gewebe entspringen keineswegs einer spontanen Idee. Der Architekturprofessor Andrei Efimov leistete dafür die Vorarbeit und stellte die farbtheoretischen und praxisorientierten Grundlagen bereit. Er hat nicht nur Bücher über Farbe im Stadtraum geschrieben und internationale Farbkongresse organisiert, sondern auch seit Ende der 1970er-Jahre seine Methode der Farbanwendung in Architektur und Städtebau in Moskau, Jaroslavl, Irkutsk, Surgut, Jalte und anderen Städten praktisch umgesetzt. Unter seiner Leitung sind beispielsweise ganze Strassenzüge von Moskaus Altstadt renoviert worden, so 1978 die berühmte Arbat-Strasse. Um die Farben identifizieren zu können, hat er mit dem Natural Colour System (NCS) gearbeitet.
Obwohl die Architekturprofessorin Tatiana S. Semenova, Direktorin des 2001 gegründeten Farbenzentrums (The City Colour Centre), seine Schülerin in Sachen Farbe war und in seine Fussstapfen trat, hat sich das politische Klima stark geändert. Mit der Einführung des Kapitalismus und der zunehmenden Kommerzialisierung der Lebens- und Bauwelt nach dem Zerfall der Sowjetunion steht Semenova neuen marktwir tschaftlichen Bauentwicklungen gegenüber. Geplante Farbpolitik «Kohärente Planung urbaner Landschaft » ist etwa die Übersetzung eines neuen Paragrafen, der dem Neuen Generalplan 2020 hinzugefügt wurde, just 1997, im Jahr des 850-Jahr-Jubiläums der Stadt Moskau. Neu wurden darin drei Bereiche aufgeführt, die einen bedeutenden Einfluss auf ein harmonisches Stadtbild haben: die Farbigkeit der Architektur, die Beleuchtung und die Landschaftsarchitektur. Damit wird die Farbgestaltung von Architektur nicht dem Zufall überlassen, sondern ist eine reglementierte Komponente der städtebaulichen Konzeption. Die Einführung Russlands Hauptstadt hat ein «Zentrum für die Farbe der Stadt». Im Jahr 2001 von Moskaus Stadtkomitee für Architektur und Städtebau gegründet, stellt das Farbenzentrum den so genannten «Pass» aus, um eine Politik der urbanen Farbigkeit im historischen Zentrum wie auch in den neuen Aussenquartieren durchzusetzen. Ist Moskaus Farbpolitik eine russische Antwort auf die rücksichtslos expandierende neukapitalistische Baupolitik in der postsowjetischen Ära? Die Direktorin Prof. Dr. Tatiana S. Semenova sprach kürzlich in Paris im Rahmen einer Veranstaltung der Farbvereinigung ad chroma über Zielsetzungen und Strategien des Farbenzentrums in Moskau.“ ….weiterlesen

Ob allerdings die Sprayer sich an dieses Farbmandala halten? Ich werde weiterhin die Augen auf halten.

 

~ von ullakeienburg - 10. Mai 2012.

8 Antworten to “Sachen gibt`s! Farbmandala für Moskau”

  1. […] Es ist wieder soweit. Die Bordsteinkanten werden neu gestrichen, da gelb grün, hier schwarz rot. Auf den Straßen werden Abdeckplatten gelb lackiert, Bäume bis auf 60 cm weiß gestrichen ( gegen Ungeziefer) – wenn nicht gerade Schnee fällt, haben die Lackierer hier momentan Hochkunjunktur. Schon vor zwei Jahren haben mich Farbwahl und Anordnung verwundert. Und was selbst viele Moskaviter nicht wissen: Hier in Moskau hat das System! Hier mehr dazu: ->  Sachen gibt`s! Farbmandala für Moskau. […]

  2. […] Farbpolitik in Moskau. Bild: Farbenzentrum Moskau via Ulla Keienburg’s Blog […]

  3. Reblogged this on Germanys next Kabinettsküche und kommentierte:
    Eine wunderbare Germanys next Sommerpostkarte, die uns Ulla Keienburg aus Moskau schickt …

  4. Boah!

  5. Lieben Dank. Renate, es ist wirklich spannend,was für Fragen aufkommen, wnn ich durch diese Stadt laufe. Und die Antworten sind mitunter so einträglich….Learning by asking. 🙂

  6. Reblogged this on Ministerium für Reiseangelegenheiten.

    • Ui! Ich bin total begeistert! Das habe ich ausgesprochen gerne gelesen, liebe Ulla. „… sowjetischer Konstruktivismus; und postsowjetische Postmoderne“ sind wohl die zentralen Stichworte und für meine Kunstseele ein reine Freude. Danke danke danke für diesen tollen Blogbeitrag.

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