„Fragen sind immer der Mühe wert, Antworten nicht immer.“
Oscar Wilde
Erkenntnis: Fragen will gekonnt sein!
Als Kinder konnten wir das gut. Mit Eintritt in die Schule wird das heute systematisch verdrängt zugunsten der Antworten, die als messbare und testbare Inhalte für Bildung gehalten werden.
Seht zu, dass die Kinder das Fragen nicht verlernen! Bitte! Sonst haben wir irgendwann eine Horde von Menschen, die nur noch die Fragen kennen: „Was wollen Sie hören?“ oder „Was soll ich denn hier machen?“
Ich sage hiermit DANKE an eine reiches Jahr 2013 – an all die Menschen, mit denen ich näher zusammen gerückt bin, mit denen ich erleben, diskutieren, ihnen zuhören, Filme sehen, Alltag erleben, für die ich schreiben, entwickeln und beraten, mit denen ich streiten, lernen und wachsen konnte. Danke an die, mit denen ich in diesem Jahr zusammen gewohnt habe, mit denen ich (noch immer) Zeit, Spaß und tiefe Gespräche habe und unzählige Liter Tee verputzte. Danke an die, mit denen ich Wände gestrichen, die mir die Augen geöffnet, die mich versorgt haben. Danke für die Flügel, unter die ich jederzeit schlüpfen darf, an die, die immer einen Kaffee und oder ein Ohr für mich haben, Himbeeren mit Basilikum Drinks, für unzählige Bänke auf der ganzen Welt, auf denen ich ausruhen konnte, für Spaziergänge und Metrofahrten, für neue Musik(er), Einblicke in andere Kulturen, neue und bewährte Kunst auf Bühnen und an Wänden, für all die „Followers“ meines Blogs – einfach für all das NEUE neben dem, was sich eh schon an Guten und Gutem in meinem Leben tummelt.
Danke für Eure Liebe, Euren Rat, Eure Treue, Eure Neugier, Euren Respekt, Eure Freundschaft, Euer Ver- und Zutrauen.
Mit den Worten der überaus von mir geschätzten Mascha Kaléko wünsche ich Euch:
Möge 2014 so gelingen!
Sozusagen grundlos vergnügt
Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit. Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit, Wenn Heckenrosen und Holunder blühen. Dass Amseln flöten und dass Immen brummen. Dass rote Luftballons ins Blaue steigen. Dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen.
Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht Und dass die Sonne täglich neu aufgeht. Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter, Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter, Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn. Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn! Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn. Ich freue mich vor allem, dass ich bin.
In mir ist alles aufgeräumt und heiter; Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt. An solchen Tagen erklettert man die Leiter, Die von der Erde in den Himmel führt. Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben, – Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben. Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne Und an das Wunder nie gewöhne. Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu! Ich freu mich, dass ich … Dass ich mich freu.
Zu dem Stichwort „ZWISCHEN“ habe ich mal in meinem Archiv gewühlt.
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Familie hat nicht nur Zukunft. Familie hat vor allem Vergangenheit – mehrere Vergangenheiten gleich. Unweigerlich bekommen die Beteiligten das bei einer Neugründung zu spüren. Nicht nur, dass sie sich aus steuerlichen oder romantischen Gründen für das staatlich und subventionierte und damit kontrollierte Unterfangen entscheiden. Nein, in ihrer GEGENWART werden sie auch von den eigenen Biografien kontrolliert und gesteuert. Nicht wirklich haben sie „Vater und Mutter verlassen, um dem anderen anzuhangen.“ Gemäß dieser biblischen Denkweisen erklärte ich die meisten der Ehen, die ich kenne, für ungültig. 🙂
Aber genug der chistlichen Moral. Unsere eigene Biografie führt Regie für den Film unseres Lebens. Ich vermute: Je besser sie reflektiert ist, um so weniger Überraschendes bringt sie in den Beziehungsalltag für Paare und das Zusammenleben mit ihren Kindern.
Vor allem Politiker und Wirtschaftsmenschen beschwören die Familie. Sie wollen Konsumenten, Rentensicherer, vielleicht auch Arbeit für Niedriglohngruppen, Familienrechtler, Lehrer, Erziehungsexperten oder die Ratgeberbranche. Ich vermag das nicht mehr zu beurteilen, so sehrnervt mich das Thema inzwischen. oft, wie das Thema in den letzten Jahrzehnten wieder aufgelegt wurde wird.
Ich habe gar nichts gegen Gruppen von Menschen, die sich einander respektieren, sich zu tiefst schätzen, sich streiten und lieben, gemeinsam Kinder in die Welt setzen. UND sie als das schätzen und lieben, was sie eben sind. Kinder, Persönlichkeiten, eigen(sinnig)e Charaktere, für die niemand sich persönlich aufgeben muss, (vielleicht nur ein paar Hobbies), für die sie Verantwortung tragen, mit denen zusammen sie wachsen – nicht zusammenwachsen – und sie gedeihen lassen- wenn das auch manchmal schneller, langsamer oder vor allem anders geht, als Eltern sich das so für oder von ihrem Nachwuchs gedacht hatten.
Wenn ich allerdings sehe, wie viele Menschen ihren „Familienaufträgen“ aufsitzen, einander funktionalisieren, das Gegenüber – welchen Geschlechts auch immer- mit der Hauptrolle ihres ganz persönlichen Films betrauen, besetzen… Kinder NICHT ausgeschlossen… dann wird mir komisch.
Lasse ich meinen Verfolgungswahn sprechen, dann sagt der: Je mehr unglückliche Kinder, um so mehr wird konsumiert. Und je mehr Eltern dann noch unglücklich sind, dass ihre Kinder unglücklich sind, um so besser wird der Umsatz bei „Frust – und Entschuldigungskäufen“ angekurbelt, umso mehr Geld für Nachhilfe und Medikamente und Arztbesuche ausgegeben. Gruselige Vorstellung.
Kinder werden gelobt für aufgegessenes Essen, für den Haufen im Topf, für die trockene Windel, erst fürs Laufen und Worte sprechen, dann fürs Leiseein und Stillhalten.
Wenn ich mitunter Menschen gemeinsam mit (ihren) Kindern erlebe, dann frage ich mich :
Wer in diesem Konstrukt fühlt sich verantwortlich für was? Wer braucht wen für was? Wer tut eigentlich was von dem, was sie zeigen, gerne? Und was bedeutet ihnen das? Wen reitet eigentlich was, wenn sie sich so verhalten? Wer ist hier mit was glücklich?
Ich erinnere mich: Kinder sind der Spiegel des Innenlebens der Eltern und deren Beziehung zueinander. Der Kinder Verhalten ist sichtbare Wirkung des Aufeinandertreffens dieser elterlichern Biografien.
Und da diese „Symptome“ nicht immer gut auszuhalten sind, werden gerne mal Ärzte eingeschaltet. Sollten die Kinder dann schulpflichtig werden – und dann oben drauf noch die Wirkung der persönlichen Geschichte ihrer Lehrer in Kombi mit der Geschichte des Schulsystems ausbaden müssen, etc. kommen nicht selten noch Psychologischer Dienst und Therapeuten ins Spiel. Bei dieser Gemengelage verabreicht „man“ diesen Kindern auch „Ritalin“, stellt sie so ruhig, hebelt sie so aus, setzt sie so unter Druck, verdonnert sie so zum Funktionieren und zur Leistung. Zu dienen scheinen sie damit allem und allen – außer sich selbst – zumindest haben die Kinder dazu keine Zeit, keinen Raum, mitunter keinen Mut mehr.
Ich wünschte diesen Kindern, wie ihren Eltern mehr respektvolle Begegnung, echten Dialog (nicht als Dialog betitelte Monologe), gemeinsames Sich – schlau- machen, gemeinsames und ungehindertes Lernen. Ich wünsche den Kindern, dass sie gelernt haben, glücklich zu sein, wenn sie bei ihren Eltern ausziehen. Und den Eltern wünsche ich, dass sie ihnen vertrauen – und auch glücklich sind, dass die Kinder das gelernt haben.
Logan LaPlante hat dazu eine eigene Meinung – mir gefällt sie….
Und wenn es nicht ohne tradtionelle Schule geht: Deanna LeBlanc formuliert eindringlich, was sie MEHR von sich und dem Unterricht erwartet. Nicht umsonst wird sie Lehrerin des Jahres 2012 im Staate Nevada, US gewesen sein.
Was diese zwei erfahrenen Menschen zu sagen haben, rührt mich sehr. Vor allem: Sie sprechen über sich und das, was sie TUN. Sie kennen ihre Grenzen und suchen nach neuen Chancen. Der eine mit gefühlter Sicherheit in seiner Familie, die andere von außen für Kinder, die diese Sicherheit nicht kennen.
Beim Spaziergang erzählte eine Freundin folgendes Ereignis (mit der Ansage: Ulla, das ist wieder ein Geschichte für Dich!)
Eine ihr bekannte Zweijährige sei – laut Mutter – im Kindergarten einem „Check“ unterzogen worden. Das Ergebnis wurde in folgende Worte gehüllt: „Das wird aber mal Probleme in der Schule geben. Sie kann sich ganz schlecht unter- oder einordnen!“ Die beunruhigte Mutter war entsetzt – zum einen darüber, dass Kinder schon so früh getestet werden – zum Zweiten über die „Prognosen“, die auf der Basis dieser „Ergebnisse“ abgesondert wurden. Und sie befürchtet, diesem System nicht mehr zu entkommen.
Da hat die Freundin recht: DAS ist eine Geschichte für mich. Zum Aufregen, Unverständnis äußern. Mir an den Kopf fassen.
Just gestern hatte ich die Geschichte von Max Frisch aus „Stiller“ wieder herausgesucht. Passt ja – denke ich und lächele.
Du sollst dir kein Bildnis machen
„Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertigwerden; weil wir sie lieben, solang wir sie lieben. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, den man liebt – Nur die Liebe erträgt ihn so. Warum reisen wir? Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein für allemal, damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei – Es ist ohnehin schon wenig genug.
Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedes mal. Aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind – nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muss es sein. Wir können nicht mehr! Wir künden ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.
„Du bist nicht“, sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte, „wofür ich Dich gehalten habe.“ Und wofür hat man sich denn gehalten?
Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat. weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muss es sein. Wir können nicht mehr! Wir künden ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.
Man hat darauf hingewiesen, das Wunder jeder Prophetie erkläre sich teilweise schon daraus, dass das Künftige, wie es in den Worten eines Propheten erahnt scheint und als Bildnis entworfen wird, am Ende durch eben dieses Bildnis verursacht, vorbereitet, ermöglicht oder mindestens befördert worden ist -Unfug der Kartenleserei.
Urteile über unsere Handschrift. Orakel bei den alten Griechen. Wenn wir es so sehen, entkleiden wir die Prophetie wirklich ihres Wunders? Es bleibt noch immer das Wunder des Wortes, das Geschichte macht: – „Im Anfang war das Wort.“
Kassandra, die Ahnungsvolle, die scheinbar Warnende und nutzlos Warnende, ist sie immer ganz unschuldig an dem Unheil, das sie vorausklagt? Dessen Bildnis sie entwirft. Irgendeine fixe Meinung unsrer Freunde, unsrer Eltern, unsrer Erzieher, auch sie lastet auf manchem wie ein altes Orakel. Ein halbes Leben steht unter der heimlichen Frage: Erfüllt es sich oder erfüllt es sich nicht. Mindestens die Frage ist uns auf die Stirne gebrannt, und man wird ein Orakel nicht los, bis man es zur Erfüllung bringt. Dabei muss es sich durchaus nicht im geraden Sinn erfüllen; auch im Widerspruch zeigt sich der Einfluss, darin, dass man so nicht sein will, wie der andere uns einschätzt. Man wird das Gegenteil, aber man wird es durch den andern.
Eine Lehrerin sagte einmal zu meiner Mutter, niemals in ihrem Leben werde sie stricken lernen. Meine Mutter erzählte uns Ausspruch sehr oft; sie hat ihn nie vergessen, nie verziehen; sie ist eine leidenschaftliche und ungewöhnliche Strickerin geworden, und alle die Strümpfe und Mützen, die Handschuhe, die Pullover, die ich jemals bekommen habe, am Ende verdanke ich sie allein jenem ärgerlichen Orakel! …
In gewissem Grad sind wir wirklich das Wesen, das die andern in uns hineinsehen, Freunde wie Feinde. Und umgekehrt! Auch wir sind die Verfasser der andern; wir sind auf eine heimliche und unentrinnbare Weise verantwortlich für das Gesicht, das sie uns zeigen, verantwortlich nicht für ihre Anlage, aber für die Ausschöpfung dieser Anlage. Wir sind es, die dem Freunde, dessen Erstarrtsein uns bemüht, im Wege stehen, und zwar dadurch, dass unsere Meinung, er sei erstarrt, ein weiteres Glied in jener Kette ist, die ihn fesselt und langsam erwürgt. Wir wünschen ihm, dass er sich wandle, o ja, wir wünschen es ganzen Völkern!
Aber darum sind wir noch lange nicht bereit, unsere Vorstellung von ihnen aufzugeben. Wir selber sind die letzten, die sie verwandeln. Wir halten uns für den Spiegel und ahnen nur selten, wie sehr der andere seinerseits eben der Spiegel unsres erstarrten Menschenbildes ist, unser Erzeugnis, unser Opfer –. (……) (……)
Du sollst dir kein Bildnis machen, heißt es, von Gott. Es dürfte auch in diesem Sinne gelten: Gott als das Lebendige in jedem Menschen, das, was nicht erfassbar ist. Es ist eine Versündigung, die wir, so wie sie an uns begangen wird, fast ohne Unterlass wieder begehen – Ausgenommen wenn wir lieben.“
Pink, pink, pink sind all IHRE Geschenke. Kleine Mädchen von heute ordern: Fahrrad, Puppenhaus und Klamotte in PINK. Ich dachte ernsthaft, ich sei zynisch, als ich fragte, ob es Lego inzwischen auch in Pink gäbe…… das Netz klärte mich auf…… #grausam #emazipatorischeralbtraum
Alles rennt, alle hastet – nur die Dunkelheit legt sich in aller Ruhe auf die Welt – und weilt. So lange, bis wir fertig sind. Die Menschen werden gütig… manche… Wir reichten unseren Parkscheibe weiter. Die Dame fühlte sich weihnachtsbeschenkt. Den Wind, den das Wetter spendiert, nutz(t)en am Strand von Pelzerhaken die verrückten Kiter, Möwen, Schwan, Enten, Säger, Reiherente, Blässhühner und Kormorane prügeln sich um Brot, das Menschen aus Plastiktüten fischten und ihnen kredenzten. Es tröpfelt. Der Himmel – grau – kann sich nicht so recht entscheiden, was er uns zum heiligen Abend servieren soll. Wir werden es erleben.
Es ist still – NOCH! 🙂 Der Kamin bullert leise vor sich hin.
Es ist warm.
„Hier geht es nicht um „Teilhabe“…es geht nicht darum, dass Leute AUCH mitmachen dürfen, ihnen ein Platz zugewiesen wird, den sie auch nutzen dürfen. Es geht hier darum, wirklich aktiv miteinander zu komponieren.. und Kunst zu schaffen.“
Unterwegs war ich am Freitag, den 13.12.13
60 Stunden ohne Rechner. Hat was!
Wünsche Euch ein wunderbares Wochenende, Muße, der Zeit zu lauschen, Töne zu beobachten und Gelegenheiten, ganz analog MIT Menschen zu sein. 🙂
Laurie Anderson – Excellent Birds Lyrics
Songwriters: Gabriel, Peter / Anderson, Laurie
„excellent birds
flying birds
excellent birds
watch them fly, there they go
falling snow
excellent snow
here it comes, watch it fall
long words
excellent words
I can hear them now
this is the picture, this is the picture
this is the picture, this is the picture
I’m sitting by the window
watching the snow fall
I’m looking out
and I’m moving, turning in time
catching up. moving in
jump up! I can land on my feet. look out!
this is the picture, this is the picture
this is the picture, this is the picture
looking out. watching out
when I see the future I close my eyes
I can see it now
I see pictures of people, rising up
pictures of people, falling down
I see pictures of people
they’re standing on their heads. they’re ready
they’re looking out, look out!
they’re watching out, watch out!
they’re looking out, look out!
they’re watching out, watch out!
I see pictures of people
I see pictures of people“
Plötzlich ein Sorgenkind: Aus dem Leben einer aufmerksamkeitsgestörten Familie Anonyma
Schon mit den ersten Seiten des Buches war klar, das lege ich so schnell nicht aus der Hand. Tatsächlich zum Mitfühlen formuliert. So begleitete ich mal das „Sorgenkind“ Lenja, mal die Mutter selbst, mal die kleine Schwester und mal den Vater / Ehemann durch die Wirren der Unerträglichkeiten und badete mit ihnen vorübergehend in dem Meer der Demütigungen. Demütigungen, die nur entstehen, wenn Kinder (und deren Familie) als Symptomträger des Systems in den Diagnostik- und Reparaturapparat geschickt werden.
Das Buch lebt von Lenjas Unglück. Könnte man meinen. Ob aber Lenja nicht mit der Lehrerin klar kommt oder die Lehrerin nicht mit ihr, ob es doch eher die Mutter ist, die die Wirkung dieser toxischen Beziehung auf die Tochter nicht aushält und welche Rolle dem Vater zukommt, der sich nicht einbinden lässt in die Aktionen wider die Ohnmacht und die Teilhabe an Diagnosefindung und Therapieversuchen verweigert: Urteile zu dem Geschehen obliegen ganz allein dem Leser oder der Leserin. Sie ziehen in jedem Fall ein Ticket in ihr privates Kopfkino. Z.B. dann, wenn der kaum stillbare Wunsch deutlich wird, es möge doch bitte einen Schuldigen geben. Die Schule vielleicht oder die Ärzte, die Lehrer, die Erzieher, die Wirtschaft, der Lebensstil, die Gesellschaft oder wenigstens eine Krankheit (wie hier: ADS). Und wenn das Bedürfnis aufkommt, mindestens ein anerkannter Experte möge doch bitte die Entscheidungen der Leidtragenden gut heißen. Oder wenn die Macht der Verantwortung ungleich verteilt scheint, und jeder beteiligte Erwachsene versucht, sie an jemandem anderen zu delegieren.
Anonymas Ringen um die Antwort auf die Frage; „Um was geht es eigentlich?“ ist ein Dokument des Zeitgeistes, der Diagnostik- und Therapieindustrie, der Funktionalisierung von Kindern in Schule, Kindergärten und Familie, für die Haltung und auch oft die Orientierungslosigkeit der Erwachsenen im Umgang mit der individuellen Persönlichkeit der Kinder. Ich bin fasziniert von der Offenheit der Mutter, von ihrem Weg der Gegenwartsbewältigung ihrer Familie zwischen deren Vergangenheiten und Zukunft.
Eines sollte Anonyma heute sicher wissen: Lenja ist eindeutig das schwächste Glied in der Hierarchie von Staat, Schule, Medizin, Eltern, Kind. Wen das nicht zum Nachdenken anhält…
Aufschlussreich vor allem für in dem System befindliche Eltern, Lehrer, Erzieher, Ärzte, Therapeuten, etc…
Unbedingt lesen – und darin den Spiegel für die jeweils eigene Haltung (Geschichte) nicht übersehen.
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (23. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3421045747
ISBN-13: 978-3421045744
PS: Ich selbst weiß, wie gut das Schreiben tut. Wie viel habe ich im Laufe meines Lebens via Schreiben verarbeitet. So viel begriffen. Mit wie vielen Ereignissen und deren Wirkungen fand ich meinen Frieden via Schreiben. Ich wünsche Anonyma und Lenja, ihrer Schwester und dem Vater (und Mann), dass ein wenig Frieden eingekehrt ist – und alle (etwas mehr) die sein dürfen, die sie sind.
Ich liebe es, vorgelesen zu bekommen. Besonders von Menschen mit herzlichen, tiefen, schönen Stimmen. Wenn mir eine Stimme beosnders gut gefällt, entfleucht mir auch schon mal der Spruch: „Von dem ließe ich mir glatt das Telefonbuch vorlesen.“
Dass das auch auf Liebeslieder zutreffen könnte, darauf wäre ich nicht gekommen. Schöne Idee! Spricht für die Geliebte! Was für ein wunderbarer Song! Wenn ich den Oldman nicht hätte 🙂
Where is the Phonebook?
Editors The Phone Book Lyrics
I’m on watch here
So close your eyes and get some rest
I’m here to watch your heart
It’s been faulted from the start
I’m the rips in your chestI’m not an angel,
I never mean to make you cry
Jumping through my hoops
With dissension in the troops
And a smile insideWhat’s that over your shoulder?
Fear of getting older
Stay with me.Sing me a love song
From your heart or from the phone book
It doesn’t matter to me
I’m an apple, you’re the tree
I won’t fall when you shook
What’s that over your shoulder?
Fear of getting older
Stay with me.
It ends with a kiss
It ends with a tear
It ends with the lights up
Bathing our fear
Tell me nonsense
I don’t want to see
I saw the lightning cut through the last winter sky of the year
Heute bekam ich ( mal wieder) einen Gruß, der mich aufforderte, mich an Leute zu erinnern, die mir durch schlechte Zeiten geholfen haben, mit denen ich gerne Zeit verbringe, die mich positiv an meine Schulzeit denken lassen. Menschen, die mich berührt haben, die mein Leben veränderten, allein dadurch, dass ich sie, wie und wo auch immer, getroffen habe.
Who made a difference?
Thanx for giving, taking, caring and protecting hands!
Friedvolle Adventstage wünsche ich Euch. Viel Neugier, Güte, Gesundheit, Vertrauen, Respekt, Mut, sich überraschen zu lassen und immer eine Hand am Herzen!
Gestern kam das Thema nach kreativen Protestaktionen auf. Welch ein Zufall, dass ich heute gerade serviert bekomme, wie es auch anders und vor allem kreativ geht, als „nur wütend dagegen“ zu sein.
Thanx for that.
Veröffentlicht am 07.12.2013
This flash mob was put together by a collection of choirs in Iceland who, among so many others, are strongly objecting to the slaughtering of The Icelandic National Broadcasting Service(TV & Radio) in Iceland. EBU (European broadcasting union) felt compelled to write a strong letter to the head of the station, Páll Magnússon but there has been no public response yet (07/12/2014) to any of the many letters, news, blogs and demonstrations. To find out more, feel free to check out this page: (in Icelandic) http://okkarruv.blogspot.de/
Song: „Heyr himnasmiður“
Lyrics: Kolbeinn Tumason
Composer: Þorkell Sigurbjörnsson
Alte Geschichten machen neue Geschichten 🙂 Es gibt Phänomene, die nie vergehen. Meistens gut – manchmal zum eigenen Leidwesen. Es ist gut zu wissen, dass es Menschen und Orte gibt, an und mit denen das Gefühl „daheim“ aufkommt. Tagsüber gemeinsam der Nase nach gehen, schlendern, pausieren, sich von Xaver den Kopf frei wehen lassen, in der Wohnung auf glatten Holzböden mit Filzpantoffeln schlindern (und auch mal ausrutschen), den Muppets via Rechner bei der Performance von „Bohemian Rhapsody“ lauschen und in der Kneipe um die Ecke immer wieder mal David Bowie „Heroes“ hören.
Nichts geht über die Verbindung zu Frauen, die sich lange und sehr gut kennen und sich (manchmal auch trotzdem oder erst recht deswegen) lieben. 🙂
Heute kommt Besuch. Welch günstige Gelegenheit, mal wieder ein wenig andere Ordnung in die Stapel zu bringen, die sich da auf meinem Schreibtisch getürmt haben. Während ich Unterlagen aus den letzten Wochen studiere und lediglich zu entscheiden habe, welche ins Altpapier können und welche abgeheftet werden müssen, fällt mir der kleine rote Glasstein auf den Schoß. Rutschte aus den Unterlagen, die ich von der letzten Schiffsreise mitgebracht habe.
Ohne ihn hätte ich mich wohl nicht mehr so zügig an folgende dringliche bis wunderbare Sitaution erinnert: Wir liefen durch die 11 Ave in Mahattan, gen Norden. Es gab einfach nichts, was unserem Wunsch nach einem Kaffee genügt hätte. Als ich allerdings die Not verspürte, den Kaffee, den ich zuvor schon getrunken hatte, wieder loswerden zu müssen, wurde ich mutig. Ich stapfte einfach in das scheinbar teuerste Haus am Platze. Vorgesehen für Anzugträger und chanelös Veranlagte. Ich in Jeans und Turnschuhen, Windjacke und Schal um den Hals.
Die Kellner waren sehr erstaunt. Auf meine freundliche Anfrage, ob ihre „restrooms“ wohl mal nutzen dürfe, antwortete einer: „Normally it`s only for customers.“ Er hielt kurz inne, schaute sich um und fuhr fort. „But I see: You have a problem. So please!“ Er leitete mich dorthin. Und überließ mich dann aber meinem Schicksal. 🙂 He made my day!
Da ich dieses kleine Erlebnis nicht vergessen wollte, hob ich im Badraum einen kleinen roten Glasstein vom Boden auf. Und steckte ihn in meine Hosentasche.
Ich wünschte, ich wüsste den Namen des Restaurants noch. Gerne sagte ich auch ein vieltes Mal Danke.
Und: Diese Art Souveniers sind für mich wunderbare „Storyteller“. 🙂
I lost my innocence over intolerance
All the indignities heaped on the black man
We went to Church they all prayed for the white man
The cops and the preachers were most of ‚em in the clan
What’s a kid s’posed to think
When the adults are all such hypocrites impossibly smug
I have seen enough
I have seen enough of this
Had enough
Quite enough, I swear
The next generation, the Woodstock nation
A little bit flaky but no hesitation
Stop the war it wasn’t worth dyin‘ for
The paranoia of the cold warriors
Arrogant old men with domino theories
Fractured fairy tales tryin‘ to kill me
I’ve seen enough
I have seen enough of this
I have read enough
History to see right through this
You got outcast, upset people you never met
Locked in the basement
Hot wired to the net, isolated, infuriated
The punchline to the joke is how they are gonna smoke
Every last stuck up snob ever dissed them
Look in their eyes how could you miss them?
Ain’t you seen enough?
I have seen enough of this
I’ve had quite enough
Seen enough
[Incomprehensible]
We got dead eyed, dead drunk, dead stupid, cyberpunks
Fed up killer geeks, Gigabyte Meth freaks
Home alone in a world of their own
Up all night in the thick of the fight
Fantasy combat, veteran psychos
Removed from reality by silicone diodes
Seen enough
I have seen enough of this
Have you read enough
Son, you don’t know nothin‘ about it
You got power book potentates, pointedly obviate
Every opinion they have about anything
Even if they don’t know shit, stay in the limelight
Got your own website, got all the answers
Ain’t got a lick of sense
Practicing psychiatry without a license
Ain’t you seen enough
Had enough of this
I have had enough
Ain’t it bad enough for you yet
So, you got overfed talking heads on television
Ignoring the obvious with pained expressions
Ask the ones that sell the damn guns
By the truckload every day fast as they can make ‚em
What’s a kid s’posed to think
When the adults refuse all accountability when they fuck up
Ain’t you seen enough
Ain’t you had enough of this
Goddamn tired enough
Have we done enough about this?
I have seen enough
Ich fände es ganz gut, wenn Arbeit da wäre. Noch besser fände ich, wenn die Jugendlichen Spaß daran hätten, welche zu finden. Und noch idealer wäre, sie fänden eine, die ihnen Spaß machte UND mit der sie ihren Lebensunterhalt sichern könnten. Illusorisch?
Über die Bank(en) mag ich gerade gar nicht nachdenken. Zur aktuellen Lage der Recherchen gegen die und in den Bankhäusern haben die Netzfrauen sich ausgiebig geäußert. Danke dafür!
Kulturzeit(SRF): „Mitgefühl und Empathie sind Begriffe, welche die Debatten um die Zukunft der Menschheit bestimmen. «Ohne Empathie keine Demokratie», sagt Arno Gruen. Der grosse alte Mann der Psychoanalyse aus Zürich, ein unerbittlicher Zivilisationskritiker, rückt die Gefühle wieder ins Zentrum des Bewusstseins. Gerade ist Gruen 90 Jahre alt geworden und liefert mit seinem neuesten Buch «Dem Leben entfremdet» Sprengstoff für kaum noch hinterfragte Denkmuster. «Kulturplatz» über die politische Dimension des Mitgefühls.“
Das „Schweizer Radio und Fernsehen“ hat sich dem neuen Buch von Arno Gruen gewidmet – und ihm – und seiner Idee von Mitgefühl und Ungehorsam. Damit es nicht auf der Timeline bei Facebook verschwindet, packe ich es mal hier herein. Bin sehr dankbar für diesen Beitrag. Danke an die Sendeanstalt und an die Redakteure und an Arno Gruen natürlich:
Der Herr Gauß und die Normalverteilungskurve, Fehlerfortpflanzung und Der Kleine Gauß. Sicher hat jeder schon davon gehört. Am letzten Wochenende haben wir uns in Braunschweig getummelt. Als wir in das Zimmer kamen, in dem wir nach dem geselligen Abend unser Haupt in die Kissen legen wollten, begrüßte uns dieser Spruch an der Wand.
Mir gingen Kinder durch den Kopf, denen Lernschwierigkeiten aller Art unterstellt werden, weil sie die Ergebnisse nicht zufriedenstellend für andere „bringen“. Wie sollen sie Freude am Lernen haben, wenn sie nur an dem abgefragten Ergebnis und an dem geforderten Verhalten gemessen werden????
Wer Lust hat auf ein paar Fakten oder Anekdoten zu Carl Friedrich Gauß…. der/die stöbere bei wikipedia: Carl Friedrich Gauß.
Ein echter Fundus….. auch über den Umgang mit besonderen Menschen…. 🙂
Eine Antwort dazu hätte ich gern von Matthias Schranner persönlich gehabt. Zum zweiten Mal habe ich gestern versucht, ein Interview mit ihm zu bekommen.
Als ich ihn das erste Mal kurz vor der Wahl anfunkte, hatten wir schon einen Termin. Der aber fiel – verständlich – ins Wasser. Jeder mit großem Namen wollte den „Negotitation- Specialist“ zur anstehenden Wahl sprechen, hören oder fragen.
Nun dachte ich, es sei vielleicht angebracht, ihn noch mal um eine aktuelle Einschätzung zu den Verhandlungsweisen für die GroKo, wie die Große Koalition gern abgekürzt wird, zu bitten.
Ganz sicher, dass er auch momentan sicherlich sehr gefragt ist, stellte ich ihm im Vorfeld nur eine Frage, die Grundlage unseres Interviews hätte sein können. Der Wunsch dahinter: Einfach mal eine Äußerung, die nicht aus einem seiner Bücher zitiert werden muss.
Heute Nacht kam die Absage. Schade.
„Was hat eine Geiselnahme mit diesen Koalitionsverhandlungen gemeinsam?“
Ich warte ab, ob und wenn welche Antwort kommt. Seien wir gespannt.
Bis dahin allerdings kann ich seine Bücher nur als sehr lesenswert und ebenso sehr nützlich empfehlen.
Aus dem, was dort geschrieben steht, lassen sich Antworten auch ableiten.
Jedes Buch auf seine Weise, immer zur rechten Zeit erschienen – und sie scheinen nie zu veralten.
Der Verhandlungsführer wurde neu aufgelegt – ich vermute aus aktuellem Anlass – und in überabeiteter Fassung! Bin gespannt.
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Video: KulturzeitGespräch vom Montag, 25. November 2013
Geht so Politik?
Gespräch mit Matthias Schranner über die Große Koalition: Zu schleppend die Verhandlungen, zu vorsichtig die Koalitionäre – und über allem schwebt die Mitgliederbefragung in der SPD. Kann man so Politik machen, fragen wir Matthias Schranner.
Matthias Schranner war als Verhandlungsführer und Ausbilder im Ministerium des Inneren für Verhandlungen mit Geiselnehmern und Bankräubern verantwortlich. Heute unterstützt und begleitet er als Berater die UN, globale Unternehmen und politische Parteien. Gestern Abend war Matthias Schranner zu Gast bei 3sat Kulturzeit und sprach mit Cécile Schortmann über die aktuellen Koalitionsverhandlungen in Berlin:
Seine Empfehlungen begleiten mich schon sehr lange. Nur deshalb wage ich, seine Literatur zu empfehlen, ohne die Neuerscheinung bereits gelesen zu haben. Das letzte Buch „Faule Kompromisse“ hatte mich besonders im Hinblick auf die Wahlen „gepackt“.
Heute fragte ich in ihn gerne: „Die Große Koalition – Geiselnahme oder Fauler Kompromiss?“
Dass Dieter Hildebrandt sterben könnte, hatte ich verdrängt. Konnte gar nicht so recht reagieren. Nach einer ausgiebigen Schleppschaltung ist es dann auch bei mir gelandet. Auch er ist nun tot. Alle bekannten Zitate sind bereits erwähnt, gepostet und verarbeitet worden.
Gefühlt hat er mich mein ganzes Leben begleitet. Als ich geboren wurde, war er schon mit verschiedenen Programmen unterwegs. Von „Bette sich wer kann“ (1958) – bis „störsender.tv( seit 2012) : Von allem habe ich mitbekommen. Nicht, dass ich alles gesehen hätte – aber die Wirkung war spürbar. Er war doch immer da, mal lauter, mal leiser, mal wichtiger für mich, mal relevanter, aber einfach immer da. Er hat sich immer des Lebens bedient, vor allem des Lebens hinter den Kulissen. War immer spitzfindig, pingelig und hat Geschehnisse hochgerechnet. Oft auch abgrechnet – mit der Politik, der Gesellschaft, der Kirche. Das von ihm wird bleiben. Zumindest für mich. Schon eine Art Vaterfigur (für mich) – das kann ich nicht leugnen.
Leise sage ich DANKE an Dieter Hildebrandt. Ruhe in Frieden – oder – Misch den Himmel auf! 🙂
Dieser Moment, in dem ich eine Verbindung sehe, wo zunächst keine zu sein scheint. Es treibt mich: Diese Aufmerksamkeit, die einerseits als Unruhe andererseits als Interesse ausgelegt werden kann. Die nicht zu bändigende Neugier auf das Besondere im Alltag.
Wie oft entlasse ich mich selbst morgens in einen Tag, an dem ich nicht die geringste Lust verspüre zu fotografieren.
Dann stecke ich „nur meine Kleene“ ein. Vielleicht sollte ich ihr mal einen Namen geben. Im Laufe der ersten Schritte bereits verspüre ich, dass da etwas in mir nach Gelegenheiten sucht, zu bestätigen, dass ich doch die große Kamera hätte mitnehmen sollen. Sehr lustig. Und an solchen Tagen schaue ich anders auf Menschen, Geschehnisse, Situationen und Ereignisse. Und komme dann doch mit einigen lustigen, bemerkenswerten oder besonderen Dokumenten zurück. 🙂
Seit September ruht nun diese Aufnahme schon in meinem Archiv. Immer wieder kommt sie mir in den Sinn.
Die Sonne scheint auf meinen Arbeitsplatz. Mich beschäftigt die Auswahl der gesendeten Nachrichten der letzten zwei Tage. Dreimal Tagessschau gesehen – dreimal wurde sie aufgemacht mit der Katastrophe auf den Philipinen, dreimal abgschlossen mit der Info, dass irgendein Kunstgegenstand bei Sothebys für rekordverdächtig immenses Geld ersteigert wurde.
Könnte nicht Sothebys mal einen Kunstgegenstand versteigern und das komplette Geld für Rettungsmaßnahmen spenden?
Was liegt zwischen diesen dramatischen Ereignissen? Was ist mit den als mindestens so schlimm empfundenen Gegebenheiten hier in unseren Gefilden, in den kleineren Kontexten?
Als Beraterin weiß ich nur zu gut, dass die „großen“ Ereignisse als Symbol für einen eigenen Taifun und seine Wirkungen, eigene Kunst und eigene Konflikte stehen können. Die aus Ohnmacht resultierende Gefühlslage aus den persönlichen Angelegenheiten aber wird oft schamhaft nicht geäußert. Das erschöpft, macht krank und instabil. Wenn dann etwas in der Welt geschieht, was sich vergleichbar schrecklich anfühlt, kann endlich diesem Ärger oder Schmerz darüber Platz gemacht werden.
Ich erinnere mich gut daran, dass während des Prager Frühlings – und ich war gerade mal zehn Jahre alt- ich abends mit sehr viel Angst im Bett lag. Mein Vater kam zum obligaten „Gute Nacht“ und registrierte mit einem Blick, dass mich etwas umtrieb. In mir tobte die Angst vor dem damals propagierten „Feind“. „Ich habe Angst, dass die Russen mit den Panzern auch hierhin kommen!“ antwortete ich, als er mich nach meinem Kummer fragte. „Ach Ursula“ sagte er damals mit seiner tiefen Stimme. „WENN sie kommen, dann bleiben sie spätestens am Kamener Kreuz stecken!“
Ich kann heute selbst kaum glauben, dass mich das beruhigt hat. Aber ich glaube: Auch er hat Ohnmacht empfunden. Und er hat sich klug auf unser gemeinsames Wochenenderlebnis: „Wir stehen im Stau auf dem Weg zu den Verwandten“ bezogen – und mir damit die Ruhe für den Schlaf beschert. Während ich das so schreibe, frage ich mich: Was hätte er wohl zu mir gesagt, wenn ich ihm erzählt hätte von meiner inneren Unruhe über Taifun, Kunstdeals und NSA, Koalitionsverhandlungen, Umgang mit Vielfalt, Willkürentscheidungen und anderen Machtkämpfen in unseren Gesellschaften?
Staus und Verspätungen gäbe es genug, auf die er sich beziehen könnte. Weit mehr als am Schnittpunkt der A1 +A2.
Nicht mitunter zynisch zu werden finde ich gerade schwierig.
Einen effizienten und guten Tag wünsche ich Euch.
Uund immer einen Menschen, der Euch so gut kennt, dass er weiß, wie er euch beruhigen kann. 🙂
Gerade habe ich die Staumeldungen studiert – der Himmel ist verhangen mit grauen Wolken. Er weint auch mitunter bitterlich. Das Gepäck steht noch in der Wohnung – und ich mag nicht auf die Straße. Genau so wenig, wie ich vor korrekt 30 Jahren nicht im Krankenhaus bleiben wollte. Tja,… und dann kam doch alles anders.
Ich habe mich ja schon in den Vorjahren zu diesem Jahrestag ausführlich geäußert.
2012
2011
Heute wird er dann schon 30 Jahre alt – mein Sohn! WOW! Time is running!
Deshalb! Ich fahre dann mal los! Wir haben uns selten aufhalten lassen! Warum sollte das heute anders sein 🙂
Auf nach NRW! 🙂
Ich kann mich nur wiederholen:
Happy Birthday, Johannes! Danke, dass es Dich gibt! Stolz bin ich auf Dich und Dein Leben und auch auf das, was wir gemeinsam gelernt und geschafft haben. Stay cool
Als ich gestern in den Flieger stieg, bekam ich eine FAZ in die Hand gedrückt. Abgedruckt darin: Die Rede der Preisträgerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Selten hat mich ein so langer Text so gepackt. Innerlich hockte ich in der Veranstaltung und stellte mir vor, dass Swetlana Alexijewitsch die Rede auf Deutsch hielt, ich eine Stecknadel hätte fallen hören können – wenn dann jemand hätte eine fallen lassen. Richtig genossen habe ich diesen Text – so vieles beschrieben, was mir an Gedanken zu den Menschen durch den Kopf geht, wenn ich sie in Moskau sehe und erlebe. All die Anstrengung, die Lautstärke, die Gastfreundlichkeit, der Hunger, die Gier nach Schein(en), nach Macht, nach Nützlichkeit, nach Freiheit, nach… ach- ich weiß auch nicht. Wie oft habe ich mich schon geärgert, dass es so schwierig ist, diese Sprache zu lernen. Mit den paar Brocken Russisch, die ich kann, lässt sich wenig erfahren.
Es war lange her, dass ich Druckerschwärze an den Händen genossen habe, dass ich die Seiten aus der Zeitung getrennt, klein zusammengefaltet und in die Hosentasche gesteckt habe. Und noch länger ist es her, dass ich Zeitungsartikel zweimal las – und es vielleicht sogar noch ein drittes Mal tun werde.