Gewohnheiten und andere Unerträglichkeiten

gibran intelligenz

„Die menschliche Intelligenz hat sich an das schwache Kerzenlicht gewöhnt und erträgt es nicht mehr, in das Licht der Sonne zu blicken.“  Khalil Gibran

Ich befasse mich mal wieder mit einem Interview zum Thema: Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Diesmal geht es um Familien, die nicht „einfach nur“ Kinder haben, sondern sich der Herausforderung stellen, die Bedürfnisse der Familie durch ein schwerstpflegebedürftiges Kind „mitzubedenken,  zu händeln, zu verwalten, zu organisieren“.

Bei  der Lektüre der gegebenen Antworten packte mich die Frage: Wieso klingt das alles so moderat, fast unbeteiligt, wenn „Betroffene“ beschreiben, wie sie das mehr oder weniger erfolgreich stemmen? Fast wirkt es, als seien „sie gut erzogen“ und wollten niemanden behelligen mit den emtionalen Wirkungen eines solchen Lebens.

Es gibt sicher viele Erklärungen.

Doch in dem Lied: Beifahrer der Belanglosigkeit ist für mich am treffendsten formuliert, was Menschen so aushalten, wie sie einander „schonen“ , etc.

„Ein schneller Händedruck ein Gruss sag locker: CU
He did it his way and thats the way we do
Ein Blick, der nichts bedeutet, ein Kaffee noch Stehn
Man schickt ein leeres Lächeln im Vorüber gehn

Um die Augen unterdrückt noch ein Muskel, eine Regung
Wir müssen wieder weiter bleiben immer in Bewegung
Ein paar junge starke Krieger stehn versprengt am Horizont
Und sehnen sich vergeblich nach einer klaren Front

Denn ein bisschen Selbstentfaltung, partielle Selbstgestaltung
Ist doch unser gutes Recht auf menschlich-artgerechte Haltung
Auch wenn die eigne Sehnsucht aus dem Herzen emigriert
Nein, ich hab keine Zweifel ich bin super motiviert.
Wir sind Beifahrer der Belanglosigkeit
für den Hunger unserer Seelen gibts kein Brot mehr
Wir sind innerlich steril,
doch unser Zustand bleibt stabil
Es gibt kein Ziel bei diesem Spiel
und wir erwarten auch nicht viel
Denn wir sind Beifahrer der Belanglosigkeit
Und rollen vorwärts, als ob alles im Lot wär
Nur unsere Liebe ist unsre letzte Notwehr
Was sollen wir bekämpfen, und was noch kritisiern
Kritik ist oft auch nur ein Weg um Verantwortung zu delegiern
Lass die Unersättlichen nach ihren Perlen tauchen
Wir haben doch im Grunde alles, alles was wir brauchen
Ein bisschen Sehnsucht zum verpfänden und ein paar Taten an den Händen
Die schmutzig machen
Auf dem Dach erhängte Klagen und ein paar verdrängte Fragen
Die stutzig machen
Ne Handvoll Treibsand fürs Getriebe und ein halbes Kilo Liebe
zum selber Mischen
ein Stück Mut mit Schweissschutzbrille und ne Packung freier Wille
zum Arschauswischen
Wir sind Beifahrer der Belanglosigkeit
für den Hunger unserer Seelen gibts kein Brot mehr
Wir sind innerlich steril,
doch unser Zustand bleibt stabil
Es gibt kein Ziel bei diesem Spiel
und wir erwarten auch nicht viel
Denn wir sind Beifahrer der Belanglosigkeit
Und rollen vorwärts, als ob alles im Lot wär
Nur unsere Liebe ist unsre letzte Notwehr
Unsre Vorsicht ist das letzte bisschen Rest von unsrem Spürsinn
Ich signalisier, dass ich eventuell „dafür bin
Wenn wir das „wohin ungenauer definiern
Schliesslich will man sich doch nicht durch Bedingungen blockiern!
Selbst ein guter alter Freund, der im Strom der Jahre abtreibt
Ist doch nichts als ein Betrag, den man von der Steuer abschreibt
Ja, wir waren einmal eng, und die Erinnerung ist schön
Aber irgendwann muss jeder wieder seine Wege gehen

Denn das ist unser Los.
Und das ist unsere kleine Zeit.
Und wir haben eben Angst vor jeglicher Verbindlichkeit
Wenn ich eine Gruppe wär, dann würde ich was schrein
Doch in meinem Pass steht: „Du bist ganz allein
Wir sind Beifahrer der Belanglosigkeit
für den Hunger unserer Seelen gibts kein Brot mehr
Wir sind innerlich steril,
doch unser Zustand bleibt stabil
Es gibt kein Ziel bei diesem Spiel
und wir erwarten auch nicht viel
Denn wir sind Beifahrer der Belanglosigkeit
Und rollen vorwärts, als ob alles im Lot wär
Nur unsere Liebe ist unsre letzte Notwehr.“

Ratlos liebe ich einfach weiter – und schaue weiter mutig ins Licht der Sonne.

~ von Ulla Keienburg - 2. Dezember 2013.

19 Antworten to “Gewohnheiten und andere Unerträglichkeiten”

  1. Vielleicht wäre es ja eine Idee zu manchen Fragen einen Blogbeitrag zu verfassen. Lust hätte ich dazu , mal sehen:)

  2. Hab es gerad überflogen, betreue für eine Stunde mein krankes Kind und gehe dann wieder zur Arbeit. Besonders auf den Fragebogen freue ich mich LG Xeniana

  3. gerne 🙂

  4. Danke!

  5. https://ullakeienburg.wordpress.com/2011/03/07/beobachtete-bewegung-bewegte-beobachtung-grundsatzliche-uberlegungen/

    vielleicht findest du hier etwas über meine haltung zum Thema Bildungseinrichtungen udn Bildungspersonal 🙂

  6. Schön:)Ich finde das sehr interessant, weil die richtige Schulwahl immer ein großes Thema ist. Hast du nicht Lust darüber mal einen Blogbeitrag zu schreiben? LG Xeniana

  7. Mein Sohn hat eine zunächst eine Waldorfschule besucht – Lernbehindertenschule – mmmmhh. Die er nach einem Jahr „verlassen“. Er war ihnen zu bewegt, und ich war ihnen zu anstrengend. Dann hat er zwei Förderschulen (GB) besucht. Das Theater erspare ich gern dem geneigten Leser. Wir haben es beide überlebt 🙂 wenn auch nicht ohne Blessuren. Durch meine Professionen war ich den Lehrern stets ein Dorn im Auge 🙂 Meinem Sohn geht es heute gut!

  8. Die intensivsten Begegnungen hatte ich meist mit den heilpädagogischen Kindern, gerade weil das Menschsein da oft ganz unverstellt da ist und ich bin aus jeder Begegnung reicher herausgegangen. Das ist das eine. Ich stehe auf der anderen seite der Isolation der familien ratlos gegenüber. Vor einigen Jahren hatte ich ein Pflegekind das ADHS mitbrachte, es war sehr interessant wie sich der Freundeskreis veränderte.Ich kann das schwer verstehen. Ich bin praktisch inklusiv groß geworden , meine Mutter war Sonderschullehrerin.Auch für unsere Kinder ist „Behinderung“ normal. Sie haben keinerlei Berührungsprobleme. Ich hoffe das das so bleibt-

  9. Leider. Kinder haben meiner Meinung nach nämlich kein Problem mit dem „Anderen“ und die Scheu wird meist erst aufgehoben, wenn Begegnung stattfinden kann.In welche schule(Schulart) ist dein sohn denn gegangen?

  10. Solange mein Sohn in Kindergarten ging, war alles gut. Erst mit Eintritt in die Schule wurde es dann phasenweise unterirdisch. Die Scheu wird immer größer – leider, sicher auch , weil der Wert eines Menschen immer weniger der Mensch selbst ist. Leider.

  11. Weiß nicht…ich erlebe ehr Scheu…Ich arbeite in einem Kinderladen, da erlebe ich schon auch viel Positives. Inklusion in der schule ist in Deutschland ja ein Sparmodell, das ist ärgerlich…

  12. Zu allen drei Kommentaren kann ich Dir nur sagen: Es ist nicht besser geworden, seit es Inklusion heißt 🙂 Die Bedenken werden größer, weil jeder um das eigene Heil fürchtet. #nachdenklichbisärgerlich

  13. Noch ein Nachtrag zu meinem ersten Kommentar, da hatte ich das Lied tatsächlich ehr auf mich bezogen

  14. Ja, ich erlebe gerade in der Integration die ja nun Inklusion heißt oft Berührungsängste von beiden Seiten.

  15. Ich meinem Beruf habe ich über die Jahre einige Eltern mit schwerst mehrfach behinderten Kindern kennengelernt. Ich habe oft bewundert wie die Eltern ihr Schicksal annehmen und damit umgehen. Gerade in einer
    Welt in der Rentabilität vor allem steht, führten mir diese Familien ganz andere Werte vor Augen. In meiner täglichen Arbeit erlebe ich das ähnlich. Isolation ist trotzdem Thema…..

  16. iwr ersparen zu vielen die gedanken und gefühle, die mit einem solchen leben verbunden sind, nur damit wir nicht „außen“ vor sind….. mir geht es zumindest oft so, dass ich andere mit meinem innenleben verschone…. besser ist das… sagt der norddeutsche dazu. #erfahrungswerte

  17. nein, ich bin mir sicher das es nicht richtig ist und ichversuche für mich das auch anders zu händeln, einfach ist es nicht

  18. genau so ist das….. nur nicht hinhören, nur nicht denken….. nur niemanden inder folge mit den gedanken belasten…… ob das so richtig ist?

  19. Mehrmals gehört, immer noch Gänsehaut, lieber nicht mehr hören sonst fängt man an nachzudenken…Danke!

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