Kurze Sätze

ulla ankunstalbany
„Autoren sollten stehend an einem Pult schreiben. Dann würden ihnen ganz von selbst kurze Sätze einfallen.“ Ernest Hemingway

 

Der Blick von unten

Mir fällt zu all der Gewalt weltweit nur noch Herr Bonhoeffer ein.
Wie viele mögen sich wohl daran erinnern, wie es „von unten“ in Zeiten des Krieges und der Zeit danach ausgesehen hat?
Ich vermute, dass jede und jeder seinen oder ihren persönlichen Kriegsschauplatz hat – und dass der immer dann aufpoppt, wenn sich gerade in gefühlt naher Umgebung Gewalt ereignet. Das ist menschlich.

Moscow(c) ulla keienburg 2012Der Blick von unten

Es bleibt ein Erlebnis von unvergleichlichem Wert, daß
wir die großen Ereignisse der Weltgeschichte einmal von
unten, aus der Perspektive der Ausgeschalteten, Beargwöhnten,
Schlechtbehandelten, Machtlosen, Unterdrückten und Verhöhnten,
kurz der Leidenden, sehen gelernt haben. Wenn nur
in dieser Zeit nicht Bitterkeit oder Neid das Herz zerfressen hat,
daß wir Großes und Kleines, Glück und Unglück, Stärke und
Schwäche mit neuen Augen ansehen, daß unser Blick für
Größe, Menschlichkeit, Recht und Barmherzigkeit klarer,
freier, unbestechlicher geworden ist, ja, daß das persönliche
Leiden ein tauglicherer Schlüssel, ein fruchtbareres Prinzip zur
betrachtenden und tätigen Erschließung der Welt ist als persönliches
Glück. Es kommt nur darauf an, daß diese Perspektive
von unten nicht zur Parteinahme für die ewig Unzufriedenen
wird, sondern daß wir aus einer höheren Zufriedenheit, die
eigentlich jenseits von unten und oben begründet ist, dem
Leben in allen seinen Dimensionen gerecht werden, und es so
bejahen.
Dietrich Bonhoeffer
Quelle:
Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 38 f

Liebeserklärung an den Norden

All die Gründe, den Norden zu lieben.

Danke Mona Harry! .-)

„… dass Wind auch nur Himmel ist, der sich Hautkontakt traut.“

WIR?

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„WIR sagen und ICH meinen, ist eine von den ausgesuchtesten Kränkungen.“ *Theodor Adorno

Vor der eigenen Tür

vor der eigenen tür
„Vor der eigenen Tür fegen und innere Ruhe erübrigen all das Weltverbesserungsgetue.“ © Peter Henatsch (*1943), Dipl.-Ingenieur

Note to myself: Dummheit ist gefährlich!

Das hätte ich nicht vergessen dürfen! Vielleicht war es auch nur verdrängt! JETZT merke ich mir das wieder!

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Dietrich Bonhoeffer
Von der Dummheit

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch – und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich. Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anläßlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, daß die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als daß unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen. Wir beobachten weiterhin, daß abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung neigende oder verurteilte Menschen und Menschengruppen. So scheint die Dummheit vielleicht weniger ein psychologisches als ein soziologisches Problem zu sein. Sie ist eine besondere Form der Einwirkung geschichtlicher Umstände auf den Menschen, eine psychologische Begleiterscheinung bestimmter äußerer Verhältnisse. Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. Der Vorgang ist dabei nicht der, daß bestimmte – also etwa intellektuelle – Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern daß unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt wird und daß dieser nun – mehr oder weniger unbewußt – darauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden. Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Mißbrauchs. Dadurch werden Menschen für immer zugrunde gerichtet werden können. Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, daß nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen. In dieser Sachlage wird es übrigens auch begründet sein, daß wir uns unter solchen Umständen vergeblich darum bemühen, zu wissen, was »das Volk« eigentlich denkt, und warum diese Frage für den verantwortlich Denkenden und Handelnden zugleich so überflüssig ist – immer nur unter den gegebenen Umständen. Das Wort der Bibel, daß die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei (Psalm 111, 10), sagt, daß die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist. Übrigens haben diese Gedanken über die Dummheit doch dies Tröstliche für sich, daß sie ganz und gar nicht zulassen, die Mehrzahl der Menschen unter allen Umständen für dumm zu halten. Es wird wirklich darauf ankommen, ob Machthaber sich mehr von der Dummheit oder von der inneren Selbständigkeit und Klugheit der Menschen versprechen.
Quelle: Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hrsg. von E. Bethge. TB Siebenstern. Gütersloh 1985. S. 14 f.

gefunden bei  http://www.cleansed.de/dummheit.php

Innehalten

wenn der vorhang fällt
Immer, wenn ich mitten im Alltag innehalte und gewahr werde, wie viel mir geschenkt ist, werden die zahllosen Selbstverständlichkeiten zu einer Quelle des Glücks. Gustave Flaubert

Das genügt!

Keine Sorgen TurmLieber Mensch,

Du hast es alles falsch verstanden!

Du bist nicht hier, damit dir bedingungslose Liebe gelingt.

Die ist dort, woher du kommst und wohin du gehen wirst.

Du bist hier, um menschliche Liebe zu lernen.

Allumfassende Liebe. Schmuddelige Liebe. Schwitzige Liebe.

Verrückte Liebe. Gebrochene Liebe. Ungeteilte Liebe.

Wahre Liebe kommst ohne Adjektive aus. Sie braucht keine Bestimmungen.

Sie braucht keine perfekten Umstände.

Sie bittet dich nur, dass du kommst. Und dein Bestes gibst.

Dass Du leuchtest und fliegst und lachst und weinst und verwundest und heilst

und wieder aufstehst und spielst und machst

und tust und lebst und stirbst

als unverwechselbares DU.

Das genügt. Und das ist viel.

Courtney a. Walsh

Sur Reality

sur reality
„Fast alles lässt sich erklären, fast alles verstehen. Das bedeutet aber nicht, dass ich alles aushalten kann oder muss.“ Ulla Keienburg

 

 

Guten Tag aus Jamaica. Draußen kreischt die Sonne. Das Boot ist fast leer. Ich widme mich Dingen, die leider nicht warten wollen. Formalkram. Rechtskram. Denkt die Sachbearbeiterin eigentlich, dass ich mehr beeindruckt bin, wenn sie mit „Direktorin des LVR“ unterschreibt? Oder dass ich 24/7 parat stehe, um auf ihre Anordnungen und Bescheide zu reagieren? Bin gespannt, was es für Konsequenzen hat, wenn mein vorläüfiger Widerspruch beim LVR als Fax von der AIDAluna aus der Karibik eingeht. 🙂 Könnte ja auch lustig werden. Ohnmachtsgefühle sind schmerzlich – und bei aller Kopfarbeit und Vernunft – solche Vorgehen verursachen einfach Infraschallschreie. Nicht zynisch zu werden, ist eine große Herausforderung. Drückt mir mal die Daumen!

Abschuss

Schon erhebend, nur sieben Meilen von der Abschussrampe entfernt gewesen zu sein.

rakete cape 2
Cape Caneveral 2015
rakete cape
Cape Canaveral 2015

A last one

Ladybug
„Even if something is left undone, everyone must take time to sit still and watch the leaves turn.“ —Elizabeth Lawrence

Deadline

deadline
„The hardest part of writing is the first draft, and the closer you get to your deadline, the messier your workspace becomes – but that’s the same with any creative outlet.“ Tess Gerritsen

Antworten oder Fragen?

fragen
„Ob ein Mensch klug ist, erkennt man an seinen Antworten. Ob ein Mensch weise ist, erkennt man an seinen Fragen.“ Nagib Mahfuz

Der Schrei: Weitere Version entdeckt

munchs schrei created by woodpeckers
„Der Schrei“ copied by woodpeckers.

Lonely (K)Nights

lonely knights
„Das poetische Talent ist dem Bauern so gut gegeben wie dem Ritter. Es kommt nur darauf an, daß jeder seinen Zustand ergreife und ihn nach Würden behandle.“ Johann Wolfgang von Goethe

Vorgefühlt – Herbst am Boden

vorgefühlt
„Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.“ Astrid Lindgren

Kraft

ordentlich druck
„Kraft macht keinen Lärm, sie ist da und wirkt.“ Albert Schweitzer

Asche aus dem Automaten

ash only
„Man wird in der Regel keinen Freund dadurch verlieren, dass man ihm ein Darlehen abschlägt, aber sehr leicht dadurch, dass man es ihm gibt.“ Arthur Schopenhauer

Die Sonne im Nacken

die sonne im nacken
„Du musst nur langsam genug gehen, um immer in der Sonne zu bleiben.“ (Der kleine Prinz) Antoine de Saint-Exupéry