Mitten durch die Wirklichkeit

„I am seeking for the bridge which leans from the visible to the invisible through reality.“ Max Beckmann „Ich bin auf der Suche nach der Brücke, die vom Sichtbaren zum Unsichtbaren durch die Wirklichkeit führt.“

Der Drang

Gestern hatte ich einen für mich vor allem emotional extrem anstrengenden Tag. Auf einem meiner Wege fand ich dieses Schild. Geklebt auf einen Altpapiercontainer.

Kluge Entscheidung! Dachte ich so bei mir – es an einem Ort zu platzieren, an dem sich regelmäßig Menschen einfinden, die gerade damit befasst sind aufzuräumen. Ihr Dachstübchen, ihren Keller, vielleicht sogar ihr Leben. An Empfehlungen zwecks dieser Art der Selbstoptimierung mangelt es ja momentan nicht wirklich. Egal wo. Und nachmittags sandte mir dann jemand, der mich sehr gut kennt, den Link zu folgendem Beitrag der Minimalisten. Volltreffer! 🙂 Zumindest bei mir! 🙂

Der Drang, andere zu überzeugen, ist überwältigend.
Oberflächlich betrachtet erscheint es tugendhaft, zu helfen,
zu instruieren, zu coachen, zu führen, zu motivieren.

Ratschläge zu erteilen, erweckt den Eindruck von Erhabenheit,
als ob wir die Pflicht hätten, die Misere der Welt zu mildern,
Menschen zu helfen, die auf dem „falschen“ Weg sind,
Menschen in die „richtige“ Richtung zu weisen.

Wir sind alle Zwischenhändler inmitten einer Selbsthilfe-Epidemie.

Schauen Sie nur mal in die sozialen Medien.
Experten, die über Nacht Ratschläge verkünden:
Du solltest früh aufstehen.
Du solltest das nicht essen.
Du solltest Veränderungen annehmen.
Du sollst nicht ängstlich werden.
Du solltest deine Gewohnheiten ändern.
Du solltest keine Socken mit Sandalen tragen.
(Okay, vielleicht haben sie mit dem letzten Punkt recht.)

Aber in Wirklichkeit gibt es kein „sollte“.
Das gab es noch nie.
Und ohne diese Sandburg aus „sollte“.
beginnen alle Ratschläge im Wind zu zerbröseln.

Jedes Mal, wenn wir jemandem einen Rat geben,
mag es sich so anfühlen, als käme es von einem Ort der Liebe,
aber in Wirklichkeit ist es das Ego, das sagt.
Ich weiß, was das Beste für dich ist.

Die Implikation davon ist beunruhigend:
Ich habe recht, du hast unrecht,
und wenn du dich mir unterordnest,
werde ich dich in Ordnung bringen.

Wie kann das liebevoll sein?

Es gibt kein größeres Ego als das des Helfers.
Der hilfsbereite Mensch kann einfach nicht anders.
Er fühlt sich verpflichtet, einen Adler vom Himmel zu holen, um ihn vor dem Absturz zu retten,
einen Delfin ans Ufer zu zerren, um ihn vor dem Ertrinken zu retten.

Das ist das Gegenteil von hilfsbereit.
Ich weiß das, weil ich es schon tausendmal getan habe.
Und das tut mir leid – tausendmal.

Meine erste Versuchung ist es, das alles ungeschehen zu machen.
Jede Ermahnung, Empfehlung, Anregung und Meinung.
Alles aus den letzten 39 Jahren.

Aber wir können nicht neu beginnen, indem wir die Vergangenheit auslöschen.
Wir können uns nur im ewigen Jetzt nach vorne bewegen.

Vielleicht habe ich eine Allergie gegen Ratschläge entwickelt.
weil das Erteilen von Ratschlägen nur das Ego füttert.

Das Ego ist keine „schlechte“ Sache.
Genauso wie Feuer nicht „gut“ oder „schlecht“ ist.
Es kann dich wärmen; es kann dich verbrennen.

Der Wunsch, zu helfen, ist auch nicht gut oder schlecht.
Er entsteht aus unzähligen Gründen,
die alle zum Ego gehören.
Und das Ego zu stärken ist ein todsicherer Weg, den Frieden zu verringern.

Ratschläge zu erteilen bedeutet, sich selbst auf ein Podest zu stellen,
einen Sockel, auf dem kein aufrichtiger Mensch ruht –
Es erfordert, dass wir auf andere herabschauen,
was eine verabscheuungswürdige Position für jeden Menschen bedeutet.

Ratschläge? Nein!
Ich will Dir nicht helfen;
Ich will Dir auch nicht nicht helfen.
Ich möchte Dich lieben.

Liebe erfordert, die Wahrheit zu sagen
unabhängig davon zu sein, ob es jemandem „hilft“.

Wenn es hilft, ist das in Ordnung.
Wenn nicht, ist das auch in Ordnung.
Die Annahme ist Sache des Empfängers.

Die Wahrheit wird durch ehrliche Beobachtung offenbart,
durch Suche und Gewahrsein,
durch eine Erforschung von Widersprüchen
und durch ein tieferes Verständnis der Art und Weise, wie Dinge sind.

Um es klar zu sagen: Dies ist keine Empfehlung.
Ich denke nicht, dass Du irgendetwas tun „solltest“.
Ich vertrete in diesem Text nicht meinen „Standpunkt“.
Ich dränge Dich auch nicht dazu, meine „Botschaft“ zu verstehen.
Ich hoffe nicht, dass ich Dich von irgendetwas überzeugen kann.

In dem Moment, in dem wir versuchen, jemanden zu überzeugen, haben wir den Sinn verloren.

Überzeugen, beeinflussen, sich beweisen…
das sind alles Stränge, die denselben Schirm spannen.

Die Wahrheit erfordert keine Überzeugungsarbeit, kein Zureden, keinen Zwang –
sie ist die Wahrheit, ob man überzeugt ist oder nicht.

So wie die Liebe.

By Joshua Fields Millburn

https://www.theminimalists.com/convince/

Nicht erst einmal habe ich mich mit anderen ausgetauscht über meine Reaktionen auf Imperative, Ratschläge, Aufforderungen. Die „Sie sollten!“ „Du musst!“ Problemlösungsempfehlungen. Die „Ich weiß, was für Dich gut ist!“ Angebote. Laut werde ich deshalb nicht, aber zurückhaltend. Ich beobachte mich. Spüre, was mich sauer macht, was mich rührt, was mich aufbringt, was mich erheitert oder amüsiert, was mich befriedet. Wann ich mich „genötigt“ fühle, zu raten, zu helfen, einzuspringen, zu erledigen. Wann ich selbst gern Hilfe hätte. Begleitung. Obhut. Fürsorge. Was mich das Fürchten lehrt. Was mich erleichtert. Was mich erschrickt. Was mich zurückweichen lässt. Was mich antreibt. Eines ist klar: Wenn ich Rat, Empfehlungen oder Hilfe will – bitte ich darum.

Im letzten Jahr habe ich mich viel im Netz getummelt. Dass es kein Ersatz für die echte Begegnung ist, war klar. In den letzten drei Monaten war es für meine Verhältnisse viel. Zu viel sogar. Neben sehr wertvollen Begegnungen bin ich auch erneut damit konfrontiert, wie viel Zeit ich für mich brauche. Für mich allein. Und wie schnell ich das Gefühl entwickle, mich abgrenzen zu müssen. Besonders im Netz. Mein Leben lang war/ ist es mein oberstes Gebot, mich nicht zu verraten, mich nicht zu verstellen, mich nicht zu unterwerfen. Und mich nicht zum Handlanger machen zu lassen. Und das werde ich auch im Netz nicht tun! Das erfordert neben Wachsein und Aufmerksamkeit auch eine Menge Humor. Und Geduld – mit mir selbst. Und mit meinen eigenen inneren Reaktionen auf die Einlassungen anderer. Diese Reaktionen positiv zu nutzen – DAS ist mein Auftrag an mich selbst. 🙂

Thank you for talking about TRUTH – dear Minimalists!!!! I am deeply touched. https://www.theminimalists.com/convince/

Eine der Aufforderungen, die ich richtig gut haben kann, ist eine musikalische dieser Art! Danke an Felix Meyer!

Simple

IMG_20200416_130254-01.jpeg
„Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer.“
Aristoteles

Geduld

vierter advent

 

Die Zeit läuft

IMG_20181008_220309_217.jpg
„Geduld bedeutet nicht, einen Pakt mit dem Teufel der Verleugnung zu schließen und unsere Emotionen und Wünsche zu ignorieren. Es bedeutet, sich von ganzem Herzen an dem Prozess zu beteiligen, der sich gerade entfaltet, anstatt eine knospende Blume aufzureißen oder eine Raupe aufzufordern, sich zu beeilen, das Puppenstadium zu bewältigen.“ Sharon Salzberg

Alles hat seine Zeit. 🙂

 

Gezähmt

20180623_160919-01.jpeg
„Geduld ist gezähmte Leidenschaft.“
Lyman Abbott

Weit, weit weg von hier

alaska 2
„Wir gehen mit dieser Welt um, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum.“
Jane Fonda

Heute ist ein Tag, an dem mir mal wieder mehr als ein Licht aufgeht. Nicht nur die Sonne, die vom Himmel strahlt.  Eine Freundin schenkte mir ein starkes Bild zum Thema Geduld. „Denk immer dran“, schrieb sie, „die meisten Ausbruchsversuche aus dem Gefängnis finden kurz vor Ende der Haftzeit statt.“ Erinnerungen sind wunderbare Fluchtpunkte, wenn die Geduld nicht so will, wie sie soll.   🙂 Also wenigstens in Gedanken: Auf nach Alaska.  🙂

 

Zeichen

20171216_144451-01.jpeg
©
„Jedes Werden in der Natur, im Menschen, in der Liebe muss abwarten, geduldig sein, bis seine Zeit zum Blühen kommt. “ Dietrich Bonhoeffer

Schmunzeln über Schwermut Forrest

wp-1504698905819.jpg
„Wenn die Wellen über mir zusammenschlagen, tauche ich tiefer, um nach Perlen zu suchen.“ Mascha Kaleko

Jaja, das mit dem Ältersein ist so eine Sache. Etwas gelasssener zu werden, hat man mir versprochen, sei ein Effekt.  Na dann…..  Ach ja, und geduldiger. Aber darauf werde ich wohl geduldig warten müssen.   🙂

Ansnsten: Es lebe der Vorteil des Unabwendbaren. 🙂

DAS Schiff meiner Träume

20160618_183903

Ich muss ganz offensichtlich mal eine paar Filme sehen, um noch mehr über das Schiff zu erfahren, weswegen ich die ganze Kreuzfahrerei angefangen habe. 🙂 Seit ich 21 Jahre alt bin, träume ich davon, auf diesem Schiff zu arbeiten. Bislang sind alle Bemühungen fehlgeschlagen.

Es hat schon mal den Anruf gegeben: Guten Tag, hier ist Seacloud Cruises“ Das war 2012. Ich bin zusammen gezuckt. Meine Abmachung mit mir stand auch da schon: Sollte ich je auf dem Schiff gearbeitet haben, höre ich mit dem Cruisen auf. 🙂 Es sei denn, es gibt noch unwiderstehliche Angebote. Sie wollten mich für das Flussschiff „rivercloud 2“. Das war meine erste Reise auf der Donau. Ein Traum! Und ich musste noch nicht aufhören.  🙂

Jetzt bin ich einfach geduldig. Und atme tief durch, wenn ich daran denke. Drückt mir mal die Daumen.Vielleicht hilft das.

 

http://www.fernsehserien.de/die-sieben-leben-der-sea-cloud/spoiler-vorschau

Geduld

dontgiveup
„Ich glaube, dass die Ungeduld, mit der man seinem Ziele zueilt, die Klippe ist, an der oft gerade die besten Menschen scheitern.“ J.C.Friedrich Hölderlin

Workshop

image

Diese Momente, wenn ganz klar wird: Geduld ist nicht mein Hobby!!!!

Humor

treppe
„Humor ist nicht erlernbar. Neben Geist und Witz setzt er vor allem ein großes Maß an Herzensgüte voraus, an Geduld, Nachsicht und Menschenliebe.“ Curt Goetz

Mitunter

hambnurg hafen nacht
„Geduld ist eine gute Eigenschaft. Aber nicht, wenn es um die Beseitigung von Missständen geht.“ Margaret Thatcher

Fenster mit Aussicht – Durchgeschleust

schleuse
Eine Flussschiffreise mit der River Cloud II von Nürnberg nach Budapest bedeutet auch: Viele Höhenunterschiede, die zu bewältigen sind. Da helfen Schleusen.
Die Aussichten aus dem Kabinenfenster auf Wasserlinienhöhe können einen dann schon zur Geduld nötigen. 🙂

In der Nacht vom 29.6. – 30.6.2013 habe ich mal länger aus dem Fenster geschaut.

Musik: Joe Löhrmann   http://www.mytravelingpiano.com/
Bilder : Copyright Ulla Keienburg, Hamburg, 2013

Er ist wieder da…

Bild

Vor genau zwei Monaten hatte meine Ipod sich auf Reisen begeben. In einem Zug habe ich ihn verloren, liegen lassen, dachte ich. Lange habe ich gesucht. Angeschrieben, wer ihn hätte finden können, angerufen, bei wem ich mich auf der Reise aufgehalten habe, zu Hause, wider besseren Wissens, alles auf den Kopf gestellt. Hatte schon begonnen, an mir selbst zu zweifeln. Eine lange Reise mit langen Flügen ohne die mir vertraute Quatschmaschine habe ich überlebt. Bis heute ringe ich mit mir, ob ich mir etwas Neues anschaffen soll. Eines war sicher: Einen neuen Ipod werde ich nicht kaufen. Alternativen? Ich werde es sehen.

Als ich dann letzte Woche in Deutschland ankam, habe ich entschieden, endgültig abzulassen von der Idee, dass er noch mal auftauchen könnte. Da soll noch mal jemand sagen, ich sei nicht geduldig. 🙂

Am Samstag Morgen fand ich folgende Nachricht hier auf dem Blog.

„Dein Ipod ist bei mir, melde Dich“  Ich war aufgeregt, versuchte die Frau zu finden, die mir das geschrieben hat. Plötzlich erklärte sich mir eine Freundschaftsanfrage bei Facebook, die ich nicht beantwortet hatte, weil ich sie nicht zuordnen konnte. Auch wenn der Nachname anders war als der, der sich in der Mailadresse fand, ging ich das Risiko ein, die Anfrage zu bestätigen. Und : In der beigefügten Nachricht fand ich eine Telefonnummer. Langer Rede kurzer Sinn: Der Ipod ist wieder bei mir. Sie hatte ihn gefunden, mit allem Zubehör, trocken ( bei den Wettern der letzten zwei Monate ungewöhnlich), neben einer Mülltonne, im Eingang eines Hauses, zehn Hausnummern entfernt von dem, in dem ich wohne.

Es lebe Facebook, Bloggen, das Netz. Mal ab davon, dass ich schon viele Menschen dank des Netzes wieder gefunden habe. Dass mein Ipod wieder zu mir finden könnte – damit hatte ich nicht gerettet. Das Warten hat sich gelohnt. 🙂

Danke Alma!   🙂

Aufwindige Angelegenheiten

ulla beim groundhandling 2001
Almunecar 2001 Ulla beim Groundhandling

Ich suchte ein paar Tage lang nach meinem Ipod – vergeblich, wie sich herausstellte.

Gefunden habe ich aber andere Relikte – aus „alten“ Zeiten. Die unnützen habe ich entsorgt,  mit den anderen betrieb ich ein wenig Vergangenheitsbewältigung. Ich fand eine CD mit pixeligen Fotos aus dem Jahre 2001 – den Zeiten, in denen ich noch per Gleitschirm abzuheben versuchte und heile zu landen. Ein letztes Foto gemeinsam mit meinem Fluglehrer Davor, der sich kurz darauf ins Koma flog. Erschütternde Erinnerungen. Und auch gute. Immerhin habe ich die Sonderpilotenlizenz „gemacht“. Ich habe Gegenden Afrikas von oben gesehen, habe Casteluccio, Almunecar und Norma erkundet, Ramsau, Planai, Dachstein und Bregenz. Das Flugbuch besitze ich  noch.  An meinem Geburtstag 2005 genoss ich in vollen Zügen den schönsten Flug meines Lebens- in Iten, Kenia an der Abbruchkante des Rift Valley. Fluglehrer Elmar nahm mich, auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin, via Funkverbindung „an die Hand“. Mein Spitzname: „Sprich mit mir!“ Warum?  Mein 13. Flug während der Ausbildung war ein Disaster. Endete auf dem Dach des Rechtsanwalts von Schladming. Ich heile – aber schwer geschockt – war „Opfer“ eines ungenau eingstellten Funkgerätes, das den Kontakt (nur) auf den Abstand von 50 m (fünfzig) zwischen den Funkgeräten gewährleistete. Bis wir das herausgefunden hatten, gab es eine Menge Streit. Als Kindergartenkind in Sachen Freiflug nicht optimal – um es mal nett zu sagen.  Ich bin trotzdem wieder gestartet –  habe aber nie die Leichtigkeit zurück bekommen, mit  der ich angefangen hatte.

Es erfüllte mich schon mit Stolz, den vielen Leinen Frau geworden zu sein. Nach dem ersten Abheben am Übungshang der Flugschule Ramsau  glaubte ich zu wissen, wie Sucht entsteht. Unvergesslich: die unendlichen Stunden, in denen ich mich mit Wetterkunde, Geräte – und Flugtechnik befasste, die Prüfungen. Dank an Anna, Franz, Karen, Erwin, Peter, den fliegenden Pizzabäcker, Josie, und vielen Anderen der Flugschule Aufwind.  Auch an Ralf, der wirkte, als habe man ihn schon mit dem Gleitschirm  gewickelt und der heute eine eigene Fluschule betreibt:(Airstetik). Auch an all die Menschen, mit denen ich zusammen lernte, übte, fluchte, nach Wind suchte oder vor zu viel desselben flüchtete. Geduld und Demut lernte ich in der Zeit noch ausführlicher, als ich es je gewollt hätte. Und meine Schweinehunde haben seither Namen. 🙂  Während der ersten Woche – wir schleppten die Schirme und Gurtzeug zu Fuß den Berg hoch – trug ich gern das T- Shirt mit der Aufschrift: „What am I doing here?“  Das Ziel: der erste Freiflug. Den musste ich mir, wie alle anderen, hart erschleppen.

Einer meiner Lieblingssongs aus der Zeit 😉

Mit diesem ersten Freiflug wusste ich, was mich dort in der Luft erwartet, unter dem Schirm, in meinem Gurtzeug. Eine neue Stille, begleitet von Geräuschen des Windes, der durch die Leinen pfiff, ab und zu eine Anweisung durch den Kopfhörer, das Piepen des Höhenmessers, der sicht – und hörbar auf dem Knie befestigt war. Ansonsten war ich mit mir allein, wach, aufmerksam, neugierig. Nicht nur einmal habe ich in die Innenpolster meines Helms geweint wegen des überwältigenden Gefühls, das mich ereilte: tief gerührt und stolz. Wie eine Belohnung für all die Anstrengungen zuvor. Die Anspannung stieg mit der Vorbereitung auf die Landung.Oder wenn der Wind dich nicht einfach so hinabließ. Fühlen konnte ich auch die Bedeutung des Wortes Aufwind: Ansporn, Aufschwung, Ermutigung, Mut, Schwung, Antrieb, Auftrieb – alles Begriffe, die als Synonyme für „Aufwind“ genutzt werden.

Die Entscheidung, nach dem schönsten Flug meines Lebens wieder zu starten, nahm mir meine Gesundheit ab. Ich hänge doch mehr an meinem Leben als am Schirm. Fast vier Jahre hat der nova- x- act auf meinem Dachhboden gelegen, und immer wieder kam die Frage auf: Vielleicht doch noch mal…? NEIN. Stand dann 2009 fest. Prompt erinnerte ich mich daran, dass Greenpeace den gebrauchen könnte. Es dauerte nicht lange, bis einer vor der Tür stand und die Spende hoch erfreut entgegen zu nehmen. Der Abschied tat weh, war es ja nicht nur der Schirm sondern ging einher mit der Einsicht, dass ich für dieses Unterfangen nicht (mehr) geschaffen bin. Was einst als wirklich heilend begonnen hatte (ich hatte mit dem ersten Mitflug eine posttraumatische Schlaflosigkeit nach meinem Autounfall überwunden), entpuppte sich am Ende als zu wenig für mich einschätzbaren (wenn auch mitunter positiver) Stress. Mein Körper bescherte mir als Reaktion auf solchen 2005 auch Fluguntauglichkeit. Tja… Auf meinem Lebensabschnittsgefährt Volvo klebt noch immer das Reklameschild für die Flugschule Aufwind, kaum mehr sichtbar für andere – aber für mich immer noch eine Erinnerung an die Zeit, in der ich gefühlt über mich hinausgewachsen bin.

Pict2269
Ulla – Waiting for the Wind , Casteluccio 2003

Gleitschirmfliegen ist toll – und ich kann es jedem raten, der seine Grenzen mal anders austesten will oder eine ausgiebige Nachhilfestunden in Sachen Demut und Geduld braucht. 🙂 Mir half es auch, den Begriff „Freiheit“ für mich neu zu definieren. 🙂

Heute morgen habe ich mir noch mal einen Filme und Fotos von den Paraglidingreisen angesehen. Ich bin ordentlich herum gekommen, habe unfassbar beeindruckende Natur erlebt und gesehen. Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dort jemals hinzukommen. Geschweige denn, dass ich von ihnen gewusst hätte.

Die Neugier auf die Ferne ist geblieben. Inzwischen folge ich ihr per Schiff und Flugzeug, per Metro oder Auto, per Trolley – oder Überlandbus, Bahn oder zu Fuß. Und ich habe so immer mindestens eine Hand frei – für meine Kamera.

Weihnachten – Anfang und Ende

Frohe Weihnachten 2012
Frohe Weihnachten 2012

„Warum reisen wir? Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein für allemal; damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei – Es ist ohnehin schon wenig genug.“ Max Frisch, Tagebuch 1946-1949; Frankfurt: Suhrkamp 1950)(

Zwischen Spitzbergen und Ushuaia, Bangkok und San Diego, Hamburg und Moskau  begegnete mir viel, stellte und stelle ich mich Herausforderungen, nutze Chancen, finde Begegnung und Dialog.

Ich danke allen, denen ich im letzten Jahr begegnen, durfte, konnte, sollte, musste, wollte. Für einmalige Eindrücke, Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Neugier, Zutrauen, Dialog, Begleitung, Beratung, Neues, Wertvolles, Einzigartiges, Aufträge,  Nachfragen, Erledigtes, Erfragtes, Gesprochenes, Gelesenes, Gesehenes, Erledigtes… Für Bilder und Worte, Herausforderungen und Ruhe, für Visa und Hilfe, Umarmungen und  Rückendeckung, konstruktive Kritik und Kooperation ….

und wünsche allen, die das hier erreicht:

Ein gutes und entspanntes Weihnachtsfest und einen erfolgreichen Jahreswechsel. Für 2013 wünsche ich den Mut zum Unterwegssein und die Chuzpe, das Leben als das zu nehmen, was es ist: ein Abenteuer!

Herzlichst

Ulla

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie oft denn (noch)?

Mark Twain
Mark Twain

Wie oft  sollten wir Sätze, Fragen, Formulierungen, Termini, Predigten, Nachrichten,  Anliegen, Kritik oder was auch immer wiederholen,  wenn wir wollen, dass uns die, an die sie gerichtet sind, noch, wieder, trotzdem oder gerade deswegen zuhören und sich etwas davon annehmen?

Ich habe selbst keine Ahnung – nur weiß ich sicher, wann ich selbst genervt bin von solchen, wann ich selbst abschalte  – und im übertragenen Sinne à la Mark Twain nur 10 Cent zück(t)e.

Gebetsmühlenartig?

Gezielt aber selten?

Viel hilft viel?

Habt ihr noch Ideen, Wege oder Unterlassungsvorschläge?

 

Danke!

Hoffnung kann was

Nachdem ich heute schon den ganzen Tag „brand eins“ höre und lese, muss ich schmunzeln. Am meisten beeindruckt hat mich tatsächlich bisher der Leitartikel von Wolf Lotter über Hoffnung, Chancen, Wiederholungen und Geduld.

Die Schlüsse, die Wolf Lotter aus den „Wiederholungen“ zieht, die Art, diese mit dem gesellschaftlichen Leben in Verbindung zu bringen, berührt mich.

Zu Wiederholungen anderer Art hat Mark Twain eine aufschlussreiche Geschichte geschrieben:

Mark Twain
Mark Twain

Ein Hoch auf alle Chancen, die sich ergeben, wenn sich Unerledigtes zeigt. (Vielleicht ja auch manchmal in Form von 10 Cent Stücken) 🙂

 

Danke!

 GEDULD

„… und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind.  Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines Tages in die Antwort hinein.“

Rainer Maria Rilke aus Briefe an einen jungen Dichter.

GEDULD GEDULD

%d Bloggern gefällt das: